Arbeitskampf Streik bei Teigwaren in Riesa beendet - Lohnforderungen bleiben

Nach dem Ende des stundenlangen Streiks bei der Riesaer Teigwaren GmbH zieht der Betriebsratschef am Mittwoch Bilanz. Bisher gebe es noch kein konkretes Angebot der Arbeitgeberseite aus Baden-Württemberg. Allerdings wolle man weiter verhandeln.

Außenansicht mit Schriftzug Teigwaren-Fabrik in Riesa
Rund 16 Stunden haben die Beschäftigten der Teigwaren GmbH in Riesa gestreikt. (Archivbild) Bildrechte: imago images/Hanke

Der 16 Stunden lange Streik bei den Teigwaren Riesa hat zu einem Produktionsausfall von rund 80 Tonnen Nudeln geführt. Das sagte Betriebsratschef Frank Meyer MDR SACHSEN am Mittwoch. Mit dem Warnstreik von Dienstagnachmittag bis Mittwochmorgen hätten die rund 150 Mitarbeitende ihrer Forderung nach einer schnellen Lohnerhöhung Nachdruck verliehen, so Meyer. Allerdings habe es noch keine Zeichen von der Arbeitgeberseite gegeben, die neuen Schwung in die Verhandlungen brächten. Seit 1993 ist die Fabrik in Riesa eine Tochter der Alb-Gold Teigwaren GmbH mit Sitz in Trochtelfingen/Baden-Württemberg.

Angleichung an westdeutsches Lohnniveau gefordert

"Wir haben am 1. und am 12. Juli jeweils eine Verhandlungsrunde gehabt. Und in beiden Verhandlungsrunden war das Angebot des Arbeitsgebers: 'Null Prozent - vorerst und eventuell verhandeln wir Anfang nächsten Jahres weiter, je nachdem, wie die Lage sich dann darstellt", sagte Meyer. Der Betriebsrat verlangt hingegen eine stufenweise Angleichung an das Lohnniveau West. Nach Angaben von Frank Meyer verdienen die Beschäftigten der Teigwaren Riesa im Monat durchschnittlich über 650 Euro brutto weniger als ihre Kollegen in Westdeutschland.

Die Marketingmanagerin der Teigwaren Riesa GmbH, Laura Kny, kontrolliert im Produktionsbereich am Auslauf eines Schüttelvortrockners die Qualität von Spirellis.
Der Streik habe zu einem Produktionsausfall von rund 80 Tonnen Nudeln geführt, so der Betriebsrat. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Geschäftsführung kann Forderungen nicht erfüllen

Der Geschäftsführer der Teigwaren Riesa GmbH, Mike Hennig, sagte, man habe in der zweiten Verhandlungsrunde ganz deutlich gemacht, dass die Forderung von der Gewerkschaft, einem Insolvenzantrag der Firma gleichkäme. Eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 788 Euro pro Mitarbeiter im Monat könne man nicht leisten.

"Welches Angebot sollen wir denn dagegenstellen das für Zufriedenheit sorgt?", so Hennig. Man wolle sich in einem halben Jahr noch einmal zusammensetzen. Bis dahin soll es nach Angaben des Geschäftsführers keine tarifliche Erhöhung geben, da die Löhne dieses Jahr schon mal um vier Prozent erhöht worden seien. In einem halben Jahr werde man besser einschätzen können, wie sich die Firma in der Zukunft weiterentwickeln werde.

Gewerkschaft widerspricht

Der Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) für den Bereich Dresden-Chemnitz, Thomas Lißner, widersprach auf MDR SACHSEN-Anfrage der Darstellung des Geschäftsführers. Die Drohung mit einer bevorstehenden Insolvenz bei Angleichung der Löhne sei so nicht haltbar, so Lißner. Die Gewerkschaft habe mehrfach betont, dass man bereit sei, die Lohnerhöhung schrittweise anzugehen, um genau dieses Szenario zu vermeiden. Auch die vierprozentige Lohnerhöhung in diesem Jahr habe so nicht stattgefunden. Die Steigerung der Gehälter sei vielmehr eine Leistung aus einem alten Tarifvertrag, die noch ausgestanden habe.

Quelle: MDR/bj

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 28. Juli 2021 | 11:30 Uhr

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