Sächsische Schweiz-Osterzgebirge Nach Großbrand in Heidenau: Polizei sucht in Trümmern nach Hinweisen

90 Einsatzkräfte aus Heidenau, Pirna und Dresden kämpften am Donnerstag auf dem Gelände eines Autohandels gegen die Flammen. Die Polizei sucht nach Spuren zur Brandursache - mit Hund und Helikopter.

Ein ausgebrannter Autohandel mit zerstörten Fahrzeugen.
Das Gelände des Autohandels in Heidenau glich nach dem Brand einem Trümmerfeld. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Das große Tor am Autohandel unmittelbar neben der Halle der Firma Kühl Entsorgung & Recycling ist geschlossen. Ein rot-weißes Absperrband weist auf einen Polizeieinsatz hin. Ab und zu laufen einige Passanten vorbei, bleiben stehen und schauen von der Hauptstraße in Richtung der Bahnstrecke. Ein verformtes, gewölbtes Dach einer Werk- und Lagerhalle fällt ins Auge, davor ausgebrannte Raum-Container und ausgebrannte Autokarossen.

Gelegentlich tauchen zwei Männer in dunkelblauer Kleidung und mit Schutzhelmen auf dem Kopf auf. Es sind Kriminalhauptkommissar Jens Alter und Kriminalhauptkommissar André Skibbe. Die beiden sind Brandursachenermittler der Polizeidirektion Dresden. Mal haben sie einen großen Zollstock in der Hand, mal einen Fotoapparat, mal ein Tüte.

Nach dem Großfeuer vom Donnerstag verschaffen sie sich am Freitag in den Gebäuderuinen einen ersten Überblick und beginnen damit, in den Trümmern nach Hinweisen zur Brandursache zu suchen.

Ein Polizist und ein Hund in einer ausgebrannten Halle.
Suche nach der Brandursache: Die Ermittler brachten am Freitag einen Spürhund mit. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Hubschrauber der Polizei im Einsatz

Kurz nach 9 Uhr wird es laut über ihnen. Der Polizeihubschrauber "Passat" kreist über dem Areal. Ein Kollege fotografiert aus luftiger Höhe, das was das Feuer hinterlassen hat. Aus rund 600 Metern erlangt er ein gutes Bild von dem gesamten Areal. Eigentlich wollten die Ermittler mit einer Drohne arbeiten. Aber die kam wegen des böigen Windes nicht zum Einsatz.

Als der Helikopter abgedreht hat, dokumentieren Jens Alter und André Skibbe weiter den Unglücksort. Ihr Fokus liegt dabei auf den Überresten der Kfz-Werkstatt sowie auf dem angrenzendem Raum-Container, in dem einst das Verkaufsbüro war. Kaum zu glauben: Der zweite Container hinter den verformten Wänden war mal ein Ersatzteil-Lager.

In diesem Gebäudekomplex unmittelbar an der Grundstücksgrenze zur Firma Kühl hatte das Feuer seinen Anfang gefunden hatte, bevor es auf eine Werk- und Lagerhalle übergriff und sich rasant ausbreitete. Für die Beamten ist Vorsicht geboten. Die Gebäude sind nach dem Inferno instabil, das Betreten ist nicht ungefährlich.

Mitten in ihrem Tun kommt eine Frau herbei. Sie hat ihren Kopf in ein Tuch gehüllt. Es ist die Ehefrau des Pächters, dessen Autohandel nun in Schutt und Asche liegt. Ihr Mann suche nach einem großen Bund mit vielen Fahrzeugschlüsseln. In die Trümmer können die Ermittler die Frau nicht lassen. Kurze Zeit später werden sie jedoch selbst fündig - im Schutt des Bürotraktes. Die Frau schlägt ihre Hände vors Gesicht, ist den Tränen nahe. Sie selber möchte eigentlich nichts sagen. Ihr fehlen die Worte. Sie wisse nicht, warum es gebrannt habe. Ihr Mann sei sehr angeschlagen und wolle deshalb zunächst nicht an die Brandstelle kommen.

Spürhund hilft Ermittlern

Noch vor dem Mittag erhalten die Ermittler tierische Unterstützung. Ein junger Diensthundeführer ist mit einer Brandmittelspürhündin eingetroffen. Die fünf Jahre alte Engie von der Kraiburg pirscht auf flinken Pfoten durch die verkohlten Hinterlassenschaften. An einer Stelle in der Kfz-Werkstatt samt Hubbühne, auf der eine ausgebrannte Karosse hochgefahren ist, hält sie inne und bellt, bevor sie weiter schnüffelt.

Inzwischen ist der Fotospezialist von dem Hubschrauber-Überflug dazugekommen. Penibel hält er viele Details am Brandort fest. Danach packen seine Kollegen, den ein oder anderen Gegenstand ein, stellen ihn für die nähere Untersuchung sicher, notieren die Fundstelle. Am Nachmittag ist der Anfang der Spurensicherung gemacht. Am Montag geht es weiter. Dann wird ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes hinzustoßen. Die Beamten ermitteln in alle Richtungen. Technisches wie menschliches Versagen oder Zutun können in Frage kommen.

Zwei ausgebrannte Autos vor einer ausgebrannten Lagerhalle.
In den frühen Morgenstunden war der Brand in Heidenau ausgebrochen. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Das Feuer war am 11. März in einem von drei Autohändlern an der Hauptstraße in Heidenau ausgebrochen. Es entwickelte sich in Windeseile zu einem Großbrand. Als die ersten Feuerwehrleute eintrafen, standen sie einer großen Feuerwand gegenüber. Das Inferno war erst nach zwei Stunden unter Kontrolle und nach sieben Stunden gelöscht - von einem Großaufgebot der Feuerwehr.

Der Brand hinterließ eine Spur der Verwüstung und einen enormen Schaden: Es zerstörte nicht nur die Werkstatt des Autohändlers, sondern auch eine benachbarte Werk- und Lagerhalle. Außerdem griffen die Flammen auf zahlreiche Autos über. Mindestens zwölf Gebrauchtwagen sowie drei Busse brannten völlig aus. Eine Vielzahl weiterer Fahrzeuge und Anhänger wurden durch Hitze und umherfliegende Glut beschädigt.

In der großen Halle selbst fielen dem Grundstückseigentümer zufolge zwei Hebebühnen und Gabelstapler, viel Werkzeug und Gerätschaften wie Reifenmontier- und Wuchtmaschinen den Flammen zum Opfer, aber auch Auto-Ersatzteile, Stoßdämpfer und dutzende Motoren.

Zwei Feuerwehrleute vor einer ausgebrannten Autowerkstatt.
Etwa 90 Einsatzkräfte aus Heidenau, Pirna und Dresden waren Donnerstag im Einsatz. Die Suche nach der Brandursache wird fortgesetzt. Bildrechte: MDR/Daniel Förster

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.03.2021 | 15:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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