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Prozessauftakt

Angeklagte schweigen zu mutmaßlichem Autorennen mit Todesfolge

Stand: 10. Februar 2021, 17:49 Uhr

Der Hauptangeklagte, ein 32 Jahre alte Mann, sitzt zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal. Bildrechte: xcitepress

Am Landgericht Dresden hat am Vormittag der Prozess um ein verbotenes Autorennen mit Todesfolge begonnen. Angeklagt sind zwei Männer im Alter von 32 und 24 Jahren. Sie haben zum Prozessauftakt nichts gesagt - auch nicht zu ihren Lebensumständen. Laut Anklage sollen sich im August 2020 zu einem Wettrennen verabredet haben und mit ihren Autos durch die Dresdner Innenstadt gerast sein. Dabei hatte ein Auto einen sechs Jahre alten Jungen erfasst. Das Kind wurde an der Budapester Straße gegen eine Bushaltestelle geschleudert und so schwer verletzt, dass es starb. Am Tod des Kindes hatten im vorigen Sommer viele Dresdner Anteil genommen.

Das sagte die Mutter des toten Jungen im ZeugenstandDer totgefahrene sechs Jahre alte Junge war das zweitjüngste von vier Geschwistern. Er hatte eine ältere Schwester und einen älteren Bruder. Er habe nie allein rausgehen dürfen, sagte seine Mutter am Donnerstag als Zeugin. Als seine Spielkameraden an dem Tag im August klingelten und ihn abholen wollten, ist er wohl doch losgelaufen.

Nach der Geburt ihres vierten Kindes eine Woche zuvor sei es der Mutter schlecht gegangen. Ihr Lebensgefährte suchte nach dem Sechsjährigen am Unfalltag. Sie sah ihren Sohn erst wieder, als er tot war, berichtete die 29 Jahre alte Mutter unter Tränen.

Anklage: Tod des Kindes wäre vermeidbar gewesen

Dem Hauptangeklagten 32-Jährigen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Ihm drohen zwischen einem und zehn Jahre Freiheitsstrafe. Der jüngere, 24 Jahre alte Angeklagte muss wegen Gefährdung von Leib und Leben mit einer Geld- oder Haftstrafe bis zu fünf Jahren rechnen. Beide sind nicht vorbestraft.

Laut Anklage waren die Männer mit 89 Stundenkilometern gefahren waren. Der Tod des Kindes wäre bei einer Geschwindigkeit von zulässigen 50 km/h vermeidbar gewesen. Das betonte am ersten Prozesstag auch Oberstaatsanwalt Jens Hertel. Den Angeklagten hätte klar sein müssen, dass sie mit hohem Tempo gerade an einer Haltestelle oder einem Fußgängerüberweg Menschen "bewusst gefährden".

Verteidiger widersprechen: War kein Rennen

Strafverteidiger Michael Sturm widersprach dem Vorwurf des illegalen Autorennens. Die Angeklagten seien nicht neben- sondern in einem Abstand von 40 bis 70 Metern hintereinander gefahren, sagte der Anwalt. Er sprach von falschen Zeugenangaben "aus einer niederen Gesinnung".

Ein 25 Jahre alter Zeuge aus Leverkusen (Nordrhein-Westfalen) saß als Beifahrer im Auto des Hauptangeklagten. Er sagte zum Unfallhergang: "Er hat gebremst, aber es nicht mehr geschafft." Der Fahrer erfasste den Jungen, der gerade zusammen mit einem anderen Kind auf dem Heimweg vom Supermarkt war.

Das Dresdner Landgericht hat bis zum 18. März vorerst fünf Verhandlungstermine angesetzt.

Der zweite Angeklagte, ein 24 Jahre alter Mann, sitzt nicht in Untersuchungshaft. Bildrechte: xcitepress

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSENMDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 10.02.2021 | 08:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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