Reform Städtisches Klinikum Krankenhaus Dresden-Neustadt wird Notfall- und Ambulanzzentrum

Städtisches Klinikum Dresden
Seit zehn Jahren schweben mögliche Szenarien wie ein Damoklesschwert über dem Krankenhauses in Dresden Neustadt. Jetzt ist es klar: Laut Zukunftskonzept will die Stadt die komplette stationäre Versorgung nach Friedrichstadt verlegen. Bildrechte: MDR/Karsten Wolf

Der Standort Dresden-Neustadt des Städtischen Klinikums soll zukünftig zum Notfall- und Ambulanzzentrum ausgebaut werden. Darüber informierte die Stadt auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag. Der Standort solle neben der Notfallversorgung einzelne ambulante Praxen, ein Geburtshaus, ein Sozialpädiatrisches Zentrum sowie ein Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderung beherbergen. Außerdem wird unter anderem eine Altenpflege angegliedert sein.

Alle anderen medizinischen Bereiche sollen in Spezialzentren am Standort Friedrichstadt gebündelt werden. Um die Krankenhäuser zeitgemäß zu entwickeln, würde in Friedrichstadt ein Campus mit mehreren Spezialzentren entstehen. Der Standort Dresden-Weißer Hirsch für die Versorgung psychisch kranker Menschen soll erhalten bleiben und erweitert werden. Die Stadt Dresden plant den Neubau eines Zentrums für psychische Gesundheit.

Grafiken zum Zukunftskonzept 2035
Zukunftskonzept 2035: Pläne für den Standort Dresden-Neustadt des Städtischen Klinikums Dresden Bildrechte: Städtisches Klinikum Dresden

Zukunftskonzept soll bis 2035 umgesetzt werden

Das neue Konzept sei in einem "sehr intensiven Prozess" erarbeitet worden, erklärte Dresdens Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann. "Das Zukunftskonzept für das Jahr 2035 ist heute unsere Vision für morgen". Seit Jahren kämpfen die städtischen Krankenhäuser in Dresden-Friedrichstadt und Dresden-Neustadt mit finanziellen Problemen. Bereits vor knapp zehn Jahren sollten die Krankenhäuser privatisiert werden. Nachdem die Linke einen Bürgerentscheid initiiert hatte, stimmte die Mehrheit der Dresdner im Januar 2012 für einen Verbleib der Krankenhäuser in der Kommune. Um Strukturen zu entschlacken, legte die Stadt bereits im Jahr 2017 die Eigenbetriebe beider Krankenhäuser zusammen und gründete das Städtische Klinikum Dresden. Doch auch damit konnte nicht gewinnbringend gearbeitet werden. Zwischen 2017 und 2019 schrieben die Krankenhäuser etwa 25 Millionen Euro Verluste, die Kreditlinien waren bis zum Anschlag ausgereizt.

Moderne Medizin von Spezialisierungen geprägt

Das soll sich jetzt mit der Umsetzung des Zukunftskonzeptes ändern. "Mit unserem Konzept wollen wir der modernen Medizin Rechnung tragen", erklärte Harald Schmalenberg, einer der zwei medizinischen Direktoren am Städtischen Klinikum. "Die Entwicklung der Medizin sei in den vergangenen zehn Jahren durch Spezialisierungen geprägt. Deswegen würden die Ressourcen künftig am Standort Friedrichstadt in verschiedenen Zentren zusammengefasst.

Stationäre Versorgung geht komplett nach Friedrichstadt

Den Angaben zufolge wird die gesamte stationäre Versorgung an den Standort Friedrichstadt verlegt, unter anderem in ein Bauchzentrum, ein Kopfzentrum, ein Zentrum für Knochen, Muskeln und Gelenke sowie ein Mutter-Kind-Zentrum. Sämtliche operierende Fächer sowie das vollständige Spektrum der Inneren Medizin sollen künftig am Standort in Friedrichstadt umgesetzt werden. Gleichzeitig plant die Stadt etwa 40 psychiatrische Betten am neuen Campus Friedrichstadt.

Grafiken zum Zukunftskonzept 2035
Mehr als 300 Millionen Euro will die Stadt in das Krankenhaus Friedrichstadt investieren. Bildrechte: Städtisches Klinikum Dresden

Investitionen von 314 Millionen Euro am neuen Campus

Insgesamt 314 Millionen Euro will die Stadt in Friedrichstadt investieren, knapp drei Viertel der Investitionen soll in Neubauten fließen. "Wir tragen als Städtisches Klinikum der Entwicklung der Medizin Rechnung, die sich immer weiter verzweigt", erklärte der kaufmännische Direktor Marcus Polle. Gleichzeitig würde sich die Zahl der Betten um 135 verringern. "Dabei handelt es sich jedoch um Betten, die heute nicht dauernd ausgelastet sind".

Reform bedeutet de facto Aus für den Standort Dresden-Neustadt

Das Zukunftskonzept bedeutet langfristig das Aus für den stationären Krankenhausbetrieb am Standort Dresden-Neustadt. Der Campus Neustadt/Trachau werde zu einem "zeitgemäßen Gesundheitsquartier mit Fokus auf ambulanter Versorgung" entwickelt, hieß es. Dabei würden das bereits bestehende Sozialpädiatrische Zentrum und das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen ausgebaut. Zudem bleibe eine Notaufnahme mit zehn Betten. Sowohl das jetzige Brustzentrum als auch das Perinatalzentrum – also die intensivmedizinische Betreuung der Babys werden nach Friedrichstadt verlagert. Am Standort Dresden-Neustadt bleibt lediglich ein Geburtshaus. Zudem würden Kurzzeitpflege und spezialisierte Wohnformen in Dresden-Neustadt angeboten.

Es soll kein Personal abgebaut werden

"Alle Standorte bleiben erhalten. Alle Mitarbeiter werden auch in Zukunft einen sicheren Arbeitsplatz in unserem kommunalen Eigenbetrieb haben", erklärte Bürgermeisterin Kaufmann. Es solle kein Personal abgebaut werden, sondern im Gegenteil: "Wir wollen Personal einstellen". Pflegedirektorin Petra Vitzthum erklärte: "Allein in den nächsten Jahren gehen 440 Pflegekräfte in den Ruhestand."

Petra Vitzthum, Pflegedirektorin des Klinikums Dresden, ist eine Frau mit halblangen Haaren und Brille.
Petra Vitzthum, Pflegedirektorin des Klinikums Dresden Bildrechte: Klinikum Dresden

Attraktives Arbeitsumfeld

Das Zukunftskonzept sei den Angaben zufolge von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft "Ernst & Young" begleitet worden und "die beste Lösung im Sinne der Weiterentwicklung des Klinikums". "Die Bündelung der medizinischen Leistungen in Zentren verbessert die Qualität der einzelnen Therapien, da sich Mediziner interdisziplinär auf kurzem Wege  abstimmen können", sagte der kaufmännische Direktor Polle. Die neuen Strukturen ermöglichten ein attraktiveres und zeitgemäßes Arbeitsumfeld. Zudem müsse Medizintechnik nicht doppelt vorgehalten werden.

Standort Weißer Hirsch soll bleiben

Am Standort Weißer Hirsch wollen Stadt und Klinikleitung die Versorgung psychischer Erkrankungen mit etwa 220 Betten aufrechterhalten. "Die Psychiatrie soll am Weißen Hirsch optimale Bedingungen erhalten", sagte Polle. Deswegen werde der Neubau eines Zentrums für psychische Gesundheit geplant. Die Kosten dafür werden auf etwa 95 Millionen Euro geschätzt. Ein entsprechender Förderantrag sei in Vorbereitung. Insgesamt liegen die Kosten für die Strukturänderungen bei insgesamt knapp 426 Millionen Euro. "Das mutet viel an, doch einige Projekte haben schon begonnen", erklärt Polle. So sei der Neubau des Laborgebäudes in Friedrichstadt mit 18 Millionen Euro im städtischen Doppelhaushalt 2021/2022 bereits gesichert. Gleiches gelte für die Förderung von 42 Millionen Euro-Förderung zum Umbau und Sanierung des Hauses P.

Grafiken zum Zukunftskonzept 2035
Zukunftskonzept 2035: Pläne für den Standort "Weißer Hirsch" des Städtischen Klinikums Dresden Bildrechte: Städtisches Klinikum Dresden

Stadtrat muss entscheiden

Bevor das Konzept umgesetzt wird, muss der Stadtrat entscheiden. "Der Beschlussvorlage ging ein langer, sehr sorgfältiger und gründlicher Entstehungsprozess voraus", sagte Polle. Leitende Mediziner, Vertreter der Stadtpolitik sowie des Personalrats hätten sich intensiv mit dem Konzept beschäftigt. "Wir sind uns bewusst, dass heute noch nicht alle Details feststehen und wir auch auf Sicht fahren", sagte Polle. Deswegen sei es "gut und wichtig, dass wir uns mit den fünf-Jahres-Abschnitten auf einen überschaubaren Weg machen und damit auch die Möglichkeit haben, nachzujustieren“.

Pflegedienstleiterin Vitzthum erklärte: "Die Campusvariante ist für die Mitarbeiter des Standorts Neustadt ein sehr emotionales Thema. Natürlich gibt es eine gewisse Traurigkeit." Umso wichtiger sei es, dass die Neustädter Mitarbeiter mit dem Beschluss des Stadtrats schnell eine klare Aussage erhalten.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.03.2021 | 16:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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