Tarifkonflikt Riesaer Streik: Die Nudeln in den Supermarktregalen werden bereits knapp

Im Tarifstreit bei den Teigwaren Riesa bleiben die Fronten verhärtet. Während die Gewerkschaft weiterhin einen Schritt in Richtung Ost-West-Angleichung fordert, argumentiert das Unternehmen mit den Preiszwängen des Marktes. Die Löhne liegen derzeit nur knapp über dem Mindestlohn. Um die Streikenden zu unterstützen, schauten am Donnerstag zu einem Solidaritätstag Mitarbeiter von anderen Firmen und Gewerkschafter vorbei. Inzwischen werden in den Supermärkten bereits die Nudeln knapp.

Menschen mit orangefarbenen und gelben Warnwesten stehen in einem Halbkreis herum.
Gewerkschaftssekretär Olaf Klenke (orangefarbene Weste) im Gespräch mit den Streikenden vor den Werkstoren der Teigwaren Riesa. Bildrechte: Tino Plunert für Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

In der zweiten Streikwoche bei den Teigwaren Riesa hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag einen sogenannten Solidaritätstag veranstaltet. "Verschiedene Unterstützer sind vorbeigekommen und haben mit uns das Gespräch gesucht", berichtet der Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Olaf Klenke. So habe man unter anderem Besuch von Mitarbeitern aus dem ortsansässigen Stahlwerk und dem Ölwerk sowie von der IG Metall bekommen. Auch Politiker aus dem Bundestag, wie Dietmar Bartsch von den Linken und Susann Rüthrich von der SPD, waren den Angaben zufolge vor Ort.

Gewerkschaft verweist auf gute Geschäfte während Pandemie

"In anderen Lebensmittelbetrieben hat sich bereits gezeigt, dass Lohnerhöhungen möglich sind. Im Ölwerk von Cargill gibt es beispielsweise für die Mitarbeiter bis Ende 2022 insgesamt 358 Euro mehr Lohn pro Monat und beim Tiefkühlproduzenten Frosta in Lommatzsch sind es im gleichen Zeitraum 395 Euro mehr pro Monat", verweist Klenke auf die Erfolge der NGG und fügt an: "Wir fordern bei den Teigwaren Riesa ebenfalls einen Schritt in diese Richtung. Das Unternehmen hat in der Corona-Krise sehr gut verdient. Jetzt sollen die Mitarbeiter auch etwas davon haben."

Außenansicht mit Schriftzug Teigwaren-Fabrik in Riesa
Blick von außen auf die Riesaer Teigwarenfabrik. Bildrechte: imago images/Hanke

Lohnlücke zu Westdeutschland von 788 Euro

Die Gewerkschaft benennt beim Vergleich mit westdeutschen Nudelanbietern, wie zum Beispiel der Firma Birkel aus Mannheim, eine monatliche Lohnlücke von 788 Euro brutto. Manche verweisen auch auf das Mutterwerk der Riesaer Teigwaren, den Teigwarenhersteller Alb-Gold aus Baden-Württemberg.

Olaf Klenke schaut an der Kamera vorbei.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Wir sagen ja nicht, dass die Lücke nächstes oder übernächstes Jahr geschlossen werden soll. Dennoch brauchen wir ein Signal, dass wir endlich aus diesem Niedriglohnbereich herauskommen.

Olaf Klenke Landesbezirkssekretär der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten

Derzeit liegt die unterste Lohngruppe bei den Teigwaren Riesa nach Angaben der Gewerkschaft bei einem Stundenlohn von 9,94 Euro und damit 34 Cent über dem Mindestlohn. Viele Beschäftigte erhielten einen Stundenlohn von bis zu 11,50 Euro. Etwa 80 Prozent der Beschäftigten bekämen einen Stundenlohn von 13 Euro oder weniger, hieß es.

Einer der Geschäftsführer der Teigwaren Riesa, Mike Hennig, kann die Forderungen der Gewerkschaft nicht nachvollziehen:

Die Mitarbeiter nagen doch hier nicht am Hungertuch. In den vergangenen drei Jahren gab es Erhöhungen von über 30 Prozent. Die vorgetragene Polemik und teilweise auch Lügen verstehe ich deshalb nicht.

Mike Hennig Geschäftsführer der Teigwaren Riesa

Unternehmen hält Forderungen für unrealistisch

Die Gewerkschaft habe die Erhöhung von 788 Euro zunächst innerhalb eines zwölfmonatigen Tarifvertrags eingefordert und teile nun auf einmal über Flugblätter mit, dass es auch schrittweise gehen würde. "Eine solche Erhöhung würde uns bei 139 Mitarbeitern reichlich zwei Millionen Euro kosten. In der Folge müssten wir unsere Preise verdoppeln." Selbst 350 Euro auf einen Schlag sei bei den derzeitigen Supermarktpreisen nicht möglich. Vergleiche mit größeren Nudelanbietern, die mehr zahlten, seien nicht zielführend, da diese Einkaufsvorteile beim Preis hätten, wenn sie beispielsweise Grieß für die Nudelherstellung kauften, so Hennig.

Mehrere Produkte der Teigwaren Riesa GmbH
Durch den Streik gibt es in den Regalen der Supermärkte immer weniger Riesaer Nudeln. Bildrechte: dpa

Unternehmer: Bei Kaufland schon ausgelistet

"In der Lebensmittelbranche herrscht ein aggressiver Preiskampf. Bei Kaufland sind wir schon ausgelistet. Sollte der Streik noch länger dauern, könnten weitere Supermärkte folgen, sodass am Ende die Insolvenz steht", sagt Hennig und ergänzt: "Ich bin ja nicht grundsätzlich gegen Erhöhungen, aber sie müssen halt realistisch sein."

Gewerkschaft zu dritter Streikwoche bereit

Die Gewerkschaft NGG sieht das anders und ist auch bereit, in eine dritte Streikwoche zu gehen. Die Taktik sieht dabei weiterhin vor, dass nicht die komplette Belegschaft, sondern immer einzelne Bereiche, wie zum Beispiel die Anlagenfahrer oder der Verpackungsbereich, streiken. Auf diese Weise werde am Ende trotzdem das ganze Werk lahmgelegt, hieß es. "Wenn man den ökonomischen Schaden sieht, hätte das Unternehmen mit dem durch den Streik eingebüßten Geld schon locker eine Tariferhöhung bezahlen können“, gibt Olaf Klenke zu bedenken.

Unterdessen werden die Riesaer Nudeln in den Supermarktregalen bereits knapp. Wie das Unternehmen mitteilt, sind zunächst die besonders beliebten Sorten betroffen. Nach und nach leerten sich die Regale aber insgesamt, hieß es.  

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | Nachrichten | 23. August 2021 | 13:00 Uhr

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