Eingewanderter Schädling Feucht-warmer Sommer bietet optimale Bedingungen für Kirschessigfliege in Sachsen

Sie mag es feucht, mäßig warm und nicht allzu sonnig: die Kirschessigfliege. In diesem Sommer hat sich der eingewanderte Schädling schon über Kirschen und Beerenobst in Sachsen hergemacht. Wenn jetzt die Trauben reifen, müssen sich die Winzer vor der kleinen Fliege in Acht nehmen. Erste Nachweise gibt es schon in Weinbergen.

Kirschessigfliege an einer Acolon-Traube.
Die kleinen Kirschessigfliegen treten massenhaft auf und verursachen große Schäden im Obst- und Weinbau. Bildrechte: imago stock&people

Das feuchte und mäßig warme Sommerwetter hat die Ausbreitung der Kirschessigfliege in Sachsen befeuert. Wie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Anfrage mitteilte, kam und kommt es in Obstanlagen - insbesondere bei Kirschen sowie aktuell bei Himbeeren und Brombeeren - zu einem massiven Auftreten des aus Asien eingewanderten Schädlings. Obstbauern hätten Ernteausfälle. Die Drosophila suzukii - so der lateinische Name - plagt seit einigen Jahren Obstbauern und Winzer in Sachsen.

Die bisherigen feuchten Wetterbedingungen mit moderaten Temperaturen bieten der Kirschessigfliege diesen Sommer optimale Bedingungen.

Karin Bernhardt Sprecherin des sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Bio-Obstbauer nahezu machtlos

Obstbauer Michael Görnitz aus Coswig sagt auf Anfrage, dass bei ihm insbesondere Himbeeren betroffen seien. Als Demeter-zertifizierter Betrieb dürfe er keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, in anderen Bio-Verbänden seien diese erlaubt. Mit Vitalisierung der Pflanzen und einer Vergrämung der Schädlinge durch ein Knoblauch-Chilli-Gemisch versucht Görnitz die Kirschessigfliege in Schach zu halten. Das Gemisch wird gespritzt, hinterlässt aber keinen Geschmack auf den Früchten.

eine reife und eine grüne Himbeere hängen am Strauch 1 min
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Wenn die Himbeeren prall und rot sind und sich leicht pflücken lassen, dann sind genau richtig zum Essen. Sind sie matschig und riechen eklig, war die ungeliebte Kirschessigfliege schon zu Gast.

MDR FERNSEHEN So 20.09.2020 08:30Uhr 00:33 min

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Der Bio-Landwirt sagt, es schwierig Ware erster Güte an den Handel zu liefern, wenn Kirschessigfliegen ihre Eier in die Beeren legen. Noch unklar sei, ob auch Aronia-Beeren befallen werden. Bei diesen beginnt kommende Woche die Ernte.

Obstbauer Michael Görnitz aus Coswig kämpft mit einem Mix an Maßnahmen gegen den Frost.
Obstbauer Michael Görnitz darf in seinem Demeter-Betrieb nichts gegen den Schädling spritzen. (Archivbild) Bildrechte: ARD.de

Bereits vermehrte Nachweise im Umfeld von Rebanlagen

Das Landesamt überwacht das Auftreten der Kirschessigfliegen das ganze Jahr über. "Durch das kalte Frühjahr wurden die ersten Kirschessigfliegen in diesem Jahr später gefangen als im Vorjahr", so eine Behördensprecherin. Im Weinbau würden seit Anfang August an mehreren Standorten im sächsischen Elbtal Essigfallen hängen. "In den Fallen im Weinbau wurden bisher nur vereinzelt Kirschessigfliegen gefunden", so die Sprecherin.

 Puppe einer Kirschessigfliege in einer Acolon-Traube
Die Kirschessigfliegen sägen die Fruchtschalen auf, legen ihre Eier ab und in den Früchten entwickeln sich die Larven. Dabei verderben die Beeren oder Kirschen innerhalb kurzer Zeit. Bildrechte: imago images / Steve Bauerschmidt

Monitoring auch rund um Weinberge

An vielen Standorten seien zusätzlich zu den Fallen in den Obstkulturen auch Fallen in nahegelegenen Sträuchern platziert worden, hieß es vom LfULG. "Nahe der Weinstandorte sind in den Hecken bereits größere Populationen vorhanden." Kirschessigfliegen wandern von wilden Brombeeren rund um die Rebanlagen auf später reifende Keltertrauben, bevorzugen dabei rote Sorten. Neben den Fallen kontrolliert das Amt auch Beeren, ob sie bereits befallen sind.

Winzer Hendrik Weber kontrolliert seine Weinberge
Winzer und Oenologe Hendrik Weber hat stets ein Auge auf seine roten Rebsorten. Mit der Kirschessigfliege hat der Sektmacher schon seine Erfahrungen und ist entsprechend auf der Hut. Auf dem Foto ist im Weinstock eine LfULG-Essigfalle auszumachen. (Archivbild) Bildrechte: MDR/L. Müller

Erste Eiablage in Weinbeere

Eine erste Eiablage wurde den Angaben zufolge diese Woche an einer frühen Weinsorte mit dem erstem Farbumschlag der Traube von Grün auf Rot beobachtet. "Die Winzer sollten ihre rotfärbenden Sorten auch dieses Jahr intensiv im Auge behalten und ab der ersten Eiablage eingreifen", rät das LfULG. Inzwischen stehen zugelassene Pflanzenschutzmittel zur Verfügung. Zudem hilft das Entlauben der Traubenzone, da die Kirschessigfliege ein schattiges Umfeld bevorzugt. Auf Trauben in der Sonne fliegt der Schädling weniger.

Die Kirschessigfliege unterscheidet sich von einheimischen Essigfliegen durch eine Art Sägewerkzeug am Hinterleib, mit dem weibliche Fliegen die Fruchtschalen öffnen und ihre Eier abgelegen können. Durch massenhaftes Auftreten können ganze Kulturen kurz vor der Ernte vernichtet werden.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus Dresden | 13. August 2021 | 10:30 Uhr

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