Reaktionen Aufklärung gefordert: Empörung nach Angriffen auf Polizei und Medien

Raketen und Böller, fliegende Steine und Flaschen, zahlreiche Verletzte - die Freude über das erfolgreiche Aufstiegsspiel von Dynamo Dresden gegen Türkgücü München am Sonntag wurde von Ausschreitungen überschattet. In der Nähe des Stadions lieferten sich Anhänger gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei. Akteure aus der Politik und von Vereinen fordern nun Aufarbeitung von allen Seiten und Stadionverbote für Gewalttäter.

Dynamo Dresden Aufstieg 2021
Fans waren beim Heimspiel von Dynamo Dresden nicht zugelassen. Trotz des Appells, zu Hause zu feiern, versammelten sich mehrere tausend Fans im Großen Garten nahe des Stadions. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Ausschreitungen am Rande des Aufstiegsspiels von Dynamo Dresden am Sonntag nahe des Rudolf-Harbig-Stadions haben für Entsetzen gesorgt. Akteure aus der Politik und dem Vereinsleben forderten Aufklärung und Aufarbeitung von allen Seiten - darunter auch die Polizei und die SG Dynamo Dresden selbst.

Verein äußerte sich am Montagabend

Am späten Montagabend äußerte sich Dynamo Dresden in einer Pressemitteilung zu den Ausschreitungen: "Die Bilder des gestrigen Tages stehen für sich, denn sie sprechen eine deutliche Sprache. Wir sind entsetzt und verurteilen diese Gewalt auf das Schärfste. Gleichzeitig entschuldigen wir uns im Namen des Vereins bei allen verletzten Personen und wünschen ihnen eine schnelle und vollständige Genesung. Insbesondere die offenbar gezielten Angriffe einer gewaltbereiten Minderheit auf Journalisten und Polizisten sind in unseren Augen Grenzüberschreitungen, die wir unter keinen Umständen tolerieren", wurden die SGD-Geschäftsführer Ralf Becker und Jürgen Wehlend in der Erklärung zitiert.

An der intensiven und umfassenden Aufarbeitung der Geschehnisse hatten unter Leitung der SGD-Geschäftsführung unter anderem Veranstaltungsleiter und Sicherheitsbeauftragter, die Fanbeauftragten des Vereins sowie Vertreter des Fanprojekts Dresden und der Stadion Dresden Projektgesellschaft teilgenommen.

Der Verein hatte am Sonntag über den Kurznachrichtendienst Twitter erklärt:

Dynamo-Trainer Alexander Schmidt bedauerte im Interview mit dem MDR allerdings, dass die Mannschaft komplett von den Fans abgeschottet wurde. "Wir hatten uns gewünscht, Kontakt zu den Fans zu haben und sie wenigstens zu sehen. Irgendwie glaube ich von meinem Gefühl her, hätte man das gestern anders lösen können", sagte er am Tag nach den Vorfällen.

Forderungen nach Konsequenzen

Dass sich die SG Dynamo Dresden nicht stärker von Gewalttätern distanziert, kritisiert beispielsweise CDU-Innenpolitiker Rico Anton. Er forderte Stadionverbote für Gewalttäter. Der Verein müsse entsprechende Konsequenzen ziehen, sagte Anton am Montag der Deutschen Presse-Agentur.

Ähnlich äußerte sich auch Sachsens Innenminister Roland Wöller. Er verlangte von Fußballvereinen, Konsequenzen zu ziehen, "wenn Fanaktivitäten derart eskalieren". Personalisierte Tickets und Stadionverbote für Gewalttäter dürften kein Tabu mehr sein. "Als Innen- und Sportminister bin ich da auch gern mit von der Partie, wenn es heißt, gemeinsam Lösungen zu finden", so der CDU-Minister.

Fanprojekt: kritisches Hinterfragen aller Akteure gefordert

Das Fanprojekt Dresden, das als unabhängiger Verein mit Anhängern der SG Dynamo Dresden sozialpädagogisch arbeitet, will statt schneller Verbote die Aufarbeitung der Geschehnisse vorantreiben. Das Fanprojekt teilte in einer Stellungnahme mit, dass die Auseinandersetzungen rund um den Spieltag noch lange nachwirken würden. Man verurteile auch die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten. "Gleichzeitig heißt es nun, dass die Fehler, die zu dieser Dynamik geführt haben, erkannt und besprochen werden müssen. Hier sind alle Seiten und Akteure gefragt, sich kritisch mit der eigenen Verantwortung für diese Situation auseinanderzusetzen." Der Fanprojekt-Verein habe damit bereits begonnen.

Wir führen Gespräche und werten aus, um fundierte Aussagen liefern zu können. Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht, dafür ist es zu früh.

Fanprojekt Dresden e.V. Interview mit MDR SACHSEN

Verbale und körperliche Attacken auf Journalisten

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (DJU) in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi zeigte sich betroffen über den Angriff auf zwei Journalisten. Es sei "kaum noch zu ertragen, welchen Gefahren sich die Kolleginnen und Kollegen mittlerweile aussetzen müssen, einfach nur, um ihrer Arbeit nachgehen zu können". Die Bundesgeschäftsführerin der DJU, Monique Hofmann, forderte die schnelle Aufklärung der Ereignisse.

Unter den Verletzten ist offenbar auch ein Foto-Journalist. Via Twitter teilte er mit, dass er nach dem Angriff durch zwei Fußballfans im Krankenhaus behandelt wurde.

Reporter vor Ort berichteten über Twitter neben Angriffen auch von verbalen Attacken. So hätten Fans "Judenpresse" in Richtung der Medienvertreter geschrien. Die entsprechenden Journalisten waren auf Anfrage nicht zu erreichen. Die Polizei teilte auf Nachfrage von MDR SACHSEN mit, dass sie einen solchen Vorfall nicht bestätigen könne. Allerdings sei das Areal groß gewesen und ein entsprechender Zwischenfall nicht ausgeschlossen.

Polizei zieht abschließend Bilanz

Unterdessen hat die Dresdner Polizei ihre Bilanz zum Sonntagseinsatz nahe des Stadions vorgelegt. Demnach seien 185 Beamte verletzt worden - vor allem, weil sie mit Flaschen, Steinen und Pyrotechnik beworfen wurden. 30 der verletzten Polizeibeamten könnten ihren Dienst derzeit nicht ausüben. Von den elf Polizisten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, befinden sich demnach noch sechs in Behandlung.

Nach Polizeiangaben wurden 40 Männer im Alter zwischen 19 und 69 Jahren vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen. Die Männer seien inzwischen wieder entlassen worden. Die Beamten zählten den Angaben zufolge 32 Straftaten während des Einsatzes. Es habe sich vor allem um Beleidigungen, Widerstände gegen Vollstreckungsbeamte, Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz, tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung und schweren Landfriedensbruch gehandelt.

Zudem seien 103 Verstöße gegen die Sächsische Corona-Schutzverordnung geahndet worden. Um "die Ermittlungen der bereits festgestellten Straftaten voranzutreiben und weitere Straftaten im Zusammenhang mit den Geschehnissen am 16. Mai 2021 zu verfolgen" hat die Polizeidirektion Dresden eine Sonderkommission namens "Hauptallee" ins Leben gerufen.

Ausschreitungen beim Aufstiegsspiel

Hintergrund der Ausschreitungen am Sonntag war das Heimspiel der SG Dynamo Dresden. Rund um das Rudolf-Harbig-Stadion war es nach dem Aufstieg des Vereins in die 2. Bundesliga zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Anhänger des Fußballclubs und der Polizei gekommen. Laut Angaben der Polizeidirektion Dresden griffen mindestens 500 Gewaltbereite unvermittelt und massiv Beamte an. Bei den Ausschreitungen seien zudem Medienvertreter attackiert worden.

Fußball Aufstieg und Randale - Bilder rund ums Dynamo-Stadion

Rund um das Aufstiegsspiel von Dynamo Dresden kam es zu Zusammenstößen von Fans und der Polizei. Tausende hatten sich in Stadionnähe versammelt, um den Aufstieg der Mannschaft zu feiern. Die Lage eskalierte.

Dynamo-Fans in Dresden vor dem Stadion
Ab Sonntagmittag hatten sich Dynamo-Anhänger in der Stadt versammelt ... Bildrechte: MDR/BJ
Dynamo-Fans in Dresden vor dem Stadion
Ab Sonntagmittag hatten sich Dynamo-Anhänger in der Stadt versammelt ... Bildrechte: MDR/BJ
Dynamo-Fans in Dresden vor dem Stadion
... und waren zunächst friedlich Richtung Stadion gezogen. Bildrechte: MDR/BJ
Dynamo Dresden Aufstieg 2021
Immer häufiger wurde Pyrotechnik gezündet. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dynamo-Fans in Dresden vor dem Stadion
Die Polizei versuchte, die Menge zu stoppen. Das Vorhaben, die Corona-Regeln durchzusetzen, gaben die Beamten auf. Bildrechte: MDR/BJ
Dynamo Dresden Aufstieg 2021
Im Bereich des Großen Gartens kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Zwei Wasserwerfer und Einsatzbeamte der sächsischen Polizei
Zwei Wasserwerfer hatte die Polizei in Stadionnähe in Stellung gebracht. Bildrechte: MDR/RH
Dynamo Dresden Aufstieg Randale 2021
Schließlich setzten die Beamten auch Wasserwerfer ein, um die Menschenansammlungen aufzulösen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Wasserwerfer im Einsatz Dresden
Hier ist der Wasserwerfer auf der Lennéstraße im Einsatz. Bildrechte: MDR
Dynamo Dresden Aufstieg 2021
Die Polizei hatte via Twitter an friedliche Fans appelliert, sich von Gewalttätern zu distanzieren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Dynamo Dresden Aufstieg Randale 2021
Die Straße vor dem Stadion erinnerte nach der Randale beinahe an ein Schlachtfeld. Holzpfosten lagen auf der Straße verteilt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Polizist löscht Rauchbombe
Ein Polizist löscht qualmende Pyrotechnik, die sogenannten Fußballanhänger von Dynamo Dresden gezündet haben. Bildrechte: MDR/BJ
Räumung Straße vor Stadion
Die Situation rund um das Stadion blieb auch Stunden nach dem Abpfiff noch angespannt. Bildrechte: MDR/KH
Feuerwehreinsatz nach Randalen bei Dynamo-Aufstieg
Die Feuerwehr Dresden hat am frühen Sonntagabend den Alarm "Massenanfall von Verletzten" ausgerufen und baut eine Infrastruktur vor Ort auf, um den bei den Auschreitungen verletzten Menschen schneller helfen zu können. Bildrechte: MDR/KH
Dynamo-Dresden-Fanartikel werden aus einem Fahrzeug heraus verkauft
Ungeachtet der Auschreitungen mit Verletzten lief der Verkauf von Fanartikeln nach dem Aufstieg von Dynamo Dresden in der Nähe des Stadions. Eigentlich hatte der Verein dazu aufgerufen, dass gar keine Fans zum Stadion kommen. Bildrechte: MDR/KH
Alle (14) Bilder anzeigen

Vor dem Fußballspiel hatte die Polizei appelliert, wegen der Corona-Pandemie nicht zum Station zu kommen. So sollten Menschenansammlungen vermieden werden. In den sozialen Netzwerken hatte es allerdings Aufrufe zu einer gemeinsamen Aufstiegsfeier von Dynamo Dresden gegeben. Laut Polizeiangaben befanden sich bereits am Mittag mehr als 4.000 Fußballfans in der Nähe des Stadions.

Quelle: MDR/kp/epd/dpa

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen