EncroChat Drogenhandel über Krypto-Handys: 31-Jähriger in Dresden verurteilt

Im Frühjahr vergangenen Jahres war es französischen Ermittlern gelungen, die Kommunikation von EncroChat-Kunden zu entschlüsseln. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes führte das in Deutschland zu mehr als 2.200 Ermittlungsverfahren, vor allem im Rauschgiftbereich. Nun ist das erste Dresdner Urteil im sogenannten EncroChat-Verfahren gefällt worden.

Smartphone mit dem Logo des Providers Encrochat
Bereits im Juli hat es einige Verurteilungen im Zusammenhang mit EncroChat in Sachsen gegeben. Bildrechte: MDR/David Kopp

Das Landgericht Dresden hat am Dienstag einen 31-Jährigen wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann Drogengeschäfte mit seinem Lieferanten über vermeintlich sichere Handys des Unternehmens EncroChat abgewickelt hat. Die Anklage stützt sich auf Angaben aus ausgespähten Chatnachrichten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Was ist "EncroChat"? "EncroChat" war ein Dienstleister, der sogenannte Kryptohandys und einen Nachrichtendienst angeboten hatte, die beide abhörsicher sein sollten. Genutzt wurden die Geräte vor allem von der organisierten Kriminalität. Mit den Telefonen konnten beispielsweise keine Mails versendet werden und sie verfügten über kein GPS, um nicht geortet werden zu können. Durch die Infiltration von Schadsoftware konnten französische Ermittlungsbehörden 2020 die Geräte hacken und so die Kommunikation mitverfolgen.

Längere Haftstrafe ohne Geständnis

Der Vorsitzende Richter Christian Linhardt sagte, ohne Geständnis hätte die Kammer den Angeklagten wohl zu mehr als sechs Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den 31-Jährigen, der selbst keine Drogen konsumiert und nach eigenen Angaben mit seinen Einnahmen seine berufliche Existenz aufbauen wollte, vier Jahr Haft gefordert. Verteidiger Michael Sturm hatte versucht, die Verwertung der in Frankreich erhobenen Beweise anzufechten. Nachdem die Kammer die Anträge jedoch zurückgewiesen hatte und auch aktuelle EncroChat-Entscheidungen von deutschen Oberlandesgerichten das Vorgehen der Ermittler stützten, legte sein Mandant ein umfassendes Geständnis ab.

Seit Frühjahr in Haft

Der 31-Jährige saß seit Februar in Untersuchungshaft und ist der erste Angeklagte, der sich ab Anfang Juli vor dem Landgericht Dresden verantworten musste. Er hatte innerhalb von zwei Monaten in sechs Fällen mit bis zu 750 Gramm Crystal und 20 Gramm Kokain gehandelt. Sein mutmaßlicher Lieferant steht derzeit ebenfalls vor dem Landgericht Dresden. Da sich die Täter sehr sicher fühlten, als sie ihre Geschäfte über Chat-Nachrichten abwickelten, erhielten die Ermittler tiefe Einblicke in die Drogengeschäfte.

Ein Handy mit dem Text Anom auf einem Laptop 49 min
Bildrechte: imago images/ZUMA Wire

Die AN0M-App war ein Trick der US-Polizei FBI: Mehr als 12.000 angeblich verschlüsselte Handys wurden in die Kriminellen-Szene eingeschleust. Auch in Sachsen sind mutmaßliche Drogenhändler aufgeflogen.

MDR AKTUELL Fr 18.06.2021 06:00Uhr 48:54 min

Audio herunterladen [MP3 | 44,8 MB | 128 kbit/s] Audio herunterladen [MP4 | 89,2 MB | AAC | 256 kbit/s] https://www.mdr.de/nachrichten/podcast/spurdertaeter/audio-spur-taeter-crime-podcast-trojanshield-ironside-fbi-anom-kryptohandy-drogenhandel-sachsen100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Audio

Quelle: MDR/kh/dpa

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen