Erntesaison Zu Besuch beim Apfelbauer in Dohna

Am Freitag hat in Sachsen die Apfelerntesaison begonnen. Dieses Jahr soll sie etwas besser ausfallen als 2020. MDR SACHSEN war bei einem Apfelbauer in Dohna zu Gast, dessen Herz auch für alte Sorten schlägt.

Apfelbauer in Dohna
Thomas Beck betreibt einen kleinen Laden mit Produkten aus der Region - unter anderem auch mit alten Apfelsorten. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Der kleine Laden von Becks Obstscheune in Dohna ist gut besucht. Vor allem Rentner nutzen die Mittagszeit, um sich mit frischen Äpfeln, anderen Obstsorten oder Gemüse zu versorgen. Alle Produkte kommen aus der Region oder stammen aus dem eigenen Anbau. Zwischen den Speisekartoffeln und den grünen Birnen sticht eine rote Kiste hervor. Darin liegen grüne und etwas kantige Äpfel mit dem Namen Augustkalbel. Das ist eine alte Sorte sagt Thomas Beck. Solche Sorten sind ihm wichtig: "Es gibt zum Glück noch einige Leute, die sich um alte Sorten kümmern. Mit vielen stehe ich in Kontakt. Ich selbst habe eine Art Apfelmuseum mit 230 Apfelsorten." Damit meint Beck seine Apfelplantage. Er kümmert sich um die alten Sorten, damit sie erhalten bleiben. 

Gerade heutzutage, wo wir nur noch so vier oder fünf große Handelsketten haben, die sich auf drei oder vier Apfelsorten beschränken, geht diese Sortenvielfalt mehr und mehr verloren.

Thomas Beck Apfelbauer aus Dohna

Die älteste Apfelsorte auf seiner Plantage ist über 600 Jahre alte. Sie heißt Decio. So wie der Apfel damals geschmeckt hat, schmeckt er auch noch heute.

Auch beim Apfel gilt: Nicht alles Alte ist auch gut!

Beck ist aber kein uneingeschränkter Fan alter Sorten: "Züchtungen sind ein Entwicklungsprozess. Nicht alle Sorten, die es damals gab, waren gut. Genauso stimmt das für die Sorten heute. Es ist also nicht so, dass die alten automatisch besser wären. Allerdings sind sie teilweise besser für Allergiker, da es damals nicht so viele Kreuzungssorten gab."

Auch manche Kunden in seinem Laden beschäftigen sich privat mit alten Apfelsorten. Und haben da auch durchaus gemischte Erfahrungen: "Wir haben meistens Würmer. Wir spritzen unsere vier Bäume nicht. Manchmal lassen wir Saft draus machen, manchmal reicht es gerademal so zum Kosten," erklärt ein Paar, das gerade im Laden einkauft.

Preise gar nicht so hoch

Alte Sorten zu erhalten, ist nicht so einfach. Denn Äpfel lassen sich nicht über Samen vermehren. Stirbt ein Baum, dann können Sorten nur erhalten werden, indem sie veredelt werden. Wer sich Apfelplantagen durchweg romantisch vorstellt, liegt nicht ganz richtig. Dazu erklärt Beck: "Bei uns besteht der Baum in der Regel aus drei Teilen. Das ist zum einen die Wurzelunterlage, einen Stammbildner und auf diesen kommt die eigentliche Sorte."

Trotz dieses großen Aufwands: Alte Sorten kosten bei Beck pro Kilo genau so viel wie die neuen Sorten. Das kommt seinen Kunden entgegen, denn sie bevorzugen oft eine Mischung von alt und neu.

Apfelbauer in Dohna
An diesem alten Wildapfel erfreuen sich die Vögel. Außerdem dient er als Bestäuber und "Stammerhalter" für seine Kollegen in der Nachbarschaft. Bildrechte: MDR/Jens Czerwinka

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 27. August 2021 | 16:20 Uhr

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