Erntebeginn Wackerbarth beginnt mit Traubenlese für Federweißer - Sekthersteller ziehen nach

Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth werden am Donnerstag die ersten Solaris-Trauben für Federweißer geerntet. Die Sekthersteller in Sachsen ziehen ab Freitag nach. Nur Keltertrauben für Weine sind noch nicht reif. Der nasse Sommer hat den Winzern bei der Weinbergsarbeit viel Können und Fingerspitzengefühl beim Pflanzenschutz abverlangt.

Frisch gepresster Traubensaft mit weißen Weintrauben und Käse,
Federweißer gehört für viele zum Spätsommer und Herbst dazu. Im Staatsweingut Schloss Wackerbarth werden jetzt die ersten Trauben für den frischen Most geerntet. (Symbolbild) Bildrechte: IMAGO / CHROMORANGE

Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul hat am Donnerstagmorgen mit der Weinlese begonnen. Zunächst werde allerdings nur die Sorte Solaris geerntet, teilte das Unternehmen mit. Daraus machen die Winzer Federweißer, der ab kommendem Wochenende zum Federweißer-Fest auf dem Weingut ausgeschenkt werden soll. Schon in den kommenden Tagen wollen Sekthersteller in Sachsen nachziehen.

Frühburgunder und Cabernet Dorsa für Sekt

Das Prädikatsweingut Schloss Proschwitz teilte auf Anfrage von MDR SACHSEN mit, am Freitag soll Frühburgunder für Sektgrundwein geerntet werden. Federweißer plane man hingegen nicht, so Firmensprecherin Alexandra zur Lippe.

Von einem "optimalen Sektjahr" spricht Winzer und Oenologe Hendrik Weber. Mit seiner Sektmanufaktur Perlgut hat er sich ausschließlich auf Lagen- und Jahrgangssekte nach klassischer Flaschengärmethode spezialisiert. Am Sonnabend soll die Lese mit Cabernet Dorsa beginnen, aus dessen Trauben Rosé-Sekt entsteht. Mit der frühen Ernte dieser roten Rebsorte komme er zugleich der Kirschessigfliege zuvor, die ganze Anlagen kurz vor der Reife ruinieren kann.

Außenansicht von Schloss Proschwitz
Im Schloss Proschwitz wird aus Frühburgunder Sekt gemacht,. Bildrechte: MDR/Oliver Jueterbock

Trauben für Sekt kommen mit weniger Sonne aus

Das Mostgewicht von 70 bis 75 Grad Oechsle sei perfekt für Sektgrundweine, so Weber. Weil Trauben für Sekt mehr Säure benötigen, fehle auch die Sonne nicht. Auf diese warten hingegen Sachsens Winzer, die aus ihren Trauben Qualitätsweine keltern wollen. Doch auch manche Rebsorten für Sekt müssen noch reifen. Erst in der zweiten September-Hälfte folge der Spätburgunder für Blanc-de-Noir-Sekt.

Rote Trauben hängen an Rebstöcken.
Aus den Cabernet-Dorsa-Trauben der Sektmanufaktur Perlgut wird Rosé-Sekt in klassischer Flaschengärung hergestellt. Zuvor wurde Laub entfernt, damit die Trauben Sonne bekommen und nach Regen schnell abtrocknen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Nasser Sommer fordert Wissen und Fingerspitzegefühl von Winzern

Im Weingut Vincenz Richter in Meißen wird nach aktuellem Stand die Weinlese um den 20. September mit Müller-Thurgau beginnen. Inhaber Thomas Herrlich sagte auf Anfrage, der Familienbetrieb mit Wurzeln bis 1873 baue keine frühen Sorten wie Solaris oder Goldriesling an. Federweißer werde in der Vinothek ausgeschenkt und immer frisch aus den Tanks entnommen, in denen der Zucker zur Hälfte vergoren sei.

Herrlich nennt den Jahrgang 2021 "anspruchsvoll". Er "erfordert schon etwas mehr an fachlichem Wissen und Können, zum Beispiel über Wetter und Pilzkrankheiten." Der Winzer erinnert dabei auch an die strengen Fröste am 10. Februar, als das Quecksilber am Meißner Kapitelberg auf minus 16,5 °C und auf minus 23 °C in Weinböhla gefallen war.

Vinzerz Richters Wirtschaftshof am Kapitelholzsteig
Das Weingut Vincenz Richter liegt am Rande des Meißner Spaargebirges in der Weinbergslage Kapitelberg. Bildrechte: IMAGO / Rainer Weisflog

Viel Laubarbeit und sorgfältiger Pflanzenschutz nötig

Die Winzergenossenschaft Meißen erntet zuerst den Goldriesling, nennt aber auf Anfrage bislang noch keinen Termin für den Lesebeginn. Alle Winzer verweisen allerdings darauf, dass die viele Feuchtigkeit herausfordernd für die Arbeit im Weinberg gewesen sei. Die Rebstöcke trieben viel stärker als in den zurückliegenden trockenen Jahren. Dadurch sei mehr Laubarbeit und mehr Augenmerk auf Pflanzenschutz nötig gewesen und noch immer nötig.

Ein junger Winzer sitzt auf einer Raupe mit Laubschneider und fährt durch eine Rebzeile in einem Weinberg.
Laubarbeit war in diesem Sommer besonders wichtig. Hier wird im Weingut Schuh Laub in der Traubenzone entfernt. Bildrechte: MDR/L. Müller

Echter und Falscher Mehltau sowie Grauschimmelfäule (Botrytis) halten die Winzer aktuell auf Trab. Damit die Trauben reifen können, nicht im Schatten hängen und nach Regen schnell abtrocknen, werden beispielsweise die Traubenzonen in den Rebzeilen von Blättern befreit – das ist der Bereich, in dem die Trauben nebeneinander an den Rebstöcken hängen.

Für verbindliche Aussagen zur Qualität und zum Aroma unserer Trauben ist es noch zu früh. Denn in den kommenden Wochen kann in unseren Weinbergen noch viel passieren.

Till Neumeister Weinbauleiter im Staatsweingut Schloss Wackerbarth

Technik macht auf nassem Boden schlapp

Auf Schloss Proschwitz verweist man darauf, dass durch den feuchten Erdboden die schwere Weinbergstechnik nicht immer reibungslos und manchmal gar nicht in den Rebflächen eingesetzt werden konnte. "Da wir aktuell die gesamte Produktion auf Öko umstellen, hat uns die Witterungslage in diesem Jahr besonders gefordert", so Alexandra zu Lippe.

Quelle: MDR/lam

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 02. September 2021 | 07:00 Uhr

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