Mobilität Weniger Flüge pro Woche vom Flughafen Dresden - IHK befürchtet Abkopplung

Wegen der Corona-Pandemie ist der Flughafenverkehr in Dresden stark zurückgegangen. Nach einer IHK-Analyse starten in diesem Winter in Dresden pro Woche nur noch 65 Flüge. Die IHK befürchtet eine Abkopplung vom Internationalen Verkehr und Nachteile für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Dresden.

Ein Flugzeug der Lufthansa steht kurz vor dem Start in Richtung Frankfurt auf dem Flughafen in Dresden.
Weniger Starts am Flughafen Dresden: Verliert Dresden den Anschluss an den internationalen Verkehr? Bildrechte: Mitteldeutsche Flughafen AG

Die Corona-Pandemie wirkt sich stark auf den Flugverkehr in Dresden aus. Nach einer Analyse der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden starten nach aktuellem Stand nur noch lediglich 65 Flüge pro Woche vom Flughafen Dresden. Das sind über 50 Prozent weniger Flüge als noch im Jahr 2019. Vor der Pandemie waren es wöchentlich noch 127 Flüge nach Frankfurt, München, Zürich, Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart gewesen.

Nachteile für den Wirtschaftsraum

Besonders von den Kürzungen betroffen sind laut IHK innerdeutsche Verbindungen sowie Flüge nach Zürich. "Wir warnen davor, den Flughafen der Landeshauptstadt vom internationalen Flugverkehr abzukoppeln. Dies würde zu großen Nachteilen für den Wirtschaftsraum führen", hieß es von IHK.

Sollten die wichtigen Linienverbindungen, besonders nach Frankfurt und München, wegfallen, bedroht das nicht nur die Attraktivität des im strukturschwachen Ostdeutschland herausragenden Wirtschafts- und Wissenschaftsstandortes Dresden, sondern stellt dessen Zukunftsfähigkeit zur Disposition.

Andreas Sperl Präsident der IHK Dresden

Die Anbindung und die schnelle Erreichbarkeit seien für die Erweiterung und Ansiedlung von Firmen zentrale Faktoren.

Europas größter Standort für Mikroelektronik

Mit dem "Silicon Saxony" verfüge die Region über Europas größten Standort für Mikroelektronik sowie für Informations- und Kommunikationstechnik, betonte Sperl. "Weitere internationale Branchengrößen haben Dresden in der engeren Auswahl für Standortentscheidungen. Die Region ist außerdem wichtiger Standort der Luftfahrt- und auch der Automobilindustrie und verfügt über eine exzellente und international vernetzte Wissenschaftslandschaft."

Wird der innerdeutsche Flugverkehr eingestellt?

Laut IHK verdichteten sich sogar "die Hinweise, dass der innerdeutsche Flugverkehr von und nach Dresden ganz eingestellt werden solle". IHK-Präsident Andreas Sperl forderte die sächsische Regierung zum Dialog mit den Fluggesellschaften auf, "um nachhaltigen Schaden vom Freistaat insgesamt und vom Großraum Dresden im Besonderen abzuwenden". Aktuelle fliegt die Lufthansa sowohl von Dresden als auch von Leipzig etwa ein bis zwei Mal pro Tag direkt nach Frankfurt.

Es sei ihm bewusst, dass sich die Flugkosten für die Anbieter verteuern, und nationale und europäische Regeln etwa durch den stetig sinkenden CO2-Deckel des EU-Emissionshandels-Systems (EU-ETS) zunehmen, sagte Sperl. Es könne nicht im Sinne des Landes sein, an Bedeutung als Luftfahrtdrehkreuz zu verlieren. "Deshalb muss hart um pragmatische und schnelle Lösungen gerungen werden. Es geht dabei um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, wie sich unser Wirtschaftsstandort in der Zukunft entwickeln wird“, erklärte Sperl.

Was ist eigentlich mit der Alternative Bahn?

Die Bahn sieht Sperl nicht als geeignetes und gleichwertiges Verkehrsmittel. "Aufgrund der geographischen Lage kann Dresden eisenbahntechnisch nicht so erschlossen werden, wie etwa Frankfurt, Berlin oder München", sagte Sperl. Auch bei einer weiteren Optimierung der Bahnanbindung, ließe sich die Fahrzeit kaum noch verringern. "Mit der Verkehrswende ist zudem mit einer erheblich höheren Trassenbelastung durch Wirtschaftsgüter zu rechen – eine dichtere Taktung des Personenfernverkehrs wird damit kaum möglich sein", sagte Sperl.

Anbindung Dresdens schon lange umstritten

Die schlechte Erreichbarkeit Dresdens mit günstigen und schnellen Verkehrsverbindungen ist seit Jahren ein umstrittenes Thema in der Kommune und auch im Land. Geschäftsleute, Touristiker und Wissenschaftler stöhnen regelmäßig - unter anderem auch über die Tatsache, dass sie abends gar nicht mehr oder sehr schlecht nach Berlin kommen. Seit Jahren engagieren sich verschiedene Politiker für bessere Fernverkehrsverbindungen in Dresden und auch in Chemnitz. Jede Direktverbindung mit einem IC oder ICE gilt schon als großer Erfolg.

Quelle: MDR/dpa/kt

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten aus dem Regionalstudio Dresden | 22. Oktober 2021 | 13:30 Uhr

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen