Russland Geknüpft in Dresden: Putin und seine Geheimdienst-Seilschaften

Wladimir Putin war als KGB-Offizier mehrere Jahre in Dresden. Diese Zeit hat ihn politisch geprägt und der heutige Chef des Kremls hat bereits damals Verbindungen geknüpft, die bis heute wichtig sind.

Wladimir Putin 6 min
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In einer kleinen Plattenbau-Wohnung hat Wladimir Putin gewohnt. Der damals 33-jährige KGB-Offizier ist Ende 1985 nach Dresden versetzt worden und hat mit seiner Familie in der Radeberger Straße gewohnt. Von dort waren es nur etwa zehn Fuß-Minuten bis zu seiner Arbeitsstelle in der Residentur des KGB.

Die Villa war bis zur Jahrtausendwende verwahrlost und grau. Nachdem der Geheimdienst 1990 abgezogen ist, hat sich zunächst niemand um das Gebäude gekümmert. Im Keller des Hauses existierte noch lange die alte Telefonabhöranlage mit russischer Beschriftung.

"Neben der Residentur in Berlin-Karlshorst gab es in jeder Bezirksstadt in der DDR eine sogenannte KGB Residentur", erklärt die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Nancy Aris. Das habe Westdeutschland gegolten. In Dresden sei das Ziel gewesen, Studenten an der TU Dresden ausfindig zu machen, die etwa in die Bundesrepublik gegangen sind und diese für einen geheimen Einsatz zu rekrutieren.

In der KGB-Residentur in Dresden war Generalmajor Wladimir Schirokow der Chef und er berichtete, wie er westliche Geheimdienste mit Agenten infiltriert hatte: "Gegen die Spezialdienste von Deutschland, USA, Frankreich und England gearbeitet", sagte er 2006. So wollten sie herausfinden, was die anderen gegen die Sowjetunion geplant hätten. "Diese Aufgaben haben wir manchmal richtig erfüllt", sagt der Generalmajor und setzt ein schelmisches Lächeln auf.

Die Aufgaben und Arbeit von Putin in Dresden

Ein Pass mit dem Bild des jungen Wladimir Putin.
Über die Arbeit von Wladimir Putin in Dresden sind nur wenige Dokumente erhalten. Bildrechte: BStU

Über die Arbeit von Wladimir Putin in Dresden sind nur wenige Dokumente erhalten. So hat Putin etwa einmal den Dresdner Stasichef, Generalmajor Horst Böhm, um Hilfe gebeten, weil einem seiner Agenten der Telefonanschluss abgeklemmt worden war. MDR exakt zeigt diese Unterlage der Historikerin Nancy Aris: "Also, das ist schon ein interessantes Dokument, weil daraus ganz eindeutig hervorgeht, dass Wladimir Putin auch inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Staatssicherheit auch geführt hat." Dies bedeute, dass Putin tatsächlich in der operativen Arbeit tätig gewesen sei und nicht nur eine Repräsentationsfunktion hatte.

Einen engen dienstlichen Kontakt zu Putin hatte der inzwischen verstorbene Dresdner Leiter der Spionageabwehr. Günter Wenzel hatte die Aufgabe von Putin in einem Interview so beschrieben: "Für mich als Geheimdienstoffizier war klar, welchen Inhalt deren Arbeit ausmacht. Die waren für die Aufklärung der Gegenspieler verantwortlich, im Operationsgebiet, sprich Bundesrepublik Deutschland."

Die Seilschaften aus Dresden bis in den Kreml

Auch der heutige Chef des staatlichen Konzerns Transneft, Nikolai Tokarew, diente dem KGB in Dresden.
Auch der heutige Chef des staatlichen Konzerns Transneft, Nikolai Tokarew, diente dem KGB in Dresden. Bildrechte: MDR exakt

Die KGB-Außenstelle in Dresden war eher klein: Etwa 16 Offiziere arbeiteten dort, wie aus der Telefonliste hervorgeht. Doch drei bildeten eine Seilschaft, die sie später mutmaßlich zu Milliardären machte. Allen voran natürlich Wladimir Putin, der inzwischen seit langer Zeit Herrscher im Kreml ist. Ebenfalls damals mit in Dresden war Sergej Tschemesow. Er ist heute in Russland unter Putin Chef des staatlichen Rüstungskonzerns Rostec. Vor einer Woche beschlagnahmten die spanischen Behörden in Barcelona Tschemesows 130 Millionen Euro teure Yacht.

Auch der heutige Chef des staatlichen Konzerns Transneft, Nikolai Tokarew, diente dem KGB in Dresden. Das heißt auch, in Dresden saßen damals hochintelligente und bestens geschulte Agenten. "Das haben die natürlich auch als Geheimdienstagenten gelernt", sagt Historikerin Nancy Aris. "Wie man mit anderen Menschen umgeht, wie man andere Menschen, sagen wir, positiv heranführt, aber auch einschüchtert, Angst ausübt. Also das Spiel mit Macht in allen Facetten."  Diese Seilschaften – vor 35 Jahren geknüpft – erschüttern heute die moderne Welt.

Quelle: MDR Investigativ/ mpö

Dieses Thema im Programm: Das Erste | FAKT | 22. März 2022 | 21:45 Uhr

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