Streit um Ehrenorden Jetzt doch: Semperopernball-Verein Dresden erkennt Putin Orden ab

Im Jahr 2009 hat der Verein des Dresdner Semperopernballs Putin einen Orden verliehen. Nach Diskussionen und einer Distanzierung der Semperoper vom Verein, hat der jetzt entschieden, Putin den Orden doch abzuerkennen. Anfang der Woche klang das noch ganz anders.

Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, r) überreicht am Freitag (16.01.2009) während des 4. SemperOpernballs in der Dresdner Semperoper dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin den Sächsischen Dankesorden.
Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, re.) überreichte am 2009 während des 4. SemperOpernballs in der Dresdner Semperoper dem russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin den Sächsischen Dankesorden (Archivfoto). Bildrechte: dpa

Der Verein des Dresdner Semperopernballs hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen Ballorden nun doch aberkannt. Wie der Verein bekannt gab, hat sich der sechsköpfige Vorstand einstimmig dafür entschieden. Kriege gehörten weder in diese Zeit noch in diese Welt und erst recht nicht nach Europa, hieß es. "Sie können und dürfen kein Mittel sein, um Konflikte zu lösen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine führt nicht nur zu unermesslichem Leid für viele Menschen in unserer Nachbarschaft, sondern unweigerlich auch zu einem unwiderbringlichen Verlust an Kultur und kulturellen Werten."

Ernüchterung in Dresden

Das sei für einen Verein, der für Frieden, Verständigung und Miteinander, für kulturelle Zusammenarbeit und Lebensfreude stehe und der Kulturbrücken zwischen Menschen, Ländern und Sichtweisen bauen wolle, ernüchternd und bitter, teilten die Ausrichter des Balls mit. Deshalb müsse man dem heutigen russischen Präsidenten den damals verliehen sächsischen Dankesorden "nach tief gehenden Beratungen und Gesprächen mit allen Beteiligten" aberkennen. Putin hatte ihn damals als Ministerpräsident Russlands für seine Bemühungen um den deutsch-russischen Kulturaustausch bekommen. Ex-Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), überreichte ihm damals den Orden und hielt die Laudatio.

Stanislaw Tillich, Wladimir Putin sowie Theaterchef Hans-Joachim Frey beim 4. SemperOpernball in der Semperoper in Dresden.
Der Chef des Semperopernball-Vereins Hans-Jochaim Frey (re.) und Putin (Mitte) schienen sich damals eng verbunden. 2021 erhielt Frey von Putin die russische Staatsbürgerschaft. Bildrechte: imago images/Eventpress

Anfang der Woche sah Verein keine Veranlassung für Aberkennung

Anfang der Woche hatte sich der Ballverein noch geweigert, Putin den Orden abzuerkennen. Daraufhin hatte sich die Dresdner Semperoper am Dienstag "entschieden" von Hans-Joachim Frey, dem künstlerischen Leiter des Semperopernballs, distanziert.

2009 hatte der damalige russische Ministerpräsident und heutige Staatschef Wladimir Putin den Orden des Dresdner Opernballs erhalten. Später richtete Frey den Ball auch in Putins Heimatstadt St. Petersburg aus. Mit der Verleihung des Ballordens an den ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi verursachte Frey 2020 gleichfalls Proteste, der Orden wurde dem Machthaber daraufhin wieder aberkannt.

Dresdner Oberbürgermeister hatte sich für Aberkennung ausgesprochen

Der Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert hatte sich laut einem Bericht der "Sächsischen Zeitung" bereits seit Beginn der Woche für die Aberkennung des Ordens ausgesprochen und auch mit seinem Austritt aus dem Verein gedroht.

MDR (kt)/dpa

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