Gründungsjubiläum 2028 TU Dresden erforscht ihre Geschichte in der Nazi-Zeit

Gebäude der TU Dresden
Die TU Dresden kann bereits jetzt auf 193 Jahre Geschichte zurückblicken. Die Zeit des dritten Reichs soll nun genauer unter die Lupe genommen werden. (Symbolbild). Bildrechte: Nils Eisfeld

Die Technische Universität Dresden will sich im Vorfeld ihres Gründungsjubiläums im Jahr 2028 mit ihrer Rolle in der Nazi-Zeit beschäftigen. Wie die amtierende Rektorin Ursula Staudinger mitteilte, sind die Aufarbeitungsansätze dieses Teils der Universitätsgeschichte bisher "eher rudimentär als durchgängig" gewesen. Im Laufe des Jahres soll unter Einbeziehung auch internationaler Experten eine Historikerkommission gebildet werden. Zudem sind die Einrichtung eines Graduiertenkollegs und die Vergabe von Promotionsarbeiten geplant.

Aufarbeitung von 1920 bis 1970

Laut der Prorektorin für Universitätskultur, Roswitha Böhm, soll das für die Aufarbeitung zuständige Forschungsprojekt die Zeit der Weimarer Republik um 1920 bis etwa 1970 betrachten. Hauptaugenmerk läge jedoch auf dem Zeitraum 1933 bis 1945. In den 1970er-Jahren hätten die letzten Akteure, die in die Aktivitäten des Nationalsozialismus verstrickt waren, die Uni verlassen. Bisher fehle eine belastbare Gesamtsicht auf diese Zeit, um den Beitrag der Technischen Hochschule Dresden für das NS-System bewerten zu können, so Böhm.

Für Geschichte sensibilisieren

Der TU Dresden gehe es bei dem Projekt nicht nur um eine Selbstdarstellung, so Böhm. "Dieses Thema darf auf keinen Fall nur intern betrachtet werden, wir brauchen die Außensicht und Rückkoppelung an den internationalen wissenschaftlichen Diskurs." Mit dem Projekt wolle die TU als gesellschaftliche Akteurin auch dem zunehmenden Geschichtsrevisionismus in Teilen des politischen Diskurses entgegentreten.

Und es geht um die ganzheitliche geschichtssensible Bildung unserer Studierenden. Der Prozess der Aufarbeitung ist ein Statement für die freiheitlich demokratische Ordnung - und ein Beitrag im gesellschaftlichen Diskurs.

Roswitha Böhm Prorektorin für Universitätskultur

Quelle: MDR/kh/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.02.2021 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

Eulenspiegel vor 10 Wochen

Hallo Wachtmeister
Ich zitiere aus dem Text:
„Mit dem Projekt wolle die TU als gesellschaftliche Akteurin auch dem zunehmenden Geschichtsrevisionismus in Teilen des politischen Diskurses entgegentreten.
Geschichtsrevisionismus:
„Hat zum Ziel die Geschichtsschreibung zur NS-Zeit und das daraus resultierende negative Geschichtsbild zu Gunsten des Nationalsozialismus zu revidieren, indem dessen Führer entlastet, historische Ereignisse und die sie belegenden Quellen umgewertet, Verbrechen verharmlost, beschönigt, relativiert, gerechtfertigt oder auch ganz oder teilweise bestritten werden.“
Genügt das Herr Wachtmeister??

Der Matthias vor 10 Wochen

@Eulenspiegel

Sehe ich wie Sie! Offenbar gibt es immer noch einige Zeitgenossen, die dieses düstere Geschichtskapitel tunlichst unter der Decke halten wollen! Die Frage ist daher durchaus berechtigt, was jemand ernsthaft gegen die Erforschung dieser Epoche haben könnte und welches seine Motive sind. Die Antwort darauf kennen wir beide!

Der Matthias vor 10 Wochen

@ GenervterZugezogener

"sollte eine Uni in der Tat keine anderen Aufgaben haben."

Man soll es kaum glaube: Aber auch die Erforschung der eigenen Nazi-Vergangenheit hat etwas mit wissenschaftlicher Forschung zu tun!

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