Sachsen Bericht eines Touristen über Bad Schandau schlägt Wellen

Die Sächsische Schweiz ist bei Touristen beliebtes Reiseziel. Malerische Waldhänge und schroffe Felsen laden zum Wandern und Verweilen ein. Doch das Image der Region leidet seit Jahren am hohen Anteil von AfD-Wählern. Die Kritik eines Urlaubers auf einer Social-Media-Plattform über Erlebnisse in Bad Schandau während der Corona-Pandemie befeuert jetzt die Diskussion überregional.

Bad Schandau
Bad Schandau im Februar 2022 Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Bericht eines Touristen im sozialen Netzwerk Reddit über einen Kurzurlaub in der Sächsischen Schweiz lässt aufhorchen. Der Mann hat Anfang Februar Bad Schandau besucht. Seit Jahren mache er dort gern Wellnessurlaub, schreibt er. Doch die Erfahrung in diesem Jahr sei bizarr gewesen.

Eine Vielzahl an Geschäften schmückt sich mit Schwurbel- bis voll-ausgeprägter-Irrsinn-Plakaten, in der Bäckerei wird das Einhalten der 2G-Kontrollen als staatliche Gängelung veralbert. Alles in einem Ausmaß, das auch über das in Sachsen leider ohnehin schon übliche hinausging.

Tourist in Bad Schandau

Ladenkokal in Bad Schandau
Dieses und ähnliche Plakate in Geschäften sind dem Bad Schandau-Urlauber negativ aufgefallen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Mann, der anonym bleiben will, berichtet im Gespräch mit MDR SACHSEN auch vom diesjährigen Umzug der Fischerfastnacht. "Da wurde es dann deutlich, dass der komplette Umzug nur dominiert wird von dem Thema Corona und auch einer gewissen Politikfeindschaft".

Auch anderen Gästen im Hotel sei dies negativ aufgefallen. Zwei Frauen in der Sauna, mit denen er und seine Urlaubsbegleitung darüber gesprochen hätten, seien entsetzt gewesen und wollten nicht wieder in die Sächsische Schweiz kommen, erzählt der Urlauber.

Viel Resonanz auf Erfahrungsbericht

Sein Bericht in dem Sozialen Netzwerk Reddit hat viel Resonanz bekommen. Er wurde mehr als 216.000 Mal aufgerufen, fast 600 Nutzer haben den Bericht kommentiert. (Stand: 16.02.2022). Einige beschreiben ähnlichen Erfahrungen aus der Sächsischen Schweiz:

Wenn man mit der Fähre übergesetzt hat, auf der offiziell Maskenpflicht galt, wurde man von zwei Dritteln der Mitfahrenden mitleidig bis feindselig angeschaut, wenn man eine trug. Für mich war es das letzte Mal Bad Schandau.

Nutzer im Sozialen Netzwerk Reddit

Dennoch verteidigt der Urlauber, der den Bericht veröffentlicht hat und selbst in Sachsen lebt, sein Bundesland. Er halte auch nichts von "Sachsenbashing", also der pauschalen Stigmatisierung des Landes und seiner Einwohner. Doch die Erfahrungen in Bad Schandau zeugen seiner Meinung nach von einem völligen Versagen der Zivilgesellschaft in dem kleinen Ort.

Tourismusvereinschef ist AfD-Landtagsabgeordneter

Der Tourismusverein Elbsandsteingebirge kann diese Erfahrungen nicht nachvollziehen. "Mir sind als Tourismusvereinsvorsitzendem und Bewohner des Elbsandsteingebirges keine vergleichbaren Äußerungen von Touristen bekannt,“ schreibt Ivo Teichmann auf Anfrage von MDR SACHSEN. Teichmann, der auch für die AfD im Sächsischen Landtag sitzt, erlebe dagegen regelmäßig Diskussionen über die unterschiedlichen Corona-Regeln in Sachsen und im angrenzenden Tschechien. Auch über Serviceprobleme würden sich manche Touristen beklagen.

Teichmann: Überzogene Darstellung gehört zum Fasching

Teichmann selbst lebt im nahegelegenen Königstein. Dort seien ihm noch keine "Querdenkerplakate" aufgefallen. Und zum Aufzug der Fischerfastnacht in Bad Schandau schreibt er:

Toleranz und Meinungsvielfalt wird regelmäßig eingefordert, aber selbst kaum gelebt. Zudem ist die Satire, gerade bei Faschingsumzügen, immanent, dass bewusst ‚überzogen‘ wird. Dies ist kein besonderes Phänomen der Sächsischen Schweiz.

Ivo Teichmann Vorsitzender des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge

Teichmann zufolge erfreue sich die Sächsische Schweiz als Urlaubsregion eines ungebrochenen Zuspruchs. Der starke Anstieg der Buchungsnachfragen mache dies deutlich.

Tourismusverband: Keine Stellungnahme möglich

Der Tourismusverband Sächsische Schweiz wollte sich nicht zu dem Urlauber-Bericht äußern. Eine Bewertung und Stellungnahme sei nicht möglich, teilte der Verband MDR SACHSEN mit. Gründe dafür nannte der Verband nicht. Er wies lediglich darauf hin, dass sich die Mitglieder grundsätzlich für Weltoffenheit,Toleranz und Gastfreundschaft einsetzen würden.

MDR (kb)

2 Kommentare

franky83 vor 18 Wochen

Warum kommt man dann hier her, wenn einen die Menschen und ihre Meinung nicht passt? Ihr wisst doch wie wir Sachsen sind und kennt unsere Meinung die wir vertreten. Dann fahrt doch wo anders hin.

MDR-Team vor 18 Wochen

Auch in Sachsen gibt es eine Vielzahl verschiedener Meinungen.

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