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Am Sonntag ist ein Wahrzeichen von Wilsdruff verschwunden: Der Sendemast wurde gefällt. Bildrechte: dpa

Ende eines Wahrzeichens

Sprengung der Halteseile: Sendemast von Wilsdruff ist am Sonntag gefallen

von MDR SACHSEN

Stand: 01. August 2021, 11:30 Uhr

Er war jahrzehntelang das Wahrzeichen von Wilsdruff: der mehr als 150 Meter hohe rot-weiße Funkmast, auch Bleistift genannt. Lange versuchten Radiofreunde, ihn zu erhalten. An diesem Sonntag wurde er nun abgerissen.

Der stillgelegte Sendemast an der Autobahn 4 bei Wilsdruff ist gefällt worden. Laut Eigentümerin Media Broadcast GmbH wurden am Sonntagvormittag die Stahlseile, die den Mast hielten, mit Sprengladungen gekappt. Der erste Versuch war am Morgen gescheitert. Nach der Zündung der Schneidladungen war nur eines der beiden Halteseile gerissen. Erst beim zweiten Versuch konnte der Mast vollständig zu Boden gebracht werden. Der Verkehr auf der Autobahn wurde während der Sprengung gestoppt. Nach der erfolgreichen Sprengung konnte der Verkehr wieder freigegeben werden.

Ausstrahlung von Radio DDR 1

Der gut 100 Tonnen schwere Mast in Wilsdruff war 1953 für die Ausstrahlung von Radioprogrammen über Mittelwelle errichtet worden. In der DDR wurde das Hörfunkprogramm Radio DDR 1 hierüber abgestrahlt. 2013 wurde der Sendebetrieb eingestellt. Daraufhin gründeten sich der Technikverein Sender Wilsdruff e.V. sowie der Förderverein Funkturm Wilsdruff. Die rundfunkbegeisterten Mitglieder wollten den Sendemast - auch liebevoll Bleistift genannt - und die dazugehörigen historischen Rundfunkanlagen als technisches Denkmal erhalten. Das Vorhaben scheiterte letztlich an der Finanzierung.

Wir haben den Verkauf probiert, ist aber so, dass kein Eigentümer gefunden werden konnte, der den Turm dann weiter nutzt. Von daher mussten wir uns jetzt für den Abriss entscheiden.

Manfred Hermann | Media Broadcast GmbH

Nach Angaben von Media Broadcast verursachte der Mast jährlich Unterhaltungskosten in sechsstelliger Höhe. Die habe das Unternehmen nicht mehr tragen können, sagte Manfred Hermann, Sprecher von Media Broadcast. Deshalb wurde wiederholt der Abriss des Funkmastes beantragt. Erste Anträge waren zunächst wegen des historischen Wertes der Anlage abgelehnt worden. Letztlich wurde der Abriss dann doch genehmigt.

Ein Stück vom Bleistift bleibt

Nun soll der Förderverein ein zehn Meter langes Teilstück des Mastes kostenlos erhalten. Wie Sabine Neumann vom Förderverein Funkturm Wilsdruff erklärt, wird es das untere Stück mit der sich verjüngenden Spitze werden. Besonders beeindruckend: Auf dieser Spitze, die auf einem Keramikisolator des kleinen Turmhauses steht, lastet das tonnenschwere Stahlrohr.

Sabine Neumann vom Förderverein hat am Sonnabend ein letztes Selfie mit dem Wilsdruffer Sendemast gemacht. Bildrechte: Sabine Neumann

Der Verein will in Form eines Denkmals an den Bleistift weiter erinnern und sammelt dafür Spenden. Man wolle sich ein kleines Andenken an das Wahrzeichen von Wilsdruff erhalten. "Wir wollen es sichtbar machen", so Neumann. Dem Technikverein in Wilsdruff wurde das Inventar im Antennenhaus am Fuße des Sendemastes überlassen. "Es wurde erst einmal eingelagert und soll später präsentiert werden", sagt Neumann.

Wilsdruffer Sendemast* Der Sendemast, gebaut vom VEB Leipziger Stahlbau und Verzinkerei, wurde am 4.9.1953 fertiggestellt.
* 1954 begann der Betrieb als Mittelwellensender.
* Der Sendebetrieb wurde am 30.4.2013 eingestellt.
* Der Stahlrohrmast ist mit sechs Spannseilen gesichert, die in Betonfundamenten im Boden verankert sind.
* Der Mast ist 153,5 Meter hoch, vom Boden bis zur Spitze sind es 160,7 Meter. Im Durchmesser misst er 1,5 Meter. Sein Gewicht beträgt 103 Tonnen.
* Im Mast gibt es eine Steigleiter, mit der Monteure bis nach oben gelangen können.
Quelle: Förderverein Funkturm Wilsdruff e.V.

Quelle: MDR/ma/dpa

Dieses Thema im Programm:MDR SACHSEN | MDR SACHSENSPIEGEL | 01. August 2021 | 19:00 Uhr

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