Nach 75 Jahren Deutschland produziert kein Uran mehr - letzter Transport aus Königstein

Die DDR war bis vor rund 30 Jahren der viertgrößte Uranexporteur der Welt. Zwischen 1946 und 1990 wurden im heutigen Thüringen und Sachsen tonnenweise Uranerz gefördert. Den Preis dafür bezahlten Menschen und Natur vor Ort mit zerstörten Landschaften, verschwundenen Ortschaften und massiven Verunreinigungen von Luft, Böden und Gewässern. Inzwischen haben sich große Teile der ehemaligen Abbaugebiete vom Raubbau erholt - dank der aufwendigen Sanierung. Seit dem 1. Juni 2021 gehört Deutschland nicht mehr zu den uranproduzierenden Ländern.

Eingang zu einem Uran-Bergwerk der Wismut GmbH in Leopoldshain bei Königstein, 2009
Viele Jahre wurde bei Königstein Uranabbau durch das Unternehmen Wismut betrieben. Inzwischen ist die Wismut für die Sanierung der ehemaligen Abbaugebiete in Sachsen und Thüringen zuständig. Bildrechte: IMAGO / momentphoto/Killig

In Deutschland wird kein Uran mehr produziert. Am Dienstag fand der letzte Transport von Uran aus Königstein in der Sächsischen Schweiz statt. Das hat das Unternehmen für Bergbausanierung, Wismut GmbH, mitgeteilt. Damit sei ein wichtiger Teil deutscher Geschichte in Sachsen zu Ende gegangen, hieß es. Begonnen hatte der Uranabbau vor 75 Jahren während des Kalten Krieges - unter anderem südöstlich von Dresden in Königstein. Mit dem Ende des Uranabbaus in Sachsen scheidet Deutschland nun aus der Liste uranproduzierender Staaten aus.

Zerstörte Landschaften durch Uranabbau

Die planmäßige Produktion von Uran endete in Deutschland bereits 1990. Seit 1991 laufen Sanierungsarbeiten in Sachsen und Thüringen dort, wo Uranerzbergbau im großen Stil betrieben und Regionen geschädigt wurden. Denn der Abbau von Uran hinterließ Spuren in der Natur: Radioaktive Halden, Schlammteiche und andere Rückstände mussten beseitigt werden. Zuständig dafür war in den vergangenen 30 Jahren das Unternehmen Wismut.

Uran bei Sanierung gewonnen

Bei der Sanierung der Hinterlassenschaften in Mitteldeutschland fielen noch rund 3.350 Tonnen Uran an - unter anderem in der Urangrube in Königstein. Bei der Wasserreinigung war regelmäßig Uran abgetrennt und verkauft worden. Weil aber die Konzentration des Urans inzwischen deutlich geringer ist, lohnt sich das Abtrennen dem Unternehmen zufolge nicht mehr. Der letzte Transport aus Königstein umfasste ein rund 19,5 Tonnen schweres Gemisch aus Wasser und Uranoxid.

Uranabbau Bis 1990 war die DDR der viertgrößte Uranproduzent der Welt. Das Erzgebirge und Ostthüringen standen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Fokus der Urangewinnung.

Von 1946 bis zur Einstellung der Arbeiten wurden 216.350 Tonnen produziert und in die Sowjetunion geliefert. Dort wurde das radioaktive Element für ein Atomprogramm genutzt.

Im Kalten Krieg wurde das Bergbauunternehmen Wismut gegründet. Es entwickelte sich nach eigenen Angaben zum größten Einzelproduzenten von Urankonzentraten weltweit. Seit 1991 saniert die Wismut die Schäden, die der Bergbau hinterließ. Der Bund hat dafür bisher 6,8 Milliarden Euro bereitgestellt.

Quelle: MDR/kp/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 01. Juni 2021 | 14:00 Uhr

8 Kommentare

Kelte vom Oechsenberg vor 1 Wochen

Nur mal so als Frage. Sollte nicht die Förderstätte des Urans nicht auch die Endlagerstätte des radioaktiven Materials sein? Ich höre schon das Wehklagen: "Nicht unter meinem Grundstück." Aber wir sind ja in Deutschland sehr gut darin, daß wir unseren Müll/Abfall in der ganzen Welt verteilen. Beispiele gäbe es zum Dutzend.

Peter vor 1 Wochen

Eigentlich sollte Jeder heilfroh sein, dass dieses Kapitel beendet ist.
Allerdings gibt´s in Deutschland Politiker, die wollen neue Atomkraftwerke bauen. Die Hinterlassenschaften damals wie heute - radioaktiver Abfall, die spätere Generationen irgendwie wieder loswerden müssen.

Eulenspiegel vor 1 Wochen

Hallo Harke
Das stimmt auch für Medizinische Zwecke wird es u.U. benötigt. Aber in so geringen Mengen da gibt es kein Entsorgungsproblem.

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