Stadtrat entzweit Streit um Abriss von DVB-Wartehäuschen in Dresden

Im Dresdner Stadtrat ist ein Streit über die Zukunft der 800 Wartehäuschen an Haltestellen von Bussen und Straßenbahnen der Verkehrsbetriebe entbrannt. Weil Verträge auslaufen, stellt sich die Frage: Abriss oder Erhaltung. Die Antworten der Fraktionen sind sehr unterschiedlich. Schließlich geht es um Geld durch Werbeeinnahmen und die Frage der Wirtschaftlichkeit.

Menschen an Straßenbahnhaltestelle
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

In Dresden wird über die künftige Nutzung von öffentlichen Werbeflächen gestritten. Damit verbunden ist auch die Zukunft von mehr als 800 Wartehäuschen von Bus und Bahn. Weil die Verträge für die Außenwerbung Ende 2022 auslaufen, muss die Stadt jetzt die Ausschreibung vorbereiten. Geht es nach Grünen, CDU und FDP im Stadtrat, sollen die alten Wartehäuschen abgerissen und ersetzt werden - sie seien zum Teil mehr als 20 Jahre alt und nicht mehr zeitgemäß, außerdem stelle sich die Frage der Wirtschaftlichkeit. Auch die AfD trägt den Plan mit.

Die Stadtverwaltung will deshalb neue Häuschen errichten lassen - die mit WLAN, Touchscreen, Photovoltaikanlagen oder Gründächern ausgestattet werden können. CDU-Stadtrat Peter Krüger sagte MDR SACHSEN, die Wartehäuschen sollten in einem Zeitraum von etwa 15 Jahren schrittweise ersetzt werden.

CDU-Stadtrat Peter Krüger
Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Kein Bürger muss sich Gedanken machen, dass er morgen buchstäblich im Nassen steht oder ein Loch vorfindet.

Peter Krüger CDU-Stadtrat in Dresden

Das finanzielle Risiko für den Neubau sei gleich Null, so Krüger. "Die Stadt gibt dafür keinen einzigen Cent aus, das wird ausschließlich von den Konzessionsnehmern übernommen."

Linke und SPD plädieren für Kauf der Wartehäuschen

Die Kosten für einen Neubau werden von den Dresdner Verkehrsbetrieben auf etwa 30 Millionen Euro beziffert. Viel Geld, dass sich aus den Einnahmen der Werberechte refinanzieren soll. Bislang bekommt die Stadt rund eine Million Euro pro Jahr aus den Werbeeinnahmen, künftig sollen es zweieinhalb Millionen Euro sein.

Straßenbahnhaltestelle Dresden
Die alten Unterstände sollen durch neue ersetzt werden. Bildrechte: MDR SACHSENSPIEGEL

Linke und SPD plädieren dafür, dass die Stadt die Wartehäuschen für zwei Millionen Euro kauft - wie vom bisherigen Betreiber, der bundesweit agierenden Wall GmbH - angeboten. Dann könnte die Stadt die kompletten Werbeeinnahmen selbst behalten, wie Linken Stadtrat Tilo Kießling MDR SACHSEN sagte. Außerdem sei diese Lösung nachhaltiger.

Doch genau das bestreiten die Grünen im Stadtrat. Das Angebot des bisherigen Betreibers sei nicht akzeptabel. Die Firma Wall spare sich so die Kosten für den Abriss der Wartehäuschen - wie vertraglich vereinbart - und verdiene noch daran. Auch die Dresdner Verkehrsbetriebe lehnen das Kaufangebot als nicht wirtschaftlich ab.

Leipzig macht vor, wie es geht

Gute Erfahrungen mit dem Austausch der Wartehäuschen hat die Stadt Leipzig gemacht. Dort werden diese seit 2019 ausgetauscht - inzwischen sind fast alle aufgestellt und längst keine Aufreger mehr, wie MDR SACHSEN berichtet. Auch in Leipzig hatten die Pläne für heftige Diskussionen gesorgt, auch wenn dort - anders als in Dresden - der frühere Werbepartner die Unterstände nicht zum Kauf anbot.

Quelle: MDR/kb/kw

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 21. April 2021 | 19:00 Uhr

3 Kommentare

zenkimaus vor 31 Wochen

Mir ist es ziemlich egal ob beim Wartehäuschen W-Lan oder Touchscreen ( in Pandemie Zeiten nicht toll) hat. Ich möchte ein Dach wenn's regnet sonst nix. Was meine Befürchtung ist das nicht alle Wartehäuschen ersetzt werden, sondern nur an stark frequentierten Stationen. Nachhaltig ist das auch nicht. Was soll man erwarten

goffman vor 31 Wochen

Die Optionen:
- Neubau für 30 Mio., hoher Ressourcen Verbrauch (Materlial & Energie), max. 2 1/2 Millionen € Werbeeinnahmen für die Stadt
- Kauf für 2 Mio. + evtl. Instandsetzungsarbeiten, vmtl. deutlich niedrigerer Ressourcenverbrauch, deutlich höhere Einnahmen für die Stadt

... Irgendwie fehlen mir die Argumente warum Option 1 überhaupt in Erwegung gezogen wird. Lobbyismus?

Vielleicht bin ich altmodisch, aber warum ein Wartehäuschen Photovoltaik oder Touchscreen braucht erachließt sich mir nicht und "umweltfreundlicher" werden die dadurch ja auch nicht: keine Energie zu verbrauchen ist noch besser als regenerative Energie zu verbrauchen.

Und W-Lan mag ja ganz nett sein, aber täte es unserer Gesellschaft nicht gut, vom ständigen Smartphonekonsum wieder weg zu kommen?

Maria A. vor 31 Wochen

Tja, klingt alles ganz nett. Doch waren die alten "Unterstände" recht praktisch. Die Wände machten es aufgrund ihrer Transparenz gewissen Zeitgenossen mit dem Drang zum Vandalismus schwerer, ihr Unwesen zu treiben. Ich befürchte, dass die Vision komfortabler Wartehäuschen mit WLAN, Grünbedachung und Co. der modernen Realität nicht gewachsen sein wird. Also, zumindest nicht lange, wenn man sogar auf dem Land ein schmuck renoviertes Wartehäuschen nach einigen Monaten mit Schmierereien verunstaltet vorfand.

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