Urteil Schwerer Kindesmissbrauch: Lange Haftstrafe für 56-Jährigen aus Pirna

Die Missbrauchsfälle von Münster erschütterten ganz Deutschland. Im Zuge der Ermittlungen kam heraus, dass die Spur auch nach Sachsen führt. Ein 56 Jahre alter Mann aus Pirna musste sich deshalb am am Landgericht Dresden wegen schweren Kindesmissbrauchs verantworten. Am Donnerstag fiel das Urteil.

Landgericht Dresden
Der Missbrauchsfall wurde am Landgericht in Dresden verhandelt. Bildrechte: MDR / Christoph Stelzner

Das Landgericht Dresden hat einen 56-Jährigen wegen schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern und der Herstellung Verbreitung von Kinderpornografie zu sieben Jahren Haft verurteilt. Außerdem muss der Mann einem der Opfer ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zahlen.

Der frühere Hausmeister einer Schule in Pirna hatte sich zwischen August 2015 und September 2019 mehrmals an einem inzwischen 17 Jahre alten Schüler vergangen und die Taten heimlich gefilmt. Zudem missbrauchte er einen 12-Jährigen Jungen aus Münster. Mit dem dort aufgeflogenen Pädophilen-Netzwerk stehen die Taten in Verbindung. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Pirnaer gehört zu bundesweitem Pädophilen-Netzwerk

"Die Taten übersteigen das Vorstellungsvermögen vieler Menschen", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel, auch mit Blick auf den Missbrauchsfall von Münster. Nach Überzeugung der Kammer gehört der Pirnaer zu den bundesweit rund 50 Beschuldigten in dem Komplex. Es gebe eine massive Beweislast, darunter mehrere Chats mit dem Haupttäter und Stiefvater des Jungen, sagte Ziegel.

Missbrauch in Ferienwohnungen

Der Angeklagte sei Anfang 2019 mit dem Drahtzieher des Pädophilennetzwerks in Kontakt gekommen, der ihm nur wenige Wochen später seinen Ziehsohn "zur Verfügung" stellte, wie Ziegel sagte. Es stehe fest, dass der Mann dreimal mit dem Kind in Sachsen war. Der heute zwölf Jahre alte Junge sei von dem Angeklagten, dem Stiefvater und zwei weiteren Männern in Klipphausen und Pirna missbraucht worden. Die Taten ereigneten sich den Angaben zufolge in zuvor angemieteten Ferienwohnungen und unter Verwendung bewusstseinstrübender Medikamente.

Staatsanwaltschaft forderte mehr als zehn Jahre Haft

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gefordert, die Verteidigung keinen konkreten Strafantrag gestellt. Der Angeklagte hatte auch im Prozess bis zuletzt zu den Vorwürfen geschwiegen.

Ermittlungen gegen 50 Verdächtige

Münster ist einer von drei großen Missbrauchsfällen in Nordrhein-Westfalen, der im Juni 2020 nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht kam. Bundesweit wird gegen rund 50 Verdächtige ermittelt, über 30 davon sind in Haft und einige verurteilt - unter anderem der Haupttäter zu 14 Jahren Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Quelle: MDR/sth/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 07. Oktober 2021 | 18:30 Uhr

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