Sonderedition Warum liegen 300 Stollen im Glockenturm der Frauenkirche?

Damit Dresdner Stollen schmeckt, wie er schmecken soll, gilt es einiges zu beachten. Nicht nur, dass die Zutaten qualitativ hochwertig sein müssen, auch die Reifephase des Striezels ist geschmacksentscheidend. Bei der Suche nach dem geeigneten Ort für die Reife kam der Inhaber der Dresdner Mühlenbäckerei auf eine besondere Idee. Und mit der verfolgt er auch noch einen guten Zweck.

Menschen tragen Kiepen
Markus Engelhardt (links), Pfarrer der Frauenkirche und Bäckermeister Rüdiger Zopp (rechts), freuen sich auf die gemeinsam geplante Aktion. Bildrechte: Konstantin Henß

Die Dresdner Frauenkirche war am Freitagmorgen Schauplatz einer ungewöhnlichen Aktion: Unter dem Glockenturm C am Neumarkt wurden 300 Stollen aufgefahren und in die Kirche gebracht. Dort sollen die Gebäckstücke reifen. Die Idee dafür hatte Bäckermeister Rüdiger Zopp. In einer Lehrstunde in der Backstube probierten seine Gesellen das erste Mal, einen Stollen zu backen.

Einer meiner Lehrlinge hat den so hingekriegt, dass er aussah wie die Frauenkirche, aber nicht, wie ein Stollen. Damit war die Idee geboren, die mich nie wieder losgelassen hat.

Rüdiger Zopp Bäckermeister

Platz unter der Dankbarkeitsglock

Den Kontakt zum Stiftungsvorstand der Frauenkirche stellte eine Freund des Bäckermeisters her. "Die standen der Sache nicht ablehnend gegenüber", erinnert sich Rüdiger Zopp. Bei einem Ortstermin in der Kirche schlug der Vorstand vor, die Stollen im Glockenturm C zu lagern - direkt unter der Dankbarkeitsglocke Hannah.

Mann beläd Kiepe
Bäckergesellen sagt man starke Arme vom stundenlangen Teigkneten nach. Am Freitag mussten sie zeigen, dass sie es auch in den Beinen haben. Bildrechte: Konstantin Henß

Sieben Gesellen auf der Kirchentreppe

Am Freitag war es soweit: Zopp und sieben seiner Gesellen brachten die Striezel an ihren neuen Platz. Jeder von ihnen trug ein Paar der jeweils ein Kilo schweren Striezel auf dem Rücken. Damit stiegen sie die 140 Treppenstufen hinauf. 29 Meter über dem Neumarkt legten sie das Festgebäck ab, das nun 40 Tage lang dort lagert. Laut Zopp, ein idealer Ort für die Reifung. Denn die sei für das spätere Geschmackserlebnis entscheidend.

Temperatur, Luftfeuchtigkeit, -qualität und -zirkulation spielen dabei eine große Rolle. Ich bin mir sicher: Dieser klang- und bedeutungsvolle Ort in unserer Frauenkirche macht den Stollen einzigartig.

Rüdiger Zopp Bäckermeister

Mann stapelt Kisten
Die Stollen sind alle einzeln verpackt in speziell für die Aktion gefertigten Holzkisten. Bildrechte: Konstantin Henß

Ein Teil des Verkaufserlöses soll später für die Frauenkirche gespendet werden. Denn das Gebäude habe eine große Ausstrahlung und Bedeutung für die Menschen in Sachsen und weltweit. "Das möchte ich gern unterstützen", meint Zopp. Ob er die besondere Stollenedition im nächsten Jahr wieder backen und in die Kirche bringen lässt, ist noch offen.

Quelle: MDR/kh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 15. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

1 Kommentar

ich sage mal so vor 31 Wochen

Sind die Stollen wie wir sie kaufen in Folie und zusätzlich in Holzkistchen verpackt, bringt die Lagerung dort nichts.
O.K. der Verkaufspreis läßt sich so medienwirksamt nach oben Treiben und Frauenkirche braucht immer Geld.

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