Ungewöhnliche Konzertreise Driftwood Holly will mit Hausboot auf der Elbe ankern

Holger Haustein, gebürtiger Oberwiesenthaler, lebt seit 22 Jahren in Dawson City am Yukon in Kanada - 250 Kilometer unter dem Polarkreis. Haustein ist Abenteurer, Fischer, Kanufahrer, Hausbootbauer und unter dem Namen "Driftwood Holly" Musiker. Jetzt will er nach Deutschland kommen und auf einem Hausboot auf Elbetour gehen. Gerade entstehen in seinem Blockhaus die Laternen für seine Traumfänger, wie er das Hausboot bereits nennt. MDR SACHSEN hat mit ihm über seine ungewöhnliche Bandtour gesprochen.

Holly fährt mit einen Floß auf einem Fluss in Kanada.
Erst auf dem Yukon in Kanada - jetzt will Holly mit einem selbst gebauten Floß die Elbe flußabwärts reisen und dabei Konzerte geben. Bildrechte: ShakatMedia

Holly, wann wirst du nach Sachsen kommen, um dein Abenteuer auf der Elbe zu starten?

Driftwood Holly: Ich komme so Ende Mai in Deutschland an und werde anfangen, das Hausboot zu bauen. Das dauert ungefähr einen Monat. In Dresden wird es fertig dekoriert. Ab Bad Schandau soll es losgehen, da wird das Boot zu Wasser gelassen.

Dieses Boot, deine Traumfänger, wird dann im Sommer dein Auftrittsort?

Ja. Nur sechs Meter lang, mit einer zuckerzüßen Bühne auf dem Vordeck und dann auch noch mal einer Bühne obendrauf. Das ist aber auch ein Reiseboot. Also es wird eine Abenteuer- und Heimatkundereise für mich, aus der sich Musikabende ergeben.

Musikabende. Geht das denn technisch auf einem Hausboot?

Ja, die Traumfänger ist eine komplette Bühne mit Licht mit eingebauter Anlage. Wir haben Strom, sogar Solarstrom. Wir sind also völlig unabhängig. Ich habe ja solche Sachen auch schon in Kanada gemacht und hier schon auf dem Wasser gespielt. Ich habe auch die Möglichkeit vom Boot direkt live zu streamen. Also wird es während der Fahrt wird es auch ein paar Konzerte geben.

Wie wichtig ist für dich so ein ungewöhnlicher Auftrittsort?

Ich bezeichne mich als Abenteuermusikant. Also ich suche mir immer Abenteuer um die Musik herum. Wir versuchen uns an Plätze zu begeben, die außergewöhnlich sind, damit der Platz mitwirkt. Wir haben unterm Erzgebirge gespielt, unter Tage in den Zinnkammern von Pöhla. Wir haben schwimmende Bühnen bespielt. Wir haben auf der Talsperre Pöhl auf einem Ausflugsdampfer gespielt.

Eine Porträtaufnahme von Holly.
Holly, geboren und aufgewachsen im Erzgebirge, lebt seit 22 Jahren in Kanada. Bildrechte: MDR/Driftwood Holly

Wie weit willst du mit der Traumfänger reisen?

Wir werden von Bad Schandau bis Hamburg fahren. Ich habe mir gedacht, dass wir die Tour an der Bar vom Hotel Atlantic in Hamburg beenden, da wo Udo Lindenberg wohnt. Danach geht auf der Elbe auch der größere Seeverkehr los, wo die großen Frachter reinkommen. Und ich will nicht stören, wenn die Jungs ihre Arbeit da draußen machen.

Wer wird dieses Mal bei Driftwood Holly mitmachen?

Verschiedene Leute. Meine Urband sind Jäcki Reznicek, der Bassist von Silly, und Pavel Oswald, der bei uns Geige spielt. Und dann würde ich sehr gerne viele Gastmusiker einladen. Zum Beispiel Holly Loose von der Letzten Instanz.

Ein Holzhaus im Winter in Kanada.
In seiner Blockhütte verbringt Holly die kanadischen Winter, die gut ein halbes Jahr dauern. Bildrechte: Kirsten Lorenz

Die Leute passen aber nicht alle aufs Boot, oder?

Wir müssen uns verabreden und ich mache dann am Ufer fest. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten. Man kann ja auch auf einer Brücke spielen. Ich werfe unten im Wasser den Anker, dann können sich Leute oben auf der Brücke aufstellen und sich in meine Anlage mit reinhängen.

Hast du eigentlich Bedenken wegen Corona-Auflagen?

Also ich kann ja die Reise die Elbe runter ganz allein machen und streame live vom Boot. Wenn sich die Regeln lockern, gibt es Uferkonzerte mit dementsprechenden Abständen zwischen den Leuten. Vielleicht ist ja im Sommer auch wieder alles auf. Wir wissen es nicht. Es wird funktionieren, unter allen Bedingungen. Da bin ich eigentlich ziemlich überzeugt davon.

Und wie geht es dir gerade in Kanada als Musiker?

Es ist Lockdown, genau wie in Deutschland. Aber ich hatte einen relativ guten Sommer, weil wir haben sofort angefangen, live zu streamen. Ich mache seit über einem Jahr jeden Freitag die "Holly Happy Hour", davon habe ich gelebt. Und dann habe ich die erste rollende Bühne in Dawson City gebaut, die wurde von einem Truck gezogen. Damit sind wir durch die Stadt gefahren, haben vor den Häusern angehalten und für die Leute von der rollenden Bühne aus gespielt. Das war eine ziemlich coole Aktion.

Holly fährt mit einem Floß auf einem Fluss in Kanada.
Holly mit einem Hausboot auf dem Yukon in Kanada. Bildrechte: ShakatMedia

Quelle: MDR/ma

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