Meilenstein Erster Waggon vom SVT "Görlitz" auf dem Weg von Dresden zur Aufarbeitung

In Dresden kommt die Aufarbeitung eines historischen Schnelltriebwagens der Deutschen Reichsbahn voran. Ein Mittelwagen wurde entkernt und nach Halberstadt geschafft, dort wird er restauriert. Vor 18 Jahren war der Zug letztmalig als Sonderfahrt unterwegs. Ehrgeiziges Ziel: 2023 soll er möglichst wieder mit Fahrgästen starten.

Ein Zug
Zwischen Bremswaggons wurde der entkernte Personenwagen aus dem Triebzugverband von Dresden nach Halberstadt gebracht. Bildrechte: MDR/L. Müller

Ehrenamtliche wollen in Dresden einen Schnellverbrennungstriebwagen (SVT) Bauart "Görlitz" wieder fahrfähig machen. Ein erster Mittelwagen ist am Dienstag von Dresden nach Halberstadt überführt worden. Dort soll das Fahrzeug aufgearbeitet werden, sagte Mario Lieb von der SVT Görlitz gGmbH. Unter anderem wurden für das Vorhaben "Ein Zug für Mitteldeutschland" 3,37 Millionen Euro Fördermittel des Bundes zugesagt. Die staatliche Förderung setzt allerdings voraus, dass ein Eigenmittelanteil von rund 800.000 Euro aufgebracht wird, betonen die Initiatoren. Derzeit sei erst ein Viertel der notwendigen Summe durch Spenden generiert worden, hieß es. Allein die Überführung des Waggons nach Halberstadt kostet den Angaben zufolge 16.000 Euro.

Sicherer Transport zwischen zwei Bremswagen

In Halberstadt werden bei der Firma Verkehrs-Industrie-Systeme im ehemaligen Waggonbau insbesondere Metallarbeiten an Rahmen und Beblechung ausgeführt. Dazu haben die Bahnenthusiasten in Dresden das Fahrzeug nahezu komplett entkernt und auch die Fensterscheiben entfernt. Da bei dem Waggon auch das Bremssystem ausgebaut wurde, hat die auf Überführungen spezialisierte Firma Rail Adventure den 1./2.Klasse-Abteilwagen zwischen zwei spezielle Bremswaggons gekuppelt.

Waggons auf Gleisen
Spezialkupplungen sichern den betagten Waggon zwischen Bremswagen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Nur wenige erhaltene Fahrzeuge in Museen

Zwischen 1963 und 1968 wurden den Angaben zufolge acht dieser damals hochmodernen Dieseltriebwagen in Görlitz gebaut. Drei Züge haben in Dresden, Berlin und Chemnitz überlebt, wobei das Dresdner Fahrzeug des DB Museums bis 2003 verkehrsfähig geblieben und für Sonderfahrten genutzt worden war. Nun soll es, so der ehrgeizige Plan, 2023 wieder für Sonderfahrten einsatzbereit sein. Selbst die Initiatoren des Vorhabens räumen jedoch ein, dass dieser Zeitplan mehr als sportlich ist.

Die Geschichte der Schnellverbrennungstriebwagens VT 18.16 Die Triebwagen der Baureihe VT 18.16 "Görlitz" wurden zwischen 1963 und 1968 beim VEB Waggonbau in Görlitz montiert. Insgesamt waren bis zu acht Züge im Einsatz. Alle waren in Berlin stationiert. Sie erreichten Höchstgeschwindigkeiten bis 160 Kilometer pro Stunde. Eingesetzt wurden die Triebzüge mit bis zu vier Mittelwagen - mit den beiden Triebköpfen sechsteilig - entsprechend der Nachfrage. Züge mit Fährpassage nach Skandinavien waren stets vierteilig unterwegs, damit sie auf die Fährschiffe passten. Bei der Deutschen Reichsbahn hieß die Baureihe später 175, bei der DB AG im historischen Betrieb 675.

Für DDR-Bürger unerreichbar: Wien, Malmö, Kopenhagen


Die windschnittigen Triebwagen sorgten bei der Deutschen Reichsbahn für internationales Renommee. Sie fuhren unter anderem einige Jahre

  • als "Vindobona" von Berlin über Dresden nach Wien
  • als "Karlex" von Berlin über Leipzig nach Karlovy Vary
  • als "Karola" saisonal zwischen Leipzig und Karlovy Vary
  • als "Berlinaren" zwischen Berlin und Malmö (Saßnitz - Trellborg im Bauch einer Fähre)
  • als "Neptun" zwischen Berlin und Kopenhagen (Warnemünde - Gedser im Bauch einer Fähre) .

An Bord waren oft Reisende aus West-Berlin, Skandinavien oder Österreich, die der DDR-Reichsbahn Devisen brachten. Speziell ausgebildete Zugstewardessen kümmerten sich um deren Wohlbefinden und setzten neue Maßstäbe für Bahnreisen in gediegenem Ambiente. In den Großraumwagen stammten die Sitze aus dem in der DDR eingestellten Flugzeubau. Sie waren teilweise drehbar, ermöglichten das indivduelle Bilden von Vierer-Sitzgruppen oder das Reisen in Fahrtrichtung.

Ein Mann in einem Zugabteil
Viele Sitze waren mit wenigen Handgriffen drehbar. Bildrechte: MDR/L. Müller

Bescheidenes Ende zwischen Bautzen und Berlin

Mit zunehmender Elektrifizierung wurden die Dieseltriebwagen entbehrlich. Zuletzt in der 1980er-Jahren fuhren sie noch Messesonderzüge zwischen West-Berlin und Leipzig und ein Schnellzugpaar zwischen Bautzen und Berlin über Hoyerswerda. Mit dem "Zug für Mitteldeutschland" soll die damalige Reisekultur in den Schnelltriebwagen wieder aufleben.

Eine alte Bahn in einer Halle
Einem der erhaltenen Triebköpfe sieht man die Zeit an einem ungesicherten Standort an. Bildrechte: MDR/L. Müller

Nicht gern gehört: "ICE des Ostens"

Eines aber mögen die Bahnbegeisterten in Dresden gar nicht: Wenn ihr SVT "Görlitz" als "ICE des Osten" betitelt wird, sagen sie. Das sei eine Wortschöpfung von Journalisten. Mit einem Intercityexpress, der erst Anfang der 1990er-Jahre auf Hochgeschwindigkeitsstrecken im Westen Deutschlands in Betrieb ging, hat der Zug nur wenig gemeinsam. Von der Epoche her könne sich der SVT "Görlitz" aber dem Vergleich mit dem westeuropäischen Trans-Europ-Express (TEE) auf Augenhöhe stellen, hieß es.

Eine alte Bahn in einer Halle
Windschnittige Form: Die Züge konnten bis zu 160 Stundenkilometer schnell fahren. Nur damals gab es keine passenden Strecken für diese Geschwindigkeiten. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Wiederinbetriebnahme des Westpendants ist übrigens vor etlichen Jahren gescheitert - an den Kosten. Die Konzernzentrale der DB AG hatte die Notbremse gezogen, nachdem mehrere Millionen Euro ausgegeben waren, der Zug in der Sparte DB Historische Verkehre aber noch weit entfernt von fahrbereit war.

Ost - West Reichsbahn-Zug trifft "TransEuropExpress"

Der Expresstriebwagen der Reichsbahn und der Bundesbahn weisen optisch durchaus Ähnlichkeiten auf.

Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
Eine Lokomotive
Bildrechte: MDR/L. Müller
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Quelle: MDR/lam

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