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Wie hier in Dresden-Gorbitz leben in Sachsen viele Menschen gut und günstig in Genossenschaftswohnungen. Bildrechte: dpa

WohnungsmarktGenossenschaften in Sachsen rechnen mit höheren Nebenkosten

von MDR SACHSEN

Stand: 18. Mai 2022, 20:18 Uhr

Etwa jeder fünfte Sachse lebt in einer Genossenschaftswohnung. Diese Wohnungen sind zwar immer noch vergleichsweise günstig, aber auch hier schlagen die steigenden Energie- und Baukosten wegen des Kriegs in der Ukraine und der Inflation auf Mieten und Nebenkosten durch. Die Wohnungsgenossenschaften bereiten ihre Mieter auf stürmische Zeiten vor.

Mieter in sächsischen Genossenschaftswohnungen müssen sich bald "warm anziehen". Schon in diesem Jahr sollen die Vorauszahlungen für die Nebenkosten erhöht werden, wie der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) mitteilte. Der Großteil der Kostensteigerungen werde sich wohl aber erst 2023 in der Heizkostenabrechnung für das Jahr 2022 durchschlagen, sagte VSWG-Vorständin Mirjam Philipp. "Es ist die Ruhe vor dem Sturm."

Steigende Bau-und Energiekosten verteuern das Wohnen

Die Managerin spricht von massiven Kostensteigerungen. Sie hätten schon im Jahr 2021 begonnen, sich mit Beginn des Krieges in der Ukraine noch einmal verschärft und seien ein "großes Risiko für die Bezahlbarkeit des Wohnens". Philipp verwies auf Baukosten, Energiekosten und Energiesicherheit. Die Genossenschaften würden deshalb hier und da nicht um Mieterhöhungen herumkommen. Als Folge der Entwicklung rechnet der Verband mit einer steigenden Zahl von Mietschulden. Am Jahresende 2021 hatten sie sich auf insgesamt acht Millionen Euro summiert. Bei einem Umsatzerlös von insgesamt 1,3 Milliarden Euro sei das zwar ein relativ geringer Anteil, viele Mieter müssten aber mit Nachzahlungen von 500 bis 1.000 Euro rechnen.

Bei Mietschulden versuche man in jedem Fall, Lösungen zu finden. Erhebliche Einschnitte gab es laut Verband beim Thema Modernisierung. Hier gingen die Investitionen im Jahr 2021 um 16 Prozent auf 157 Millionen Euro zurück. Auch in Neubauten wurde weniger investiert. Laut Verband schlagen sich hierbei vor allem die gestiegenen Baukosten nieder. Nur für die Instandhaltung wurde mit 312,5 Millionen Euro etwas mehr ausgegeben als im Jahr zuvor.

Verband: Mieten um fünf Prozent gestiegen

Nach Verbandsangaben sind die Mieten in den Genossenschaftswohnungen 2021 im Schnitt um fünf Prozent auf 5,16 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Das entspricht einer durchschnittlichen Kaltmiete von 303 Euro pro Monat. Bei Baukosten von 4.000 Euro pro Quadratmeter im Neubau brauche man eine Miete von 13 oder 14 Euro zur Refinanzierung, sagte Sven Winkler, im Verband für die Betriebswirtschaft zuständig.

Trotz teilweise knappen Wohnraums in Sachsen ist der Leerstand bei den Genossenschaften weiter angestiegen. Er lag im vergangenen Jahr bei 8,7 Prozent, 0,4 Prozentpunkte höher als 2020. Insgesamt stehen knapp 26.000 Genossenschaftswohnungen in Sachsen leer. Der Wohnungsabriss soll deshalb nach Verbandsangaben weitergehen. 2021 verschwanden auf diese Weise 362 Wohnungen, für dieses Jahr sind etwa 600 zum Abriss vorgesehen.

Die sächsischen Wohnungsgenossenschaften haben knapp 300.000 Wohnungen im Bestand. Damit besitzen sie einen Marktanteil von 21,1 Prozent.

MDR (kb)/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR FERNSEHEN | SACHSENSPIEGEL | 18. Mai 2022 | 19:00 Uhr