Wohnungsmarkt Dresdner Großvermieter Vonovia räumt fehlende Preislisten für Hausmeister ein

Fahrzeug mit der Aufschrift "VOVONIA"
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Dresdens Großvermieter Vonovia hat kein Preisverzeichnis für seine Hausmeisterleistungen. In einem Verfahren vor dem Dresdner Amtsgericht mussten die Anwälte des Wohnungskonzerns einräumen: "Es gibt keinen Dienstleistungsvertrag, in dem die Vergütungsvereinbarung mit einzelnen Preisen für einzelne Leistungen enthalten ist."

Keine prüfbaren Rechnungen

René Tannhäuser sitzt in seinem Wohnzimmer und erklärt den Sachverhalt.
René Tannhäuser Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch der Dresdner Mieter René Tannhäuser kann das bestätigen: "Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert. Nach wie vor gibt es keine prüfbaren Rechnungen", sagt der 53-Jährige, der dem Netzwerk "Vonovia-Mieter Dresden" angehört. Gemeinsam mit Vonovia-Mietern aus ganz Deutschland hat er sich jetzt in einem Offenen Brief an Vonovia-Vorstandschef Rolf Buch gewandt, um Transparenz bei den Betriebs- und Modernisierungskosten einzufordern.

"Es sind Leistungen abgerechnet worden, die gar nicht erbracht worden sind", sagt er und fügt an: "Das ist kein Einzelfall. Wie wir im Bündnis erfahren haben, sollen die Hauswartkosten auch an vielen anderen Standorten ohne rechtliche Grundlage abgerechnet worden sein."

Auch die Sprecherin des Mietervereins Dresden und Umgebung, Katrin Kroupová, kennt diese Fälle. Sie sagt:

Es gibt in den Verträgen lediglich den Punkt 'Hausmeister allgemein'. Daraus geht jedoch nicht hervor, welche Tätigkeit der Hausmeister zu welchem Preis erledigt hat.

Katrin Kroupová Sprecherin des Mietervereins Dresden und Umgebung

Da das Verfahren noch läuft, möchte sich Vonovia-Sprecher Matthias Wulff auf Anfrage nicht zu dem Fall äußern. Er sagt nur: "Wir rechnen die Leistungen ab, die auch erbracht wurden."

Winterdienst immer noch undurchsichtig

Für Ärger sorgt nach wie vor auch das Thema Winterdienst. Ähnlich wie andere Vonovia-Mieter hatte Dietmar Leuthold in der Abrechnung für den Zeitraum 2016/17 eine deutliche Kostensteigerung. In seinem Fall waren es 2.100 Prozent. Nachdem der Fall durch die Medien ging und Vonovia die Kosten besser erklären wollte, ist er noch immer unzufrieden.

"Es hat sich nichts aufgelöst. Mir wurden dann mal 1.500 Euro gutgeschrieben, aber niemand hat dargelegt, auf welcher Basis das geschieht." Die Berechnung der Fläche für den Winterdienst seines Haus in der Hermsdorfer Straße 7 sei zudem unverändert fehlerhaft. Während Vonovia 189 Quadratmetern veranschlage, komme er beim Nachmessen nur auf 79,5 Quadratmeter, sagt der 72-Jährige.

Blick in den Hof des Hauses in der Hermsdorfer Straße 7
Blick in den Hof des Hauses in der Hermsdorfer Straße 7 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Katrin Kroupová weist darauf hin, dass Mieter in solchen Fällen in der Beweispflicht sind. "Das gilt nicht nur für die Fläche, sondern auch für die Zahl der Einsätze. Der Mieter muss nachweisen, dass sie nicht erbracht worden sind", sagt Kroupová.

Vonovia bietet Mietern Vergleiche an

Dietmar Leuthold nimmt diese Mühen mit einem Vermietertagebuch auf sich. Und auch juristisch geht er gegen Vonovia vor. Dennoch beobachtet er bei manchen Mitstreitern Ermüdungserscheinungen. "Oft werden von der Vonovia Vergleiche angeboten, die die klagenden Mieter aufgrund langer Prozesszeiten entnervt annehmen." Dennoch seien die Erfolgsaussichten nicht schlecht. So hätte allein sein Anwalt 15 Verfahren geführt, die überwiegend erfolgreich gewesen seien, sagt Leuthold.

Bei Vonovia nehmen die Verantwortlichen die Kritik ernst, sehen aber keine Fehler: "Unsere Abrechnungen entsprechen den Vorgaben und enthalten alle relevanten Angaben. Wenn Mieter Rückfragen zu ihren Abrechnungen haben, prüfen wir immer, ob Einwände berechtigt sind, klären Fragen bei unseren Dienstleistern und stellen selbstverständlich Belege und Informationen zur Verfügung", sagt Sprecher Matthias Wulff. Darüber hinaus habe es sich aufgrund der besseren Qualität bewährt, dass Vonovia viele Dienstleistungen nicht mehr extern vergebe, sondern selbst erbringe, sagt Wulff.

Kosten der Subfirma vom Subunternehmen unklar

Obwohl Vonovia beteuert, keine Gewinne mit den Betriebskosten zu erzielen, wird auch diese Thematik gerichtlich geklärt. "Das Problem ist, dass Vonovia eigene Firmen beschäftigt, die wieder Aufträge an Subunternehmen vergeben. Die Frage ist, ob es da noch einmal Aufschläge gibt und wie am Ende alles verrechnet wird. Das ist derzeit nicht nachvollziehbar", sagt Katrin Kroupová.  

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.03.2021 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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