Sparmaßnahme gestoppt Kalt duschen, kein Flutlicht: Sportvereine in Dresden sauer

Wegen der Energiekrise hat die Stadt Dresden Sparmaßnahmen in den städtischen Sportstätten angekündigt. So sollten die Vereine Warmwasser und Flutlicht abstellen und Heizungen abdrehen, um die Nebenkosten zu senken. Ein Schreiben des Sportamtes verärgerte die Betroffenen. Tags darauf hat der Oberbürgermeister sein Amt zurückgepfiffen.

Volleyball in der Margon Arena Dresden
Auch die Dresdner Margon Arena gehört zu den städtischen Sportstätten. Bildrechte: dpa

Weil die Bundesregierung die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat, wollten die Sportstätten ihren Teil zum Energiesparen beitragen und haben die Vereine in einem Schreiben aufgefordert, verschiedene Sparmaßnahmen umzusetzen (Das Schreiben liegt MDR SACHSEN vor). Dazu gehört unter anderen die Abschaltung der Warmwasseraufbereitung und des Flutlichts in den kommunalen Sportstätten bis zum 30. September. Auch die Betriebszeiten der Eishalle sollten verkürzt werden. Der Dresdner Torwart-Trainer Enrico Kuntke hat über den Brief des Sportstätten-Amtes in sozialen Netzwerken seinem Ärger Luft gemacht.

Wie soll das ohne Licht ab Mitte September funktionieren? Was sollen wir mit den Amateursportlern machen, welchen wir keine Trainingszeit mehr bieten können?

Enrico Kuntke Torwarttrainer in Dresden

Fußballverband verärgert über Vorpreschen des Sportstätten-Amtes

Auch der Präsident des Dresdner Stadtverbands Fußball, Heiko Petzold, hat sich über den Brief des Sportstätten-Amtes geärgert. Die Einschränkungen für 10.000 Kinder und Jugendliche in der Stadt seien nicht nachvollziehbar. Das Warmwasser in den Vereinen abzuschalten, führe lediglich zu einer Verlagerung, sagte Petzold MDR SACHSEN. "Die Kinder duschen dann eben zu Hause." Sparen würde dabei lediglich die Stadt. Auch die geplante Abschaltung des Flutlichts sei nicht hinnehmbar, weil ansonsten fast kein Training mehr stattfinden könne.

Einsparpotenziale bei Beleuchtung und Lüftung offenbar am höchsten

Die Energie-Einsparpotenziale in den Sportstätten wären einem internen Papier des Amtes zufolge, der MDR SACHSEN vorliegt, bei den einzelnen Maßnahmen unterschiedlich: Beim Abschalten der Warmwasseraufbereitung könnten demnach zehn Prozent Energie eingespart werden, bei einer Reduzierung der Beleuchtung in den Hallen auf Trainingsstufe 30 Prozent und weniger Lüftung würden 25 Prozent Strom sparen. Die Abschaltung des Flutlichts auf den Sportplätzen würde dem Plan zufolge fünf Prozent Einsparung bringen.

OB Hilbert: Maßnahmen nicht abgestimmt

Doch die Energiesparmaßnahmen in den Sportstätten sind erst einmal gestoppt. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (Kandidat für Unabhängie Bürger für Dresden) ließ am Freitag mitteilen, er habe Sport-Bürgermeister Peter Lames (SPD) angewiesen, die Energie-Sparpläne nicht umzusetzen. "Leider sind diese Maßnahmen nicht mit dem Oberbürgermeister und der Runde der Beigeordneten abgestimmt worden." Es sei unstrittig, dass die Stadt angesichts der aktuellen Situation mit Blick auf mögliche Engpässe auf dem Gas- und Energiemarkt über verschiedenste Punkte innerhalb der städtischen Infrastruktur sprechen müsse, so der Oberbürgermeister zwei Tage vor dem zweiten Wahlgang der OB-Wahl.

Dirk Hilbert, amtierender Oberbürgermeister
Bildrechte: MDR/SACHSENSPIEGEL

Dazu habe ich die Einrichtung einer Task Force angewiesen, die verschiedene Einsparpotentiale prüft und konkrete Vorschläge im August in der Dienstberatung des Oberbürgermeisters unterbreitet.

Dirk Hilbert Oberbürgermeister in Dresden

Ziel müsse ein gesamtstädtisches Konzept sein, das auch soziale Aspekte und Betroffenheit berücksichtigt. "Erst nach Abwägung aller Pro und Contras werden wir eine abschließende Entscheidung treffen," so Hilbert. Der für das Schreiben an die Vereine zuständige Sport-Bürgermeister Peter Lames wollte sich auf MDR-SACHSEN-Nachfrage nicht zu dem Vorgang äußern.

MDR (kb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten aus der Region Dresden | 08. Juli 2022 | 15:30 Uhr

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