Bistum Dresden-Meißen Missbrauchsfälle in katholischer Kiche: Grab in Heidenau soll geöffnet werden

Immer wieder werden Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche öffentlich. Anfang des Jahres brachte eine Recherche einer Dresdner Zeitung Licht in die dunkle Vergangenheit der Gemeinde in Heidenau. Dort soll in den 1960er Jahren ein Pfarrer mehrfach Mädchen missbraucht haben. Nun läuft die Aufarbeitung des Falls an, die im Bistum Dresden-Meißen über Jahre nicht stattgefunden hatte.

Kirche in Heidenau
In der katholischen Gemeinde in Heidenau soll in den 60er-Jahren ein Pfarrer mehrere Mädchen missbraucht haben. Bildrechte: MDR/Andreas Roth

Im Zuge der Aufarbeitung von mehreren Missbrauchsfällen im sächsischen Heidenau in den 1960er Jahren soll das Grab des katholischen Pfarrers Herbert Jungnitsch (1898-1971) offenbar geöffnet werden. So sollen eine Exhuminierung der Leiche und eine DNA-Untersuchung stattfinden, wie die "Sächsische Zeitung" am Montag unter Berufung auf das Umfeld der Bistumsleitung Dresden-Meißen berichtet.

Mit der Öffnung des Grabes solle geklärt werden, ob der Pfarrer auch bislang unbekannte Kinder gezeugt hat. Außerdem sei geplant, das Grab einzuebnen und den Grabstein zu beseitigen. Der Seelsorgerat der Heidenauer katholischen Kirchgemeinde hatte bereits 2019 beschlossen, das Grab Jungnitschs einzuebnen, also aufzulösen. Dieser Schritt ist in der katholischen Kirche allerdings ausgesprochen selten.

Friedhof
Dieses Grab des Pfarrers Jungnitsch soll eingeebnet werden. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Andreas Roth

Zeitung bringt Fall ins Rollen

Jungnitsch wird schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen. Eine Recherche der Sächsischen Zeitung machte die Missbrauchsfälle im Februar öffentlich. Dem Bistum war der Fall seit vielen Jahren bekannt, eine gründliche Aufarbeitung blieb aber bisher aus. Angestoßen wurde dies erst 2020 von einem neuen Gemeindereferenten. Bischof Heinrich Timmerevers hatte Fehler des Bistums Dresden-Meißen im Umgang mit dem Fall eingeräumt.

Am Donnerstag hatte bei einem Gemeindeabend die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle offiziell begonnen. Unter den 80 Teilnehmenden waren auch betroffene Frauen. Der 1971 verstorbene Jungnitsch sowie Unterstützer sollen in mindestens vier Fällen sexualisierte und körperliche Gewalt bis zum schweren Missbrauch verübt haben. Die Mädchen waren laut Bistum damals zwischen vier und acht Jahren alt.

Quelle: MDR/bj/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 20. September 2021 | 18:00 Uhr

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