Tschechische Grenze Güterzüge rollen trotz Einreisesperre planmäßig durchs Elbtal

Güterzüge auf der Schiene unterwegs.
Mit ihren 189ern kann die Deutsche Bahn Güterzüge bis Tschechien fahren. Die E-Loks sind mehrsystemfähig und funktionieren unter verschiedenen Bahnstromsystemen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Trotz der seit dieser Woche strengen Einreiseregeln von und nach Tschechien verkehren die Güterzüge im Elbtal nahezu ohne Einschränkungen. Deutsche Lokführer fahren planmäßig weit ins tschechische Netz hinein, tschechische Eisenbahner kommen mit ihren Zügen auf die Gleise der Deutschen Bahn. Das funktioniere auch weiterhin, sagte Mario Reiß von der Gewerkschaft der Lokomotivführer. Er ist Betriebsrat bei der Deutschen Bahn und erklärte, dass sowohl der Konzern als auch die Gewerkschaft genau darauf achteten, dass alle Lokomotivführer beim Grenzübertritt die notwendigen Corona-Tests haben.

Kontrollen bei Personalwechsel möglich

Kontrollen durch Gesundheitsbehörden oder die Bundespolizei seien an den bekannten Personalwechselbahnhöfen denkbar, wo Güterzüge planmäßig zum Stehen kommen. Damit in solchen Fällen die Corona-Tests amtlich anerkannt und medizinisch korrekt seien, kooperiere man mit Apotheken.

Die Cargo-Sparte der Deutschen Bahn bestätigte die Einschätzung des Betriebsrats. Nach den ersten Betriebstagen mit neuer Grenzregelung funktionierten "die Verkehre von DB Cargo reibungslos", sagte ein Sprecher. Jeder DB-Cargo-Lokführer von grenzüberschreitenden Zügen erhalte bei Schichtbeginn einen aktuellen Corona-Schnelltest an der jeweiligen Einsatzstelle. Der Konzernsprecher verwies darauf: "Durch definierte Anschluss- und Übergabestellen bleibt ein Lokführer innerhalb des Schienengüterverkehrs." Dabei helfe der Deutschen Bahn, dass sie in 18 europäischen Ländern Tochtergesellschaften und Partner habe, deren Personal auch Züge übernehmen könne.

In dieser Woche sollen rund 200 Züge zwischen Deutschland und Tschechien rollen. "Das ist eine durchschnittliche Menge an DB-Cargo-Zügen auf dieser Relation", so der Bahnsprecher.

Ein Güterzug fährt die Fracht von rund 52 Lkw mit einem einzigen Lokführer. Das beschleunigt Grenzkontrollen erheblich.

Sigrid Nikutta Vorständin DB Güterverkehr

Auch andere Bahnunternehmen fahren planmäßig

Neben der Deutschen Bahn AG sind weitere Eisenbahnverkehrsunternehmen im Elbtal mit ihren Güterzügen grenzüberschreitend nach Tschechien unterwegs, so etwa die ITL Eisenbahngesellschaft mbH mit Sitz in Pirna. Das Unternehmen der Captrain Deutschland-Gruppe fährt rund 100 Zugleistungen pro Woche zwischen Deutschland und Tschechien, erklärte ein Sprecher. "Trotz der sehr kurzfristig angekündigten und umgesetzten Einreisebeschränkungen ist es der ITL gelungen, alle geplanten Züge ohne Einschränkungen zu fahren." Es sei im Einzelfall lediglich zu geringen Verspätungen gekommen.

Für ITL fahren vor allem tschechische Lokführer nach Deutschland

Güterzüge auf der Schiene unterwegs.
ITL aus Pirna ist eine feste Größe im Güterzugverkehr zwischen Sachsen und Tschechien. Bildrechte: MDR/L. Müller

"Dank der Kooperation mit einem tschechischen Eisenbahnverband und dessen Flexibilität konnte eine Teststation an der Grenze für unsere Personale eingerichtet werden", so der Captrain-Sprecher. Grenzüberschreitend seien für die ITL überwiegend tschechische Lokführer im Einsatz, die über Sprachkenntnisse und Bescheinigungen für Zugfahrten im deutschen Netz verfügten. Lokführer aus Deutschland fahren auf ITL-Loks "in der Regel nicht auf dem tschechischen Netz".

Die Geschäftsführung des Unternehmens Metrans Rail, das auf seiner Homepage mit Güterzugverbindungen zwischen Nordsee-Häfen und Adria-Häfen über Prag und Ceska Trebova wirbt, ließ eine schriftliche Anfrage zum Verkehr unter den verschärften Einreisebeschränkungen unbeantwortet. Viel Fracht in den Güterzügen ist nur im Transit durch Deutschland und Tschechien unterwegs, etwa zwischen Skandinavien und dem Balkan.

Lokführer zur Ablösung kommt als Gast auf anderer Lok

Güterzüge auf der Schiene unterwegs.
Ein Bild aus der vergangenen Woche: Seit Sonntag fahren vorerst keine Eurocitys mehr zwischen Berlin und Prag. Bildrechte: MDR/L. Müller

Der Personenverkehr auf der Schiene zwischen Sachsen und Tschechien ist seit Sonntag bis auf Weiteres komplett eingestellt. Das kann allerdings Lokführer ausbremsen, die aus Tschechien in Deutschland Züge übernehmen müssen. So berichtet ein deutscher Lokführer eines ausländischen Bahnunternehmens in einem Eisenbahnforum im Internet, dass er nach seiner Fahrt aus Rostock mit seinem Zug auf einem Abstellgleis etwas warten musste, bis seine tschechische Ablösung in Bad Schandau als Gast auf einem anderen Güterzug eintraf. Die Nationalparkbahn und Taxis fahren derzeit nicht.

Unterschiedliche Stromsysteme in Tschechien und Deutschland Da das deutsche und das tschechische Eisenbahnnetz über unterschiedliche Oberleitungsspannungen verfügt, ist der Zugverkehr eine logistische Herausforderung und bedarf genauer Planung. Viele moderne Elektrolokomotiven sind mehrsystemfähig und können grenzüberschreitend am Zug bleiben. Dennoch werden auch heute noch Züge beispielsweise in Bad Schandau oder Pirna auf andere Lokomotiven umgespannt, bei wieder anderen Güterzügen wechseln lediglich die Lokführer. Wenn die Eurocitys wieder fahren, bleiben deren tschechische Mietloks auf dem gesamten Weg zwischen Prag und Hamburg am Zug. Lediglich der Lokomotivführer wird abgelöst. Das spart Reisezeit, weil der zeitaufwendige Lokwechsel entfällt. Der Übergang Bad Schandau - Decin ist der einzige elektrifizierte Eisenbahnübergang zwischen Deutschland und Tschechien und der wichtigste im Güterverkehr zwischen Sachsen und Böhmen.

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.02.2021 | 12:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Quelle: MDR/lam

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