Tourismus und Natur Sächsische Schweiz: Hilfe im Kampf gegen Borkenkäfer gesucht

Die Sächsische Schweiz hat ein Borkenkäfer-Problem. Politiker und Verbände in der Region sind besorgt: Tote Bäume, versperrte Strecken und gesperrte Wanderwege schadeten nicht nur der Natur, auch der Tourismus sei durch den aktuellen Zustand des Nationalparks gefährdet. Akteure aus der Sächsischen Schweiz haben sich deshalb an die Landesregierung gewandt.

Schrammsteinaussicht im Elbsandsteingebirge
Der Borkenkäferbefall in der Sächsischen Schweiz ist nicht mehr zu übersehen. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Wer in der Sächsischen Schweiz wandert, dem fällt vor allem eines auf: Statt des satten Grüns an den Berghängen im Nationalpark ist es an vielen Stellen braun oder sogar kahl geworden. Schuld daran ist vor allem der Borkenkäfer, der die Region fest im Griff hat, meint Landrat Michael Geisler "Wenn der Baum braun ist, dann brauchen wir über die Borkenkäferbekämpfung nicht mehr zu reden. Dem Borkenkäfer kann man nur entgegentreten, indem man versucht, befallene Bäume so schnell wie möglich herauszuholen. Und zwar dann, wenn sie noch grün sind." Den Zeitpunkt habe man wohl schon lange überschritten, meint der Kreispolitiker. "Chemie würde helfen - aber das verbietet sich natürlich im Nationalpark."

Tote Bäume im Schrammsteingebiet in der Sächsischen Schweiz
Tote Bäume im Schrammsteingebiet in der Sächsischen Schweiz. Bildrechte: IMAGO / Sylvio Dittrich

Eine schwierige Situation für die Region Sächsische Schweiz, die auch über die Grenzen Sachsens hinaus als Touristenmagnet gilt. In der Corona-Pandemie hatten viele Menschen ihre Wanderlust entdeckt - doch die Sächsische Schweiz kann davon nur bedingt profitieren. Im Nationalpark sind einige Wege unpassierbar. Laut Staatsbetrieb Sachsenforst sind viele Fichten abgestorben und drohen umzustürzen. Schilder oder Absperrungen wiesen auf die Gefahren hin.

Hälfte des Wandernetzes könnte wegfallen

"Derzeit sind 50 bis 60 Kilometer Wanderwege durch gefallene Bäume unbegehbar geworden", erklärt Landrat Geisler und bedauert diesen Zustand. Aber: "Viel mehr Sorge bereitet uns, dass wir am Anfang eines Prozesses stehen." Experten gingen davon aus, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre bis zu 200 Kilometer Wege betroffen sein könnten. Das wäre rund die Hälfte der Wanderstrecke in der Sächsischen Schweiz.

Das ist aus touristischer wie auch aus wirtschaftlicher Sicht ein Umstand, den wir so auf keinen Fall haben wollen.

Michael Geisler Landrat Sächsische Schweiz-Osterzgebirge

Arbeitsgruppe soll Lösung suchen

Um das drohende Unheil in den Griff zu bekommen hat sich die sogenannte Arbeitsgruppe Wege zusammengesetzt. "Die besteht seit Jahrzehnten. In diesem Jahr ist sie nach langer Zeit erstmalig wieder einberufen worden vonseiten der Nationalparkverwaltung", erklärt Geisler. In dieser Arbeitsgruppe sei bereits vom sächsischen Bergsteigerbund ein Stufenplan vorgelegt worden, wie man der Situation Herr werden könnte. Doch über die Umsetzung herrscht Uneinigkeit. "Nicht alle sind sich darüber einig, wann was zu tun wäre", meint der Landrat.

Vorwurf: Nationalparkverwaltung bummelt

Im Kern gibt es dem Landratsamt zufolge zwei Probleme: Zum einen seien die Kosten für die Beräumung der Wege und die nötigen Maßnahmen gegen den Borkenkäfer sehr kostspielig. Zum anderen zeigt die Nationalparkverwaltung aus Sicht von Politik, Tourismusbranche und Bergsteigerverband nicht genug Willen, die Wege im Nationalpark schnell wieder für Touristen nutzbar zu machen.

Michael Geisler/CDU-Landratskandidat Sächsische schweiz-Osterzgebirge
Landrat Michael Geisler will Klarheit über den Konsens zum Verhältnis von Natur und Mensch im Nationalpark Sächsische Schweiz. Bildrechte: Daniel Förster

"Jahrzehntelang herrschte Konsens über das Verhältnis Natur und Mensch. Das heißt, auf der einen Seite gibt es den Schutzgedanken. Auf der anderen Seite wollen wir den Nationalpark den Menschen zugänglich machen, um ihnen zu zeigen, wie Nationalpark funktioniert und um ihnen die Idee näher zu bringen", erklärt Geisler. Das sei in den 1990er-Jahren Konsens zwischen Nationalparkverwaltung, Bergsteigerbund und den Kommunen gewesen. "Seit einigen Monaten ist der Eindruck entstanden, dass dieser Konsens möglicherweise nicht mehr in der Form gelebt wird."

Hilferuf an Ministerpräsident Kretschmer

Um beide Probleme in den Griff zu bekommen, haben sich Landrat Geisler, Bürgermeister der Gemeinden um den Nationalpark, der Tourismusverband Sächsische Schweiz und der Sächsische Bergsteigerverband an die Landesregierung gewandt. Vor rund drei Wochen hatten sie Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) in die Region eingeladen, um ihn von der Dringlichkeit zu überzeugen. Mithilfe von Landesgeldern, so hoffen die Beteiligten, könnten zumindest die Wege bald wieder begehbar sein.

Geldgeber und Vermittler gesucht

Inzwischen ist klar, der Regierungschef kommt nächste Woche. Mit so einem frühen Termin hatte Landrat Geisler persönlich nicht gerechnet: "Diese frühe Terminsetzung ist auf Initiative des Ministerpräsidenten gekommen. Anhand seines Terminplans kann ich mir vorstellen, dass er sicherlich Veränderungen vorgenommen hat. Das freut mich, weil wir so schnell wie möglich zu Ergebnissen kommen müssen." Kretschmer, so der Plan, wolle mit beiden Seiten reden und Lösungen suchen. Eine könnte finanzieller Natur sein: Das Landwirtschaftsministerium hatte im Juni 2020 angekündigt, mehr als 50 Millionen Euro für Sachsens Wälder zur Verfügung zu stellen - auch um die Borkenkäfer-Schäden zu beseitigen.

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