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Genesis aus Venezuela ist schwer traumatisiert. In der Dresdner Traumaambulanz wird ihr geholfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dresdner Traumaambulanz"Ich habe jeden Tag Angst" - Hilfe für Opfer von Gewalt

18. Juni 2024, 20:44 Uhr

Rund 3.000 Menschen wird in der Traumaambulanz Seelische Gesundheit der Dresdner Uniklinik jedes Jahr geholfen. Unter ihnen ist auch Genesis, eine junge Frau aus Venezuela, die entführt und misshandelt wurde.

Genesis ist vor zwei Jahren aus Venezuela geflohen. Sie gehört damit zu den sieben Millionen Menschen, die in dem autoritären Regime keine Chance mehr für sich sehen. Jetzt lebt sie in Dresden und versucht, ihr Leben neu zu sortieren. Das ist schwierig, denn das alte geht nicht aus ihrem Kopf.

Entführt und in dunklen Raum gesperrt

Die junge Frau berichtet, dass sie entführt worden ist und mehrere Tage gefangen gehalten wurde. "Es war immer dunkel, wo ich eingeschlossen war. Ich habe nur gespürt, was sie gemacht haben."

Die Venezualerin findet für das, was in dem dunklen Raum geschehen ist, bis heute keine Worte. Stattdessen lebt sie in Angst, schwer traumatisiert. "Ich habe jeden Tag Angst, auch hier in Deutschland. Egal, ob ich weiß, dass ich hier sicher bin", sagt sie.

Hilfe erfährt sie nun in der Traumaambulanz Seelische Gesundheit am Uniklinikum Dresden. Ute Rokyta betreut hier vor allem die Patienten mit Migrationshintergrund.

Die Psychotherapeutin Ute Rokyta begleitet Patienten in der Dresdner Traumaambulanz. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es gibt immer ein starkes Ereignis, das die Menschen sehr, sehr belastet", erklärt sie. "Gleichzeitig haben sie den Verlust der Heimat und kommen in ein Land, wo sie nichts wissen, nichts kennen und ziemlich verloren sind. Sie haben nicht nur die Heimat verloren, sondern auch die Familie. Und teilweise auch die Identität."

Schnelle, unbürokratische Hilfe

In Traumaambulanzen bekommen Menschen schnell und unbürokratisch eine traumatherapeutische Begleitung. Das Ziel sei es, dass die Beschwerden nicht chronisch werden, teilt das Sozialministerium dazu mit. Denn chronische Beschwerden verursachten eine längerfristige Behandlung und damit einhergehende Folgekosten.

Seit zehn Jahren gibt es die Traumaambulanz in Dresden, es war seinerzeit die erste in Ostdeutschland. Jahr für Jahr werden hier an die 3.000 Menschen in seelischer Not behandelt, egal ob Deutsche oder Migranten.

Oberärztin Julia Schellong leitet das Zentrum. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gesetzlicher Anspruch auf Hilfe

Diese Hilfe stehe ihnen gesetzlich zu, sagt Dr. Julia Schellong, Psychiaterin und Leiterin der Traumaambulanz: "Der Staat hat die Aufgabe zu verhindern, dass Gewalttaten geschehen. Und gleichzeitig hat der Staat die Aufgabe, sich um Menschen zu kümmern, denen Gewalttaten angetan wurden, also wo das nicht verhindert werden konnte. Und da gibt es das soziale Entschädigungsrecht, nach dem Menschen, die eine Gewalttat erlitten haben, das Recht haben, versorgt zu werden."

Die Dresdner Ambulanz ist inzwischen nicht mehr die einzige in Sachsen, die Betroffenen schnell und unkompliziert helfen kann. Weitere gibt es in Chemnitz, Leipzig, Görlitz, Glauchau und Zschadraß.

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MDR (adr/jwi)

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 16. Juni 2024 | 19:00 Uhr