Neue Regeln bei EU-Verordnung Immer wieder unerlaubte Drohnenflüge über Sachsen

Drohnen am Himmel - auch in Sachsen sind die kleinen Flugobjekte immer häufiger zu sehen. Deutschlandweit gibt es Schätzungen zufolge mehr als 450.000 privat genutzte Drohnen. Doch auch die Verstöße haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Für Drohnen-Piloten gelten seit Anfang des Jahres strengere Regeln, seit Mai müssen sie sich auch registrieren.

Fliegende Drohne DJI Phantom
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Vor wenigen Tagen in Leipzig: Polizeibeamte beobachten über dem Bundesverwaltungsgericht eine fliegende Drohne. Der 39 Jahre alte Besitzer wird in unmittelbarer Nähe festgestellt. Offenbar weiß er nicht, dass es verboten ist, das Gebäude zu überfliegen. Nun muss er mit einem Bußgeld wegen einer Ordnungswidrigkeit rechnen. Solche Verstöße wie in Leipzig kommen immer wieder vor, sagt die Polizei.

Drohnen stören Park-Besucher und Tiere

Auch im Nationalpark Sächsische Schweiz sind solche Flugobjekte von Hobby-Piloten oder Fotografen zum Problem geworden - obwohl sie dort nicht tiefer als 600 Meter fliegen dürften. Das Internet ist dennoch voll mit Aufnahmen aus dem Naturschutzgebiet. Vielen seien die Regeln offenbar nicht bekannt. Doch durch die Flüge fühlten sich nicht nur Besucher belästigt, auch die Natur werde empfindlich gestört, wie ehrenamtliche Vogelkundler berichten. So sei vor zwei Jahren durch einen Drohnen-Flug eine Brut von Wanderfalken verloren gegangen.

Wie das Innenministerium MDR SACHSEN mitteilte, hat die Polizei in diesem Jahr bislang zehn Drohnen-Verstöße im Freistaat festgestellt. In Leipzig sei zum Beispiel ein Drohne vor einem Küchenfenster geflogen, in Annaberg über dem Impfzentrum und in Dresden über dem Wettkampfgelände des Ski-Weltcups am Königsufer.

Das gilt nach neuen EU-Drohnenverordnung

Wer seine Drohne in Deutschland oder anderen EU-Staaten startet, braucht seit Jahresbeginn einen EU-Kompetenznachweis - sobald die Drohne 250 Gramm oder mehr wiegt oder eine Kamera trägt. Bisher galt dies für Drohnen über zwei Kilogramm. Der "kleine Drohnenführerschein" soll sicherstellen, dass ein Drohnenpilot das nötige Grundwissen hat, um eine Drohne sicher zu steuern.

Quadrocopter-Drohne am Himmel 5 min
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Fr 18.08.2017 10:32Uhr 04:51 min

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Dabei lernt man auch, wo geflogen werden darf und was dabei beachtet werden muss. Der EU-Kompetenznachweis kann relativ einfach von zu Hause erworben werben. Es genügt ein kompaktes Online-Training mit einer anschließenden Prüfung. Der Kurs ist zunächst kostenlos.

Registrierungspflicht für Drohnen seit Mai

Seit dem 1. Mai müssen sich Drohnenbesitzer auch registrieren lassen, seit Anfang des Jahres galt eine Übergangsfrist. Dabei muss auch die Drohne mit der Registrierungsnummer des Piloten (e-ID) gekennzeichnet werden. Sofern die Drohne die entsprechende Technik besitzt, muss die e-ID laut Luftfahrtbundesamt in das Fernidentifizierungssystem geladen werden. Dies soll es ermöglichen, den Betreiber der Drohne auch im Fluge zu identifizieren.

Ausgenommen von der Registrierungspflicht: Drohnen unter 250 Gramm ohne Kamera (und ohne Sensoren zur Erfassung persönlicher Daten) oder Drohnen unter 250 Gramm, die nach EU Richtlinien (2009/48/EC) als reines Spielzeug zertifiziert sind.

Infografik Drohnenverordnung EU
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Naturschutzgebiete in Sachsen
In der Karte sind die mehr als 220 Naturschutzgebiete in Sachsen und der Nationalpark Sächsische Schweiz verzeichnet - dort sind Drohnenflüge weitgehend verboten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wo dürfen Drohnen (nicht) fliegen? - Drohnen sind Teil des Flugverkehrs und müssen sich an die dort geltenden Regeln halten.
- Für die meisten Hobbypiloten der "offenen Kategorie" gilt: Die maximale Flughöhe darf 120 Meter nicht übersteigen und es muss Sichtkontakt während des gesamten Fluges bestehen.
- Die Drohne darf zudem höchstens 25 Kilogramm wiegen.

- Untersagt ist aus Sicherheitsgründen das Überfliegen von Menschenansammlungen, auch ein Seitenabstand von 100 Metern muss eingehalten werden.
- Weitere Flugverbotszonen sind Verfassungsorgane wie der Landtag oder obere Behörden der Länder, Bundesfern- und -wasserstraßen, Naturschutzgebiete*, Einsatzorte von Rettungsdiensten wie der Feuerwehr oder Polizei, Industrieanlagen, Krankenhäuser sowie Flugplätze oder -häfen.

* In Sachsen gibt es aktuell 226 festgesetzte Naturschutzgebiete mit einer Fläche von 56.9589,21 Hektar, die nicht mit Drohnen überflogen werden können. das entspricht einem Anteil von 3,09 Prozent der Landesfläche. Die größten Gebiete sind unter anderem die Königsbrücker Heide, die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, das Presseler Heidewald- und Moorgebiet und die Gohrischheide.

- Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 50.000 Euro. Auch private Grundstücke dürfen nicht ohne Erlaubnis des Eigentümers überflogen werden.
- Wer eine Drohne hat, muss außerdem eine Haftpflichtversicherung dafür abschließen, falls es zu Schäden etwa durch einen Absturz kommt.

Wo Drohnen fliegen können und welche Regeln und Vorschriften für die Steuerung von Drohnen in Deutschland gelten, können Drohnenpiloten auch mit der Droniq App erfahren.

Sogenannte "Bestandsdrohnen", die noch nicht mit EU-Recht konform sind, dürfen weiter geflogen werden - bis Ende 2022 und bis zu einem Gewicht bis 500 Gramm sogar ohne Drohnenführerschein.

Quelle: MDR/kb

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