"Weiße Löcher" In Dresden wird das Glasfasernetz ausgebaut

Noch immer gibt es Orte in Deutschland, in denen kein schnelles oder überhaupt kein Internet ankommt. Die Stadt Dresden lässt die sogenannten Weißen Löcher jetzt durch Vodafone schließen. Dabei wird eine ganz besondere Technik genutzt.

Verlegung von Glasfaserkabel
In Dresden wird das Glasfasernetz bis in die sogenannten "weißen Löcher" ausgebaut. Bildrechte: Michael Voß

Es sind zwei autogroße Maschinen, die hier auf der Landstraße über eine der beiden Fahrbahnen langsam hintereinander rollen. Der Autoverkehr wird wechselweise auf der Gegenfahrbahn vorbeigeleitet. "Die fahrbaren Baumaschinen machen jede Menge Lärm, doch das stört kaum jemanden", sagt Marc Bartholemy aus dem Dresdner Rathaus. "Denn hier kommt der Glasfaseranschluss für drei Häuser, die bisher zu den Weißen Löchern gehörten, in denen es kein schnelles Internet gab."

Bartholemy ist zuständig dafür, dass auch diese entlegenen dörflichen Stadtteile angeschlossen werden. Er fasst in einem Satz zusammen, was für die Anwohner nun der entscheidende Unterschied sein wird, nämlich: "Dass, wenn sie ihr Internet anschalten, und früher auf den Kupferleitungen, wenn der Nachbar sein Internet auch schon hatte, sie den Film nicht mehr gucken konnten, und sie jetzt rund um die Uhr dann die Bandbreite haben, die sie gebucht haben bei ihrem Vertragspartner und die sie letztendlich auch benötigen."

Neue Verlege-Technik beschleunigt Bauarbeiten

Der dafür notwendige Wechsel von Kupfer- auf Glasfaserkabel sorgt normalerweise für wochenlange Baustellen, bei denen Straßen komplett aufgerissen werden müssen, um dann tief unter der Straße Rohre mit Kabeln zu verlegen.

In Dresden dagegen wird eine Verlege-Technik genutzt, die schneller und weniger kompliziert ist. Alois Pichler ist Mitentwickler dieser Technik, die sich Nano-Trench nennt. "Durchschnittlich bauen wir 600 Meter pro Tag. Es ist so, dass in diesem Bereich die Straße nach drei, vier Stunden wieder befahrbar ist. Eine kurze halbseitige Sperre und dann letztendlich die Straße nach ein paar Stunden wieder freigeben zu können, das hat schon einen sehr großen Vorteil."

Sein Unternehmen, die Glasfaser Verlegungsgesellschaft, kommt aus Österreich. So wie auch die Mitarbeiter, die auf der Straße die beiden Maschinen bedienen. Die erste Maschine schleift einen Spalt in die Straßenoberfläche: wenige Zentimeter tief und breit. Wichtig sei, den Asphaltteil der Straße nicht zu verlassen, sagt Alois Pichler: "Dass man nicht den darunterliegenden Straßenaufbau, den hochverdichteten Straßenaufbau auflockert, dass da keine Hohlräume entstehen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Dass die Straße auch verkehrssicher bleibt und dass sie nicht geschädigt wird."

Kritik an Nano Trench

Mit auf der Baustelle ist auch Gerd von Osten, der regionale Technikleiter von Vodafone und Auftraggeber für die österreichische Firma. Er kennt die Kritik an dem neuen Verfahren, an Nano Trench. "Man sträubt sich dagegen, dass man hier eine verhältnismäßig frisch hergestellte Straße wieder öffnet, das verursacht vielleicht etwas Unbehagen. Ein Tiefbau aber, mit vielleicht mit 60 oder 80 Zentimeter Tiefe, ist ja auch nicht weniger invasiv." Außerdem sei alles für die Anwohner weniger störend.

Einige Meter weiter wird zwischen den beiden Maschinen der österreichischen Firma ein biegsames Leerrohr in den Schlitz auf der Straße eingelassen. Hier können dann später die Glasfaserkabel an entsprechenden Zuleitungsöffnungen eingeführt werden. Der Schlitz selbst wird durch ein Kunstharzgemisch, welches in der zweiten Maschine produziert und von dort in den Schlitz gepresst wird, verschlossen. Dabei bildet dieser Deckel eine Einheit mit dem Straßenbelag, wie Alois Pichler, der Mitentwickler von Nano Trench erläutert. "Das Epoxidharz wird in der Viskosität angeglichen an den Asphalt. Der Asphalt bewegt sich ja grundsätzlich. Sie sehen, im Sommer ist er weicher, im Winter ist er kälter. Und von dem her musst das einfach angepasst werden."

Auf der Straße bleibt nur noch ein langer, farblich vom Asphalt abgesetzter Streifen zurück. Am Abend können die Autos die Fahrbahn wieder in voller Breite nutzen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. Juli 2021 | 12:35 Uhr

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