Stadtrat entscheidet Diskussion um neues Affenhaus im Dresdner Zoo

Der Zoo Dresden will seit Jahren die Lebensbedingungen der Orang-Utans verbessern. Das alte Haus aus DDR-Zeiten wird den heutigen Ansprüchen an die Tierhaltung nicht mehr gerecht. Doch an dem geplanten Neubau gibt es auch Kritik. Die Piratenpartei und die Tierschutzorganisation Peta stellen das Projekt grundsätzlich infrage.

Orang-Utan in einem Gehege
Der Orang-Utan im Dresdner Zoo soll bald in ein neues Gehege umziehen. Bildrechte: dpa

Gegen den Bau eines neues Affenhauses für die Orang-Utans im Zoo von Dresden regt sich kurz vor Entscheidung im Stadtrat Widerstand. Wie die Stadt Dresden mitteilte, sind 30 E-Mails gegen das Projekt als Petition an den zuständigen Ausschuss des Stadtrates weitergeleitet worden. Der Ausschuss könne sich aber erst am 19. Mai damit befassen. Deshalb seien die Einwände schon jetzt allen Stadträten übersandt worden. Die wollen am Mittwoch über das Affenhaus entscheiden.

Alle Stadtrats-Fraktionen im Aufsichtsrat dafür

Das Orang-Utan-Haus soll mit 17 Millionen Euro das größte Bauprojekt in der Geschichte des Dresdner Zoos werden. Mit einem städtischen Investitionszuschuss rechnet man aufgrund der aktuellen finanziellen Lage nicht. Deshalb soll ein Kredit in Höhe von zwölf Millionen Euro aufgenommen werden. Die Restsumme soll aus Eigenmitteln und Spenden finanziert werden. Der Baustart ist im Sommer geplant. Zoodirektor Karl-Heinz Ukena sagte MDR SACHSEN, im Aufsichtsrat des Zoos hätten sich alle Fraktionen im Stadtrat für den Neubau ausgesprochen, das Projekt werde seit mehreren Jahren geplant.

Visualisierung Außenansicht des Affenhauses
Das neue Affenhaus soll eine artgerechte Tierhaltung im Zoo ermöglichen. Bildrechte: MDR/Heinle,Wischer und Partner Freie Architekten

Ukena: Zoo wieder Vorreiter bei Haltung von Orang-Utans

Mit dem neuen Affenhaus würden sich die Lebensbedingungen der fünf Orang-Utans im Zoo erheblich verbessern, so Ukena. Das Haus, in dem die Menschenaffen jetzt leben, entspreche nicht mehr den Haltungsanforderungen an einen modernen Zoo.

Karl Heinz Ukena, Zoodirektor Dresden
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das Gebäude wurde 1985 zu DDR-Zeiten als Interimsgebäude für die Affen errichtet, auch damals schon ein Übergangsbau. Und diese Haltung wollen wir jetzt beenden und ein neues, tiergerechtes Haus bauen.

Karl-Heinz Ukena Zoodirektor

Der Dresdner Zoo werde damit wieder Vorreiter bei der Haltung von Orang-Utans, so Ukena. Die Zucht der Menschenaffen hat in Dresden eine lange Tradition.

Piratenpartei fordert Ende der Haltung von Menschenaffen

Doch vor der Entscheidung im Stadtrat hat die Piratenpartei in Dresden gegen das Vorhaben mobil gemacht. Der Zoo könne den Kredit nicht aus eigener Kraft zurückzahlen, kritisierte die Partei. 17 Millionen für das weitere Einsperren von Menschenaffen auszugeben, sei schon an sich "absurd".

"Dafür dann aber den Stadtrat gleich zu verpflichten, für die nächsten zehn bis 15 Jahre den Kredit selbst wieder abzuzahlen, ist ein massiver Haushaltsvorgriff und ein böser Taschenspielertrick", sagte Piratenstadtrat Martin Schulte-Wissermann. Seine Partei will im Stadtrat das Ende der Haltung von Menschenaffen beantragen. Dresden solle stattdessen 250.000 Euro im Jahr zum Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensräume der letzten freilebenden Orang-Utans in Sumatra und Borneo leisten.

Visualisierung: Dschungelpfad durch Außengehege des Affenhauses
Durch das Affenhaus soll auch der Rundweg des Zoos führen. Bildrechte: MDR/Heinle,Wischer und Partner Freie Architekten

Tierschützer wollen vor Stadtratssitzung demonstrieren

Die Tierrechtsorganisation Peta kündigte an der Messe eine Demonstration vor der Stadtratssitzung an - unter anderem mit Schildern "Kein neues Orang-Utan-Gefängnis in Dresden" und "Ungerecht, nicht artgerecht". Auch in einem Neubau blieben die Orang-Utans im Dresdner Zoo Gefangene auf Lebenszeit. Zudem setze die geplante Zucht das Leid nur fort und nütze dem Schutz der wildlebenden Artgenossen nichts, erklärte Jens Vogt, Koordinator der Aktion.

Zoodirektor Karl-Heinz Ukena will sich der Diskussion mit den Kritikern stellen, auch wenn er den Zeitpunkt kritisiert. "Wir im Zoo Dresden sind der Meinung, dass wir sehr gut Orang Utans halten können, wenn die baulichen Voraussetzungen passen." Der Zoo Dresden könne auch für Haltungen, die nicht so optimal sind, ein Stück weit "Arche" sein und andere Tiere aufnehmen, so Ukena.

Quelle: MDR/kb/dpa

Mehr aus Dresden und Radebeul

Mehr aus Sachsen