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Vier-Tage-Woche

Schmankerl für Gastro-Angestellte in Dresden: Einen Tag länger frei

von MDR SACHSEN

Stand: 03. Oktober 2021, 14:00 Uhr

Über fehlendes Personal meckern, schlechte Laune bekommen, Ruhetage einführen - für diese Optionen hätte sich der Geschäftsführer Moyd Karrum entscheiden können. Aber der Chef des Carolaschlößchens in Dresden am Großen Garten hatte eine andere Idee.

Linda Rößler (rechts) hat gut Lachen: Sie ist zufrieden, nachdem sie vier Wochen lang das neue Arbeitszeitmodell ausprobiert hat, das sich ihr Chef Moyd Karrum (links) ausgedacht hatte. Bildrechte: privat

Das Restaurant Carolaschlößchen in Dresden führt ab 1. November offiziell die Vier-Tage-Woche ein. Damit will Geschäftsführer Moyd Karrum seinem Personal die Gastrobranche schmackhafter machen. "Wir können bei uns kein Homeoffice oder mobiles Büro anbieten. Aber mit verdichteten Arbeitszeiten bekommen die Leute drei Tage am Stück frei", sagt der 42 Jahre alte Gastronom. Das Arbeitszeitmodell gilt zuerst für 25 Mitarbeitende in der Küche und im Servicebereich.

Wir haben uns gefragt, wohin die Reise geht und wie wir das Image der Gastronomie verbessern könnten. Drei Tage am Stück frei, kann den Erholungsfaktor bei den Kollegen erhöhen.

Moyd Karrum | Geschäftsführer

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Personalmangel im Gastgewerbe

Ein Tag mehr für eigene Sachen

Linda Rößler testet das Modell seit einem Monat. "Ich finde das viel besser als vorher. Auch meine Familie findet's gut", sagt die Restaurantfachfrau. Zehn-Stunden-Arbeitstage seien für sie nichts Ungewöhnliches. Wenn große Feste oder Hochzeiten im Carolaschlößchen stattfinden, seien das völlig normale Arbeitszeiten. "Es ist eine Möglichkeit, Berufe in der Gastronomie attraktiver zu gestalten, gerade für Familien", meint die 26-Jährige. Viele Kollegen freuten sich auf einen Tag mehr für sich zu Hause, erzählt sie.

Gehaltserhöhung gut und schön, aber Freizeit ist mir lieber. Seit ich das ausprobiere, bin ich entspannter und ausgeruhter als vorher.

Linda Rößler | Restaurantfachfrau

Anfangs Skepsis und Ängste

So begeistert, wie die Fachfrau klingt, sei das Modell anfangs aber nicht von allen aufgenommen worden. "Einige hatten Bedenken, dass es nicht funktioniert, wenn Personalmangel herrscht", sagt Rößler. Ja, der Chef habe viel erklären und auch Ängste nehmen müssen. Mancher fürchtete Stunden- oder Lohnreduzierung durch die Hintertür. "Das ist ein Weg auf dem komplizierten Markt, Personal zu halten und zu rekrutieren. Es geht nicht um Lohnkürzungen", sagt Geschäftsführer Karrum.

Nicht alle im Unternehmen können oder wollen das Arbeitszeitmodell nutzen. Die neun Auszubildenden zum Beispiel, teils noch minderjährig, dürfen keine zehn Stunden am Stück arbeiten. Auch für den Chef sei das Vier-Tage-Modell nichts. "Das würde bei meinen Aufgaben nicht funktionieren."

Haben im Personalplan alles genau durchgerechnet und dann die Abläufe angepasst: Schichtleiter Roberto Meißner (links), Geschäftsführer Moyd Karrum (Mitte) und Restaurantleiter Frank Weisner. Bildrechte: Kathleen Parma

Straffere Pläne und Öffnungszeiten

Damit im ersten Schritt 25 der insgesamt 43 Mitarbeiter in Vier-Tage-Wochen arbeiten, mussten Pläne gestrafft, Reservierungen besser geplant und Öffnungszeiten angepasst werden. Die Küche öffnet demnächst eine Stunde später und schließt eine eher (11 bis 21 Uhr), der Sonntagabend wird ab 18 Uhr ein Ruheabend. "Wir haben das genau durchgerechnet. Das ist besser, als einen ganzen Ruhetag einzuführen. Was nützen mir lange Öffnungszeiten, wenn ich keine Leute zum Arbeiten habe?"

Die Vier-Tage-Woche außerhalb der Gastronomie- Das Arbeitszeitgesetz regelt die Arbeitszeiten. Nur in Ausnahmefällen darf zehn Stunden an Werktagen gearbeitet werden, wenn innerhalb von sechs Kalendermonaten oder 24 Wochen im Durchschnitt acht Stunden werktäglich nicht überschritten werden.
- In der Gastronomie kann man die Arbeitszeit von acht auf zehn Stunden verlängern, wenn sie im Durchschnitt innerhalb eines Monats die Höchstarbeitszeit von 48 Stunden pro Woche nicht überschreitet.
- Im Jahr 2020 wurde bundesweit breit über die Vier-Tage-Woche diskutiert, die die Linke ins Gespräch gebracht hatte. Damals ging es um vier Tage Arbeit bei vollem Lohnausgleich.
- Viele Arbeitnehmer waren für das Modell.
- Wesentliche Fragen zur Finanzierung blieben unbeantwortet: Woher sollen die Milliarden Euro kommen? Wie wirkt sich die Vier-Tage-Woche auf Renten und auf die Sozialkassen aus?

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Quelle: MDR/kk

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