Röderautal-Zabeltitz Nabu klagt gegen Waldwegausbau in Großenhainer Pflege

Ein 2019 im Landkreis Meißen verlegtes Glasfaserkabel sorgt für Ärger. Denn gleichzeitig dazu wurde ein Waldweg ausgebaut, der durch das Naturschutzgebiet bei Zabeltitz führt. Die Sache geht nun vor das Dresdner Verwaltungsgericht.

Ein neu gebauter Weg durch einen Wald.
Zu hoch aufgeschüttet und kein passendes Material - sagt der Nabu und hat Klage eingereicht. Bildrechte: Renate Wilhelms

Der Landesverband Sachsen des Naturschutzbundes (Nabu) hat Klage gegen den Ausbau eines Waldweges im Zabeltitzer Naturschutzgebiet durch den Landkreis Meißen eingereicht. Er sieht die wertvolle Auenlandschaft gefährdet.

Nabu: Störung für das Ökosystem

Auf 74 Seiten begründen die Naturschützer ihre Klage vor dem Dresdner Verwaltungsgericht. Darin heißt es unter anderem: "Die gerade für den Auwald lebensnotwendigen Überschwemmungen werden durch den Wegeausbau und die Höherlegung unterbunden."

Doch nicht nur daran stören sich die Naturschützer. Ein vom Nabu eingereichtes Gutachten weist auf dauerhaft nachteilige Folgen hin: Der Waldweg sei mit "völlig standortfremden Materialien" verbaut worden. Demnach besteht der rund 40 Zentimeter hohe Wall aus einer Schottertragschicht mit Grauwacke einer Porphyrsplittschicht. Diese Bestandteile könnten im Gebiet mit den häufig erhöhten Wassersständen zu Auswaschungen führen und damit beispielsweise Giftstoffe einschwemmen, befürchtet der Nabu.

Bei "Röderauwald Zabeltitz" handelt es sich um eine überregional bedeutsame Auenlandschaft mit naturnahen Fließgewässerabschnitten, Erleneschenwäldern und Weichholzauenwäldern, Eichen-Hainbuchenwäldern und Grünlandbereichen verschiedener Feuchtegrade. Die Einbeziehung von Naturschutzvereinigungen sei beim Bauprojekt komplett ausgeblieben.

Ein Waldstückt mit einem Fluss.
Der Auwalt sei bereits durch den Klimawandel strapaziert, so die Naturschützer. Bildrechte: MDR/Diana Köhler

Unter Zeitdruck gebaut

Der "Sächsischen Zeitung" sagte Volker Wilhelms, der Chef des Nabu-Regionalverbandes Großenhainer Pflege: "Man kann nicht einfach hunderte Tonnen Schotter in einen Auwald karren und erwarten, dass das keine negativen Auswirkungen hat." Ob ein kompletter Rückbau des Weges oder bauliche Anpassungen das Ziel der Klage sind, lässt Nabu offen. Auftraggeber des Baus ist der Landkreis Meißen. Er wollte sich mit Blick auf das laufende Verfahren auf eine MDR SACHSEN-Anfrage nicht äußern.

Der Landkreis Meißen hatte den Energieversorger Enso 2019 mit dem Bau des Glasfaserkabels beauftragt. Laut "Sächsischer Zeitung" machte die Enso den engen Zeitrahmen verantwortlich, in dem Fördermittel für den Breitbandausbau ausgezahlt werden. Man habe das Kabel ursprünglich über Görzig ziehen wollen, hieß es. Aber es sei unmöglich gewesen, alle dafür erforderlichen Genehmigungen in der zur Verfügung stehenden Zeit zu bekommen, zitiert die "Sächsische Zeitung" Enso.

In aller Kürze: Was ist passiert? Die Landkreisverwaltung Meißen ließ im Frühjahr 2019 bei Großenhain ein Breitbandkabel verlegen. Der bestehende kleine Waldweg im Naturschutzgebiet Röderauwald Zabeltitz wurde in gleichem Zuge ausgebaut. Dabei wurden laut Nabu 30-40 Zentimeter Materialien aufgeschüttet, die nicht in den Wald gehören. Die Schotterschicht bestehe aus Grauwacke, die mir einer Porphyrspilttschicht verdichten worden sei. Im März 2021 reichte Nabu Klage ein beim Verwaltungsgericht Dresden. Anfang Juni legten die Naturschützer eine Klagebegründung beim Gericht vor.

Quelle: MDR/pm/sz/st

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