Zukunftsmusik Alter Militärflugplatz Großenhain soll Industriestandort werden

Der frühere Militärflugplatz nördlich von Großenhain soll künftig Industriestandort werden. Darüber haben sich am Freitag Vertreter des Freistaats Sachsen, des Landkreises Meißen und der Stadt Großenhain verständigt und eine Absichtserklärung unterzeichnet – ein wichtiger Schritt, für künftige Investitionen und Ansiedlungsentscheidungen, sagte Staatskanzleicheff Oliver Schenk.

Flugplatz Großenhain
Der ehemalige Militärflugplatz bei Großenhain soll künftig Industriestandort werden. Konkrete Investoren gibt es jedoch noch nicht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auf dem Areal des ehemaligen Militärflugplatzes bei Großenhain sollen 145 Hektar bebaubare Industriefläche entstehen. Damit handelt es sich laut Staatskanzleichef Oliver Schenk um eine der größten zusammenhängenden Ansiedlungsflächen in Ostdeutschland mit großer wirtschaftspolitischer Bedeutung. Eigentümer der Fläche ist das Land Sachsen. In den vergangenen Jahren wurde das Gebiet für rund 35 Millionen Euro von Altlasten beräumt.

Stadtrat muss Bebauungsplan zustimmen

Zunächst hat aber der Großenhainer Stadtrat ein Wörtchen mitzureden: Am kommenden Mittwoch soll dort über den Bebauungsplan für das Areal abgestimmt werden.

Erste Ideen bereits vor zehn Jahren

Bereits vor rund zehn Jahren gab es erste Ideen den Großenhainer Flugplatz zu einem Industriestandort weiterzuentwickeln. Heute ist dort immer noch keinerlei Industrie zu finden. Doch mit der Absichtserklärung, die am Freitag in der sächsischen Staatskanzlei unterzeichnet wurde, ist nun ein Schritt getan. Der Freistaat hat erklärt, die Stadt Großenhain in Zukunft dabei zu unterstützen, die nötige Infrastruktur nachzurüsten. Einen Investor oder ein konkretes Vorhaben gibt es jedoch noch nicht.

Flugplatz Großenhain Industriegelände
Noch ist es Zukunftsmusik: Auf dem Gelände des über 100 Jahre alte Flugplatzes nördlich von Großenhain soll sich eines Tages Industrie ansiedeln. Die Postkartenansicht von 1917 zeigt die "Husarenkaserne" und den Flugplatz Großenhain mit Fliegerkaserne. (Archiv) Bildrechte: IMAGO / Artokoloro

Investitionen und Ansiedlungsentscheidungen in der Vergangenheit haben gezeigt, wie wichtig es ist, Flächenvorsorge auch für Großvorhaben zu treffen.

Oliver Schenk (CDU) Sächsische Staatskanzlei

Staatskanzleichef Schenk betonte die Bedeutung von sogenannter Flächenvorsorge. Wenn man solche Flächen besitze und grundlegende Vorarbeiten bereits erledigt seien, könnten Investoren schnell loslegen, zeigte er sich am Freitag zuversichtlich.

Große Hoffnungen für die Region

Für Großenhains Oberbürgermeister Sven Mißbach (parteilos) hätte die geplante Umnutzung große Vorteile für die Region "Der Flugplatz wird heute noch von Hobbyfliegern genutzt. Wir wissen aber, dass diese Hobbyfliegerei nicht die Riesenzukunft hat, sondern diese Fläche mehr Potenzial hat. Sie wird für den gesamten ländlichen Raum eine riesige Auswirkung haben."

Auch der Landrat des Landkreises Meißen, Ralf Hänsel (CDU), erwartet sich positive Ausstrahlungseffekte von der Entwicklung des Industriegebietes im Großenhainer Norden: "Die mit Sicherheit notwendigen und zu unterstützenden Investitionen in die Infrastruktur zur Gewinnung der Fachkräfte – sei es in Verkehr, Bildung oder Gesundheitswesen – sollten über die Region Großenhain hinaus wirken."

Flugplatz Großenhain Industrie
Werden die Umnutzungspläne umgesetzt, werden in Großenhain bald keine Flieger mehr starten und landen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Teile des Flugplatzes bleiben erhalten

Ganz verschwinden wird der ehemalige Militärflugplatz übrigens nicht. Einige Flugzeughallen sowie ein Fliegerdenkmal bleiben stehen. Hobbyflieger, die den Flugplatz zur Zeit noch nutzen, werden dann allerdings nicht mehr in Großenhain starten und landen können.


Hintergrund: Flugplatz war Sperrzone Fast 90 Jahre lang war der Flugplatz Großenhain bei Dresden eine militärische Sperrzone. Im deutschen Kaiserreich, während der NS-Zeit und in der DDR hieß es hier: "Zutritt streng verboten. Von der Schusswaffe wird Gebrauch gemacht".

Im Frühjahr 1914 hoben in Großenhain die ersten Maschinen ab. Von Anfang an starteten Militärflieger auf dem streng bewachten Areal. Bereits während des ersten Weltkrieges wurden hier Jadgpiloten ausgebildet sowie "Beobachter", die zu bombardierende Gebiete fotografieren sollten. In den ersten sechs Jahren des Bestehens starben hier allerdings 90 der jungen Flugschüler. MDR-Reihe "Historische Orte und Ereignisse in Mitteldeutschland"

MDR (kav/cst), dpa

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | MDR SACHSEN | 09. Dezember 2022 | 15:30 Uhr

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