DDR-Forschungsreaktor Bund übernimmt Kernbrennstoffe aus Rossendorf

Zu DDR-Zeiten forschten Wissenschaftler in Rossendorf. Dort standen ihnen drei Reaktoren zur Verfügung. Die wurden nach 1991 abgebaut. Die Brennelemente aus diesen Reaktoren wurden in NRW zwischengelagert. Nun hat der Bund die Verantwortung für die atomaren Reste übernommen.

Der Bund übernimmt die Kernbrennstoffe aus dem früheren Forschungsreaktor in Rossendorf bei Dresden. Das sächsische Kabinett hat dazu einen Vertrag mit dem Bundesumweltministerium gebilligt. Konkret geht es um 951 abgebrannte Brennelemente in 18 Castor-Behältern. Die stehen seit 2005 im Zwischenlager in Ahaus in Nordrhein-Westfalen.

Zuständigkeiten geklärt

Sachsen hatte seit längerem auf eine andere Zuständigkeit gedrängt. Das Bundesumweltministerium ist die oberste Aufsichtsbehörde für alle Kernbrennstoffe in Deutschland. Die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager für Ahaus läuft 2036 aus. Dann hätten die Brennstäbe möglicherweise wieder nach Sachsen geholt werden müssen. Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) sagte, er sei froh, dass nun klare Verhältnisse herrschen. Nun könne der Bund alles weitere aus einer Hand planen.

Was hat es mit den atomaren Brennelementen auf sich? - Zu DDR-Zeiten galt das Forschungszentrum in Rossendorf als geheimnisumwoben. Wie ein Militärgelände waren die kerntechnischen Anlagen in einem Wald gesichert, darunter der älteste Forschungsreaktor des Landes mit einer Leistung von zehn Megawatt thermischer Leistung. Der Reaktor stammte aus sowjetischer Produktion. Er diente vor allem der physikalischen Grundlagenforschung, für Neutronen-Streuexperimente und zur Erzeugung radioaktiver Stoffe.
- Nach mehr als 100.000 Betriebsstunden wurde der Reaktor im Juni 1991 abgeschaltet. Außer ihm gab es in Rossendorf noch zwei weitere Nullleistungsreaktoren. Das waren Anlagen mit sehr geringer Leistung.
- Die Reaktoren hatten im atomaren System der DDR eine Sonderstellung. Während die Atomkraftwerke in Lubmin und Rheinsberg Strom ins Netz einspeisten, liefen die Anlagen in Rossendorf im Dienste der Wissenschaft.
- Nach dem Rückbau der Anlagen wurden die Brennelemente 2005 in Castor-Behältern nach Ahaus geschafft. Sie sollten in die russische Aufbereitungsanlage Majak gebracht werden. Doch der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) legte 2010 sein Veto dagegen ein. Er bezweifelte die Sicherheit der Wiederaufbereitungsanlage Majak im Südural.

Forscher im Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf, 1990.
Zwei Forscher im Zentralinstitut für Kernforschung in Rossendorf im Jahr 1990 (Archivfoto). Bildrechte: imago/Ulrich Hässler

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 25. August 2021 | 05:30 Uhr

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