Gaming Videospiel aus Dresden wird zum Millionenerfolg: "War schwer zu begreifen"

13. November 2022, 06:30 Uhr

Im Pixel-Videospiel Dome Keeper schürft man nach wertvollen Mineralien und muss anschließend eine Glaskuppel vor Schattenmonstern verteidigen. Mit dem zunächst simpel anmutendem Spielprinzip begeistert das Dresdner Entwicklerstudio Bippinbits derzeit Spieler und Spielerinnen auf der ganzen Welt. Hinter dem Verkaufserfolg stecken jedoch auch viele Jahre des Herumprobierens und Testens, sagt Entwickler René Habermann.

Im Spiel Dome Keeper muss man manchmal tief graben, bis die pixelige Spielfigur etwas Wertvolles aus einem Bergwerk hebt. Eine Erfahrung, die dem Entwicklerstudio Bippinbits aus Dresden durchaus bekannt vorkommen müsste: Knapp 20 Jahre lang bastelte René Habermann in seiner Freizeit an eigenen Videospielen, das Programmieren hatte er sich selbst beigebracht. Gemeinsam mit seiner ebenfalls gaming-begeisterten Frau Anne nahm er später an sogenannten "Game Jams" teil, wo man innerhalb weniger Tage ein komplettes Spiel auf die Beine stellen muss. Bei der zehnten Teilnahme entstand die Idee zu Dome Keeper.

Mehr als ein Jahr später war aus einer Idee ein fertiges Videospiel geworden und ein Millionenerfolg. Das schwedische Unternehmen Raw Fury, das die Entwicklung von Dome Keeper finanzierte, gab bekannt, dass das Spiel kurz nach der Veröffentlichung bereits mehr als eine Million US-Dollar Umsatz eingespielt habe.

Für ein kleines Spiel sei das ein gigantischer Erfolg. "Das war schwer zu begreifen, weil die Realität erst langsam einsickert", erzählt René Habermann MDR SACHSEN. Sogar ein französischer Radiosender habe über das Spiel berichtet, freut er sich.

Unwahrscheinlicher Erfolg

Wer jetzt glaubt, dass die Altersvorsorge der Habermanns damit gesichert ist, der irrt. Von den Einnahmen gehen noch die Mehrwertsteuer ab und die Verkaufsplattform Steam, über die das Spiel verkauft wird, will einen Anteil von 30 Prozent sehen.

Danach begleicht Raw Furry zunächst seine Ausgaben für das Dresdner Entwicklerstudio. Erst wenn die kompletten Kosten wieder eingespielt sind, geht die Hälfte des Profits an die Entwickler und die andere Hälfte ans Vertriebsunternehmen. Grob geschätzt, sagt Habermann, kämen rund ein Viertel der Brutto-Einnahmen bei ihnen an.

Klingt viel, aber dank der Arbeit des schwedischen Unternehmens schaffte es Dome Keeper womöglich erst, die Gunst der Spieler und Spielerinnen in so großer Zahl zu gewinnen. Sie übernahmen die Kommunikation mit Werbekunden und organisierten das Marketing und akkreditierten Influencer. Kurz vor Veröffentlichung im September 2022 hatten mehr als 280.000 Menschen Dome Keeper auf die Wunschlist-Funktion auf Steam genutzt und damit ihr Kaufinteresse gezeigt.

Mit mehr als 130 Millionen monatlich aktiven Nutzer und Nutzerinnen ist Steam die wichtigste Verkaufsplattform für PC-Spiele. Gleichzeitig ist sie auch eine der überfülltesten – allein dieses Jahr sind laut Statista mehr als 7.000 Spiele dort erschienen. Gerade kleine Spiele ohne gut geplante Marketingkampagnen haben es schwer, in der Masse aufzufallen.

  

Seit 2022 Vollzeit-Entwickler

Für den Dresdner Habermann ging mit dem Erfolg seines Spiels ein Traum in Erfüllung. Zuvor arbeitete er in der IT-Branche, seine Frau Anne als Laborantin. In die Games-Branche wollten beide schon länger. Auch nachdem 2019 ihr erstes gemeinsames Kind geboren wurde, werkelten sie nach der Arbeit an Prototypen. "Das war eine Herausforderung. Elternwerden mit einem Neugeborenen ist natürlich auch belastend", gibt Habermann zu.

Verpixelter Rollstuhlfahrer vor Videospiel und der Schriftzug "Im Spiel bin ich Mensch." 4 min
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4 min

Do 29.08.2019 15:14Uhr 03:39 min

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Video

"Man hat viel weniger Zeit. Aber dafür schaut man, dass man die Zeit, die man hat, so produktiv wie möglich gestaltet." Seit diesem Jahr sind beide Vollzeit mit Videospielen beschäftigt und können sich voll auf ihre Leidenschaft konzentrieren.

Sachsen bisher kein Games-Standort

Dome Keeper gehört zu den wenigen kommerziell erfolgreichen Videospielen aus Sachsen. Dem Freistaat fehlte bisher eine passende Infrastruktur, um Games-Unternehmen anzusiedeln. Es gibt aber Bestrebungen das zu ändern: So nutzte das Entwicklerstudio Bippinbits ein Förderprogramm der Mitteldeutschen Medienförderung (MDM), das sich auch an Videospielunternehmen richtet.

Studiengänge der Hochschule Mittweida und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW) richten sich auch an Gaming-Interessierte. Der 2021 eingeführte Branchenpreis Innovation Award Saxony will die Sichtbarkeit von sächsischen Videospielen erhöhen.

Von den Förderstrukturen anderer Bundesländer wie Berlin-Brandenburg ist man aber noch weit entfernt, meint Habermann. Ob sich sein Unternehmen und sein Dome Keeper als Vorbild eignen, wie es klappen könnte? "Ja, da habe ich schon das Gefühl. Ich hoffe, dass noch andere kommen werden und sich eine Szene herausbilden kann." 

Aktuell profitieren sie sogar davon, dass sie eines der wenigen Videospielstudios in Sachsen sind. "Wir sind in der guten Position, Talente anzuziehen", meint Habermann. Ein bisschen wollen sie in den nächsten Monaten noch wachsen, es sollen aber nicht mehr als zwei zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden.

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"Ziel für mich ist schon, ein kleines Studio zu bleiben, was flexibel ist und kleine Spiele entwickelt, die aber trotzdem eine große Wirkung haben können." Pläne, wie das nächste Spiel aussehen könnte, gibt es bereits. Habermann hat eine Liste mit mehr als 100 Spielideen, davon will er zehn unbedingt umsetzen.

MDR (mad)

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Youtube Channel mdr.de | 08. November 2022 | 08:30 Uhr

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