Grünes Gewölbe Prozess zum Juwelendiebstahl: Wachleute hindern Täter nicht an der Flucht

Am dritten Prozesstag zum Einbruch ins Historische Grüne Gewölbe wurden am Dienstag eine Sicherheitsmitarbeiterin der Semperoper und eine weitere Passantin als Zeuginnen angehört. Auch kamen zwei Polizisten und eine Polizistin, die als erste beim Tatort eintrafen, zu Wort. Zuvor hatten zwei Verhandlungstage im Februar aufgrund von Corona-Quarantänen bei Verfahrensbeteiligten ausfallen müssen.

Andreas Ziegel (2.v.l.), Vorsitzende Richter am Landgericht Dresden, kommt vor Prozessbeginn in den Verhandlungssaal.
Der Prozess um den Einbruch ins Grüne Gewölbe ist am Dienstag mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt worden. Bildrechte: dpa

Nach dem Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe in Dresden sollen Wachleute laut einer Zeugenaussage die Täter nicht an der Flucht gehindert haben. Die Mitarbeiter des Wachdienstes hätten von den Tätern nicht erkannt werden wollen und sich deshalb versteckt, sagte ein Polizist am Dienstag bei der Verhandlung am Dresdner Landgericht: "Sie hatten nicht aktiv gehandelt, um sie aufzuhalten, weil sie Angst hatten."

Der 31 Jahre alte Polizeimeister war am 25. November 2019 gemeinsam mit einer Kollegin als erster am Tatort. Es sei ihnen zunächst darum gegangen, Informationen zu dem Fluchtfahrzeug zu bekommen, um die Täter zu ergreifen. Ein Wachmann habe ein Video von deren Abfahrt gedreht, das allerdings leider zu kurz gewesen sei. So habe man nicht feststellen können, in welche Richtung das Fluchtfahrzeug abbog. Auf dem Video sei der Wagen zudem nur schemenhaft zu erkennen gewesen.

Zeugin beschreibt Auto mit offenen Kofferraum

Der dritte Prozesstag hatte am Dienstagvormittag zunächst mit der Vernehmung von zwei Zeuginnen begonnen, die am Tag des Einbruchs auf dem Weg zur Arbeit waren und an dem Schauplatz vorbeikamen. Eine 35 Jahre alte Frau - Sicherheitsmitarbeiterin der Semperoper - gab zu Protokoll, am frühen Morgen des 25. November 2019 am Tatort zwei Männer und ein Auto mit offenem Kofferraum gesehen zu haben. Die Männer hätten sich in einer fremden Sprache unterhalten, sagte sie bei dem Prozess am Landgericht Dresden.

Die Frau, die an dem betreffenden Morgen auf dem Weg zur Arbeit war, ging davon aus, dass sich die Männer vielleicht in einer osteuropäischen Sprache unterhielten. Den offenen Kofferraum habe sie trotz der Dunkelheit wahrnehmen können, weil er beleuchtet war.

Eine weitere Zeugin, Mitarbeiterin am Einlass des Sächsischen Landtages, die an diesem Morgen gleichfalls zur Arbeit ging, hatte unter anderem zwei Männer an der Schinkelwache gegenüber des Grünen Gewölbes bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Juwelendiebe den Tatort allerdings schon wieder verlassen haben.

Ihr sei es unheimlich gewesen, weil der gesamte Straßenzug wegen fehlender Beleuchtung im Dunkeln lag, sagte die befragte Frau. Deshalb sei sie auch in Panik geraten, als sie die beiden Männer sah. Diese hätten sich aber abgewandt und wären in entgegengesetzter Richtung weggegangen.

Chemiker soll angehört werden

Nach den Worten des Vorsitzenden Richters, Andreas Ziegel, will sich die Kammer nun schnell damit befassen, wie die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen auf die Angeklagten stieß. Im Kern geht es dabei um DNA-Spuren und Spuren, die Spürhunde, auch Mantrailer genannt, fanden.

Das Gericht will dabei unter anderem einen Chemiker als Sachverständigen hören. Er soll darüber Auskunft geben, inwieweit Spürhunde Geruchsmoleküle auch nach längerer Zeit wahrnehmen können. Am 22. März will das Gericht außerdem Michael John, Leiter Bau, Technik, Sicherheit bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, verhören.

Die Angeklagten im Prozess um den Juwelenraub im Grünen Gewölbe sitzen vor Prozessbeginn im Verhandlungssaal auf ihren Plätzen.
Die sechs des schweren Bandendiebstahls angeklagten jungen Männer werden von gut einem Dutzend Anwälten vertreten. Bildrechte: dpa

4.300 historische Juwelen gestohlen

In dem Prozess zum Juwelendiebstahl stehen sechs Männer im Alter zwischen 23 und 28 Jahren vor Gericht. Die Deutschen stammen aus einer bekannten arabischstämmigen Berliner Großfamilie und sind wegen schweren Bandendiebstahls, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung angeklagt.

Sie sollen 21 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtwert von etwa 113 Millionen Euro Versicherungswert aus der Schatzkammer gestohlen haben. Im Zuge des spektakulären Coups sei es auch zu Sachschäden in Höhe von über einer Million Euro gekommen. Die Angeklagten wurden bei mehreren Razzien in Berlin gefasst.

MDR (ik,ag)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 08. März 2022 | 15:00 Uhr

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