Hörer machen Programm Wird der Erzgebirgstunnel das neue Stuttgart 21?

Die Bahnstrecke Dresden-Prag soll künftig mehr Güterverkehr aufnehmen und den Personenverkehr beschleunigen. Das Großprojekt im Erzgebirge ist kostenintensiv. Unser Hörer Karl-Heinz Hallmeier aus Leipzig fragt sich, ob Sachsen damit ähnlich rote Zahlen wie der baden-württembergischen Landeshauptstadt beim Projekt Stuttgart 21 drohen.

Bohrarbeiten am Elbtal-Tunnel
Im kleinen Gersdorf in der Sächsischen Schweiz wird aktuell für das Projekt eines Tunnels unter dem Erzgebirge probegebohrt. Bildrechte: Ronny Arnold

Fast könnte man sie übersehen, die kleine Baustelle am Ortsrand von Gersdorf in der Sächsischen Schweiz. Doch zu überhören sind die Bohrer der Deutschen Bahn nicht. Was hier gerade erkundet wird, soll tatsächlich schon bald nicht weniger sein als das Mammutprojekt der Region: ein Bahntunnel, kilometerlang, quer durch das Erzgebirge bis nach Tschechien. Doch gibt der Untergrund das überhaupt her?

"Als nächstes wird gebohrt bis zur Endtiefe von 150 Metern. Das hier ist der kompakte Gneis, den wir eigentlich bis zum Bohrende vorfinden wollen", erklärt Falk Riedel, damit später alles halte, brauche es den Gneis, also hartes Gestein.

Inbetriebnahme frühestens 2040

Denn, so der Projektingenieur der Neubaustrecke Dresden-Prag: Es sollen gleich zwei Tunnelröhren werden, bis zu 30 Kilometer lang. Der genaue Verlauf stehe noch nicht fest. "Wir haben die erste Erkundungskampagne mit neun Bohrungen schon abgeschlossen und das ist jetzt die zweite Erkundungskampagne." Es sei alles ergebnisoffen, man erkunde zwei Tunnelvarianten und behandle beide Trassenkorridore gleichwertig, erklärt Riedel.

In etwa drei Jahren soll feststehen, wo der Tunnel genau gebaut werden kann. Dann erst folgt die finale Zulassung. Angedachter Baubeginn ist in etwa acht Jahren, dann werde noch einmal mindestens zehn Jahre gebaut, sagt Projektleiter Kay Müller. Die neue Strecke Dresden-Prag soll dann also ab etwa 2040 Personen wie Güter transportieren, laut Müller wesentlich schneller – und dabei das Elbtal entlasten.

Müller erklärt, dass der Personenverkehr zwischen Dresden und Prag um eine Stunde verkürzt werde, Güterverkehr rolle etwas langsamer. "Ziel ist es, so viel wie möglich an Güterverkehr – wir reden um die 150 Züge am Tag – über die Neubaustrecke zu leiten."

EU-Fördermittel statt Staatsgelder

Fest steht schon jetzt: Das Neubauprojekt Dresden-Prag wird teuer. Wie teuer genau, kann momentan noch niemand sagen. Auch Kay Müller nicht. Aber der sächsische Haushalt werde nicht belastet: "Bis zur Staatsgrenze wird es durch das Bundesverkehrsministerium finanziert. Und der Freistaat Sachsen finanziert die reine Infrastruktur gar nicht", es gebe keinen Eigenbeitrag. "Wir haben mit den tschechischen Kollegen EU-Fördermittel eingeworben", erklärt Müller. Man habe von der EU das Signal erhalten, dass man diese Fördermittel auch erhalten werde.

Doch es gibt auch kritische Stimmen: Andre Hahn von der Linkspartei etwa, der für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Bundestag sitzt, ist nicht prinzipiell gegen die Neubaustrecke. Aber er teilte MDR AKTUELL schriftlich mit: "Das Elbtal muss definitiv entlastet werden. Aber schon jetzt wird mit Kosten von über vier Milliarden Euro gerechnet und ich befürchte, dass es am Ende eher ein zweistelliger Milliardenbetrag werden könnte. Und ich glaube auch, dass der Freistaat Sachsen am Ende doch Geld in die Hand nehmen muss rund um diese Strecke, etwa für Be- und Entladestationen für den Güterverkehr."

Staatsvertrag mit Tschechien soll Finanzierung regeln

In einem Staatsvertrag zwischen Tschechien und Deutschland soll die Finanzierung geregelt werden. Sobald feststeht, dass die Bohrungen hier erfolgreich waren – und der Tunnel auch tatsächlich gebaut werden kann.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. März 2022 | 06:26 Uhr

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