Wohnungsmarkt Vonovia will in Dresden kompletten Bestand sanieren

In Großstädten herrscht Wohnungsknappheit. Der Wohnungskonzern Vonovia will in diesem Jahr in Dresden mehr als 100 Millionen Euro investieren. Der Großteil des Geldes soll in Bestandssanierungen fließen, so das Unternehmen. Oberstes Prinzip bei dem Vorhaben sei die Klimaneutralität. Außerdem stünden Projekte zur Förderung der Nachbarschaft im Fokus.

Logo, Schriftzug des deutschen Immobilienkonzern Vonovia
Vonovia will in diesem Jahr rund 100 Millionen Euro in den Neubau und die Sanierung von Wohnungen investieren. Das meiste Geld soll in Energieeffizienzprojekte fließen, so das Unternehmen. Bildrechte: IMAGO / Horst Galuschka

Neue, schallarme Fenster, eine bessere Wärmedämmung und Isolierung oder ein barrierearmer Zugang zu den Wohnungen durch moderne Aufzüge. Das sind nur einige der für dieses Jahr geplanten Sanierungsvorhaben des Vonovia-Konzerns in Dresden. Über 1.000 Wohnungen sollen verbessert werden, so Regionalbereichsleiterin Martina Pansa. Insgesamt seien in der Stadt etwa 5.500 Vonovia-Wohnungen sanierungsbedürftig, die laut Vonovia in Zukunft ebenfalls nach und nach saniert werden sollen.

Ziel: CO2-Neutral bis 2045

Bis 2045 will der Konzern einen CO2-neutralen Gebäudebestand realisiert haben. Dazu analysiert das Unternehmen derzeit alle Gebäude und ermittelt einen konkreten Handlungsbedarf. Der Fokus liege auf der energetischen Sanierung, gefolgt von der Installation von Solaranlagen oder ökologischen Projekten, wie das Anlegen von Wildblumenwiesen.

"Angesichts der stark gestiegenen Preise für Baukosten und Energie und der globalen Lieferengpässe ist in dem Thema derzeit viel Bewegung", so Regionalbereichsleiter Sebastian Krüger. Dies sei auch der Grund, warum der Konzern derzeit keine konkreten Planungen für die kommenden Jahre vorlegen kann. Hinzu kommen zahlreiche bürokratische Hürden. "Innerstädtisch zu planen ist anspruchsvoll", ergänzt Pansa, "aber der Bedarf an Wohnungen ist weiterhin hoch".

Wohnungsnachfrage weiterhin enorm

Hochhaus
Der durchschnittliche Quadratmieterpreis von Vonovia-Wohnungen liegt derzeit bei 6,45 Euro und damit um knapp 0,50 Euro unter den Durchschnittspreis auf dem gesamten Dresdner Wohnungsmarkt. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Die aktuellen Bauvorhaben zeigen, wie gefragt die Wohnungen im Stadtbereich sind. Der Neubau an der Seidnitzer Straße in Dresden ist noch nicht ganz abgeschlossen, die 134 Wohnungen seien trotzdem schon fast vollständig vermietet. Auch die 27 Einheiten im neuen Wohnhaus in der Freiberger Straße seien vermietet.

Grund dafür könnten die als moderat geltenden Preise des Konzerns sein. Laut eigenen Angaben liegt die durchschnittliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter bei Vonovia in Dresden derzeit bei 6,45 Euro. Im gesamten Stadtgebiet wurden laut Mietspiegel 2021 durchschnittlich 6,93 pro Quadratmeter fällig. Allerdings warnen Mietervereine weiterhin vor den Betriebskostenabrechnungen des Konzerns.

Wenn ich beispielsweise einen Wartungsvertrag für Aufzüge anfordere, um eine Abrechnung zu prüfen, werde ich zuerst ignoriert. Damit hat die Vonovia ein Problem.

Florian Bau Berater Mieterverein Dresden und Umgebung

Steigende Versicherungskosten, hohe Vorauszahlungen

"Im Prinzip sind die Betriebskostenabrechnungen der Dauerbrenner", erzählt Florian Bau vom Mieterverein Dresden und Umgebung. "Wir kriegen zwar schneller Antworten als früher, aber die eigentlichen Probleme, gerade bei der Belegeinsicht, sind geblieben." Außerdem würde der Konzern die Kostenvorauszahlungen häufig zu hoch kalkulieren, so Bau.

"Ich kann nur spekulieren, aber ich glaube, die wollen, dass der Mieter eher eine Erstattung bekommt, weil sich dann weniger beschweren." Ein weiteres Problem vieler Vonovia-Mieter sei derzeit eine regelrechte Kostenexplosion bei den Versicherungskosten. Bau beschreibt: "Vor sechs Jahren lagen die noch bei 155 Euro. Mittlerweile werden 247 Euro pro Wohnung fällig."

Vonovia bestreitet Vorwürfe

Schaufenster
Der "freiraum" in Dresden-Striesen kann kostenlos genutzt werden, um Menschen zusammenzubringen und die Nachbarschaft zu beleben. Bildrechte: MDR/Florian Glatter

Vonovia betont hingegen, dass die Mieter an erster Stelle stünden. Der Konzern wolle sich auf die hauseigene Strategie konzentrieren und Wohnquartiere sowie eine lebendige Nachbarschaft stärker fördern. So wurden in Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement Dresden-Johannstadt in einem Wohnblock ein Gremium gewählt, was nun über einen kleinen Geldfonds frei verfügen und Projekte oder Veranstaltungen initiieren kann.

Im Stadtteil Striesen steht zudem ab sofort ein Raum zur Verfügung, in dem Ideen ausgetestet werden können. "Jeder der eine Idee hat, beispielsweise einen Lesezirkel, Yoga-Kurs oder eine Schach AG gründen will, kann den Raum kostenfrei buchen und seine Veranstaltung bei uns durchführen", ergänzt Krüger.

Vonovia in Dresden Vonovia hat nach eigenen Angaben in Dresden 38.500 Wohnungen im Bestand. 90.000 Menschen und damit mehr als ein Fünftel aller Dresdner seien Vonovia-Mieter. Damit ist Dresden, nach Berlin, der zweitgrößte Standort der Vonovia in Deutschland. Der Leerstand liege bei 3,35 Prozent im Vergleich zu 6,4 Prozent in ganz Dresden. Zwischen 2020 und 2022 sollen in Dresden insgesamt 290 Millionen Euro investiert werden.

MDR (fg)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalreport aus dem Studio Dresden | 31. Mai 2022 | 16:30 Uhr

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