Juwelendiebstahl Staatsanwaltschaft vermutet weiteren Täter bei Einbruch ins Grüne Gewölbe

Justizbeamte, Anwälte und zwei Angeklagte (vorne l und hinten r) warten im Gerichtssaal, im Landgericht Dresden, während der Prozess um einen Juwelenraub im Grünen Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses fortgesetzt wird
Am Dienstag wurde der Prozess zum Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe fortgesetzt. Bildrechte: dpa

Die Staatsanwaltschaft Dresden geht von einer siebten am Juwelendiebstahl maßgeblich beteiligten Person aus. Das räumte sie am Dienstag beim Gerichtsprozess zum Einbruch ins Grüne Gewölbe auf Nachfrage der Verteidigung ein. Man gehe davon aus, dass der Mann mit den Angeklagten nach Dresden gefahren sei. Allerdings handle es sich zunächst um einen Anfangsverdacht, so die Dresdner Staatsanwaltschaft. Deswegen sei die Wohnung des Mannes in Berlin durchsucht worden.

Erstmals längeres Videomaterial gezeigt

Im Prozess ist am Dienstag erstmals ein längeres Video zum Tatablauf gezeigt worden. Der Zusammenschnitt enthielt Aufnahmen verschiedener Videokameras am und im Museum. Das Video zeigt nach Reporterangaben, wie sich die Täter zunächst um 4:20 Uhr am Zaun des Dresdner Schlosses zu schaffen machen und nichts passiert. Der Alarm soll ausgeschaltet gewesen beziehungsweise nicht wieder scharf geschaltet worden sein. Zu diesem Zeitpunkt habe auch die Beleuchtung funktioniert.

Erst, als um 4:56 Uhr das Licht am Schloss ausfällt, steigen zwei Täter maskiert in das Grüne Gewölbe ein. Das Video zeigt, wie der erste Täter um 5 Uhr das Gewölbe mit der Beute wieder verlässt. Ein zweiter Täter greift durch ein Loch weiter in die Vitrine und fingert weitere 45 Sekunden lang nach Beute. Der Fluchtwagen fährt 5:02 Uhr ab. 60 Sekunden später halten die ersten Streifenwagen vor der Schinkelwache gegenüber der Einbruchstelle. Polizisten rasen gleichzeitig zur Autobahn Richtung Berlin und Prag. Die Beschreibung des Fluchtautos aber war offenbar zu ungenau. Viele Zeugen hielten den hellen Audi für einen BMW oder Mercedes.

Explosionsartige Geräusche aus der Tiefgarage

Am Vormittag des vierten Verhandlungstages erschienen außerdem ein Polizist und eine Polizistin als weitere Zeugen. Sie hatten unter anderem kurz nach dem Einbruch den Tatort begangen und das Wachpersonal vernommen. Die Polizeibeamtin berichtet auch von Erkenntnissen des Brandes in der Tiefgarage in Dresden-Pieschen. Dort hatten die Täter kurz nach dem Einbruch ihr Fluchtfahrzeug gewechselt und das erste Auto angezündet.

Eine Zeugin habe ausgesagt, dass sie gegen 5 Uhr die Tiefgarage des Mehrfamilienhauses verlassen wollte und dabei fast mit einem entgegenkommenden Wagen zusammengestoßen wäre, so die Polizistin. Eine zweite Zeugin wollte kurz nach 5 Uhr ihr Auto aus der Garage holen, als sie explosionsartige Geräusche hörte. Sie sei auf den Hausmeister getroffen, der bereits Feuerwehr und Polizei verständigt hatte.

Akten stehen auf einem Tisch im Gerichtssaal im Landgericht Dresden, während der Prozess um einen Juwelenraub im Grünen Gewölbe des Dresdner Residenzschlosses fortgesetzt wird.
Die Ermittlungsunterlagen der Soko Epaulette füllen mehrere Aktenordner. Bildrechte: dpa

In dem Prozess zum Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden stehen sechs Männer aus einer arabischstämmigen Berliner Großfamilie vor Gericht. Sie sollen am frühen Morgen des 25. November 2019 Schmuckstücke mit insgesamt 4.300 Diamanten und Brillanten im Versicherungswert von etwa 113 Millionen Euro aus der Schatzkammer gestohlen haben. Die Anklage lautet auf schweren Bandendiebstahl, Brandstiftung und besonders schwerer Brandstiftung.

MDR (ma)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 15. März 2022 | 16:00 Uhr

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