Ermittlungen Nach Waldbrand und Löscharbeiten: Basteibrücke Rathen wieder begehbar

Unterhalb der Bastei in der Sächsischen Schweiz war in der Nacht zum Montag ein Feuer ausgebrochen. Inzwischen ist der Brand gelöscht, die Ermittler gehen von Brandstiftung aus und suchen Zeugen. Das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz ist auch wieder betretbar. Der Waldbrand hat Konsequenzen für alle im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Eine Felsformation mit Bäumen umgeben von dichtem Rauch
Der Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz nahe der Basteibrücke ist gelöscht. Der Brandgeruch hängt aber noch in der Luft. Bildrechte: Daniel Förster

Nach dem Waldbrand zu Wochenbeginn ist die Bastei in Rathen als Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz wieder erreichbar. "Die Basteibrücke ist frei zugänglich und die Feuerwehren abgerückt", sagte der Sprecher der Nationalparkverwaltung, Hanspeter Mayer, der Nachrichtenagentur dpa. Der Regen am Donnerstag habe nur wenig zur Entspannung der Situation beigetragen. "Der Brandgeruch ist nach wie vor deutlich auf der Bastei zu riechen. Die Nationalparkwacht kontrolliert die Fläche nach wie vor in enger Taktung."

Landkreis erlässt nächtliches Betretungsverbot für Wälder

Seit Donnerstagmittag hätten Feuerwehrleute keine Glutnester mehr gefunden. Aus Sorge vor einem Wiederaufflammen von Waldbränden hatte das Landratsamt in Pirna eine Waldsperrung für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erlassen. Seit Mittwoch sind nachts die Wälder zwischen 21 Uhr und 6 Uhr gesperrt, am Tag ist ein Verlassen der Waldwege untersagt. Der Landrat Michael Geisler (CDU) appellierte an die Vernunft aller, die Regeln einzuhalten und vorsichtig zu sein.

Zeugensuche und Hinweise auf dänisches Auto

Nach dem Brand unterhalb der berühmten Bastei in der Sächsischen Schweiz sucht die Polizei nach Zeugen. Im Zuge der Ermittlungen geht die Polizei nun Hinweisen nach, dass die Insassen eines weinroten Mercedes Sprinter mit dänischem Kennzeichen mit dem Brand in Verbindung stehen könnten. Dabei bittet sie die Öffentlichkeit um Mithilfe.

Die Polizei fragt: Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit dem Brand gemacht? Wer hat den weinroten Mercedes Sprinter mit dänischem Kennzeichen im Bereich der Bastei beziehungsweise im Gebiet des Elbsandsteingebirges beobachtet?

  • Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter Tel.: 0351-4 83 22 33 entgegen. 

Zuvor suchte die Polizei nach einer Gruppe von jungen Männern, die wenige Stunden vor Ausbruch des Feuers an der Bastei Shisha-Wasserpfeifen geraucht haben sollen. "Uns liegt ein entsprechendes Foto der Gruppe von Sonntag späten Nachmittag vor. Wir wollen von den Männern wissen, ob sie etwas beobachtete haben und wie lange sie dort waren", erläuterte ein Sprecher der Polizeidirektion Dresden.

Waldbrand am Dienstag gelöscht

Der Waldbrand nahe der Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz war am Dienstag gelöscht worden. Das Feuer war in der Nacht zum Montag ausgebrochen und hatte sich auf einer Fläche von etwa 2500 Quadratmetern ausgebreitet.

Etwa 115 Einsatzkräfte aus 13 umliegenden Ortsfeuerwehren waren laut Landratsamt mit den Löscharbeiten beschäftigt. Die Freiwillige Feuerwehr Rathen war am Dienstagmorgen nochmals zu Kontrollen an der Brandstelle. Die Feuerwehrleute waren nach eigenen Angaben zuvor 19 Stunden im Einsatz. Ein Sprecher des Landratsamtes in Pirna sagte am Dienstagvormittag, mit einer Brandwache soll ein mögliches Wiederaufflammen des Waldbrandes verhindert werden. Es sei möglich, dass im Erdreich noch Glutnester unentdeckt sind.

Löscharbeiten in extrem schwierigen Gelände - Höhenretter im Einsatz

Zum Einsatz sagte Kreisbrandmeister Karsten Neumann MDR SACHSEN: "Wir haben die Ausbreitung eindämmen können." Die Löscharbeiten erfolgten an einem extrem steilen Geländebereich mit einem Höhenunterschied von circa 190 Metern - sowohl von der Bastei aus als auch von der Elbseite.

Bildergalerie Feuer wütet an Naturdenkmal

Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
2.500 Quadratmeter Wald stehen unterhalb der Basteibrücke in Flammen und tauchen die Felsen des Elbsandseingebirges in gespenstisches Licht. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
2.500 Quadratmeter Wald stehen unterhalb der Basteibrücke in Flammen und tauchen die Felsen des Elbsandseingebirges in gespenstisches Licht. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
Das Feuer hat sich tief in den Boden gefressen - und kann immer wieder aufflammen. Mindestens bis Dienstag bleiben deshalb Brandwachen an der Bastei. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
Am Vormittag sind die Flammen aus, aber es raucht noch immer. Mehr als 100 Feuerwehrleute sind im Einsatz. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
Sie legen Schläuche von der Basteibrücke oben und von der Elbe unten, um Löschwasser in den unwegsamen Steilhang zu bekommen. Hier im Einsatz: Ein Höhenretter, der die Feuerwehr auf dem schwierigen Gelände unterstützt. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
Schnell muss in der Nacht zum Montag Wasser her. Lange Schläuche kommen zum Einsatz. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
Der beliebte Wanderweg über die Bastei war am Montag wegen der Löscharbeiten gesperrt, Dienstag soll er wieder nutzbar sein. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Brand an der Bastei in der Sächsischen Schweiz.
War es eine fahrlässige oder gar mutwillige Brandstiftung? Die Polizei ermittelt. Das Feuer ist in der Nacht ausgebrochen, für die Brandexperten vor Ort ein klarer Hinweis darauf, dass es Brandstiftung ist. Bildrechte: MDR/Marko Förster
Alle (7) Bilder anzeigen

Um den Feuerwehren zur Seite zu stehen, waren Höhenretter aus Heidenau mit vor Ort. Sie sicherten die Männer und Frauen der Feuerwehr mit Seilen und löschten von schmalen Felsvorsprüngen auch selbst. Höhenretter Roland Söhnel sagte MDR SACHSEN: "Also für den normalen Feuerwehrmann ohne besondere Ausbildung ist diese Einsatzstelle nicht beherrschbar."

Wir haben die Problematik, dass Steine von oben runterkommen, Wurzeln, teilweise Bäume. Es ist ein massiver Steilhang. Also zum Teil muss man wirklich auf allen Vieren nach oben krabbeln, weil es so steil ist, dass man sich mit Händen und Füßen festkrallen muss. Für mich persönlich ist das der Waldbrand mit dem schwersten Gelände. Also, das habe ich so noch nicht erlebt.

Kai Bigge Stadtwehrleiter Bad Schandau

Ein Informationssystem der Nasa gibt einen Überblick über aktuelle Brände und über Feuer in den zurückliegenden Stunden.

Grüne fordern Zugangsbeschränkungen bei Waldbrand

Nach dem Brand an der Bastei haben die Grünen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mehr Schutzmaßnahmen gefordert. Der unachtsame Umgang einiger weniger werde immer mehr zur Gefahr, sagte Nino Haustein, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Kreisverband. Er kritisierte das fahrlässige Entzünden von Bränden durch weggeworfene Zigaretten oder Lagerfeuern. "Es ist daher sinnvoll, den Zugang zum Nationalpark bei hohen Waldbrandstufen und absehbaren Hitzeperioden einzuschränken", so der Kommunalpolitiker.

Ursache des Feuers und Schäden an Bäumen noch unklar

Wie das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mitteilte, sind vom Waldbrand etwa 2.500 Quadratmeter betroffen. Die Wasserversorgung erfolgte aus der Elbe und mit sogenanntem Tankerumlauf von der Bastei aus. Dazu wurde Löschwasser mit Tankfahrzeugen auf den Berg gebracht. Die Basteibrücke sowie die Felsenburg Neurathen waren gesperrt worden. Das Feuer habe die Bodenvegetation weitgehend vernichtet, sagte ein Sprecher des Nationalparks Sächsische Schweiz. Der Mischwald aus alten Kiefern, Buchen und Birken sei beschädigt. Ob zumindest die älteren Bäume vom Feuer verschont wurden, werde sich erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

Nach Angaben eines Polizeisprechers seien zwei Menschen bei dem Einsatz verletzt worden. Brandursachenermittler haben ihre Arbeit aufgenommen.

Das Feuer war in der Nacht zum Montag ausgebrochen. Für Kai Brigge, Einsatzleiter der Feuerwehr, ist das ein klarer Hinweis auf fahrlässige Brandstiftung: "Für mich sieht das tatsächlich so aus, als ob jemand auf der Basteibrücke gestanden und von oben eine Kippe runtergeschmissen hat. Aber das wird sich zeigen, was die Untersuchungen ergeben."

Einsatzkräfte in der Sächsischen Schweiz seilen sich an Bäumen ab, um einen Brand zu löschen.
Für die Feuerwehr ist es ein anspruchsvoller Einsatz in abschüssigem Gelände. Bildrechte: Landratsamt/Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Bußgelder wegen illegaler Feuer verhängt

Um genau solche Vorfälle zu verhindern, gab es am Wochenende Kontrollen im Nationalpark Sächsische Schweiz. Polizeibeamte und Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung waren gemeinsam auf der Suche nach illegalen Feuerstellen unterwegs. Im Nationalpark hat es in den vergangenen Jahren immer wieder gebrannt - auch ausgelöst von Feuerstellen. So beispielsweise im Jahr 2018 ingesamt 17 Mal.


Bei den Kontrollen wurden laut Polizei drei Männer ertappt, wie sie an einer illegalen Feuerstelle saßen. Eine weitere Gruppe war gerade dabei, ein Feuer vorzubereiten. Sie müssen nun Bußgelder zahlen. Das Entzünden von Feuern ist im gesamten Nationalpark ganzjährig verboten. Hinweisschilder weisen eindeutig auf die Regeln hin.

Landrat fordert sachsenweiten "Waldbrandvorsorgeplan"

Landrat Michael Geisler (CDU) forderte indes einen "sachsenweiten Waldbrandvorsorgeplan". Nur so könne dafür gesorgt werden, dass die teilweise sechsstelligen Kosten eines Waldbrandeinsatzes die Brandbekämpfungsfähigkeit einer Kommune nicht einschränke, sagte der Politiker.

MDR (lam/st)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus Dresden | 20. Juli 2022 | 10:30 Uhr

Mehr aus Freital und Pirna

Mehr aus Sachsen