Juwelendiebstahl Remmo-Anwälte beantragen Aussetzung des Verfahrens

Wegen eines Streits um die Nebenklage startete der Prozess um den Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden am Freitag gleich mit einer einstündigen Verzögerung. Auch sonst stellten die Remmo-Anwälte zahlreiche Anträge, die das Verfahren beeinträchtigen könnten. In zwei Wochen entscheidet sich, wie es weitergeht.

Zahlreiche Menschen mit Mundschutz und dunkler Kleinung befinden sich in einem Saal mit Holztischen.
Die Verhandlung am Landgericht Dresden findet in einem besonders gesicherten Saal des Oberlandesgerichts statt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zum Start des Prozesses um den Juwelendiebstahl im Grünen Gewölbe in Dresden haben die Verteidiger der sechs Angeklagten verschiedene Anträge gestellt, die das Verfahren verzögern könnten. So beantragte ein Rechtsanwalt eine Abtrennung der Verfahren der zwei zum Tatzeitpunkt noch nicht volljährigen Angeklagten. Das hätte den Ausschluss der Öffentlichkeit zur Folge. Zur Begründung führte er an, dass die beiden Angeklagten durch das gemeinsame Verfahren mit den erwachsenen Angeklagten als Teil des Remmo-Clans stigmatisiert werden würden.

Anwälte kritisieren Auswahl der Schöffen

Ein weiterer Antrag der Verteidigung auf Aussetzung des Verfahrens bezieht sich auf die Besetzung der Schöffen in dem Prozess. Die Anwälte kritisieren, dass diverse Personen keinen Zugang zum Jugendschöffenamt haben, sondern nur Männer und Frauen. Der Ausschluss sei verfassungswidrig, darüber müsste erst das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Zahlreiche Menschen stehen mit dunkler Kleidung in einem mit Scheiben abgetrennten Saal. Einer hat die Kupuze über den Kopf gezogen.
Die Anwälte der Remmos kritisierten unter anderem die Auswahl der Schöffen in dem Gerichtsverfahren. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gericht will im Februar über Anträge entscheiden

Sollte den Anträgen stattgegeben werden, hätte das laut einem Gerichtssprecher erhebliche Folgen. In dem einen Fall könnte das Verfahren vor der Jugendkammer gegen die zwei zum Tatzeitpunkt nicht volljährigen Angeklagten nur mit Verzögerung fortgeführt werden. Die Verfahren gegen die Erwachsenen müssten vor einer anderen Strafkammer neu beginnen, was ebenfalls zu einer spürbaren Verzögerung des Prozesses führen würde.

Über die Anträge der Verteidigung wurde aber zunächst nicht befunden. Erst sollen die Verfahrensbeteiligten nächste Woche eine Stellungnahme abgeben, bevor das Gericht dann zum nächsten Sitzungs-Termin am 11. Februar entscheidet.

Sachsen

Einblicke Das war der Auftakt zum Prozess Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe Dresden

Mit großem Sicherheitsaufwand und leicht verspätet hat am Freitag der Prozess gegen die mutmaßlichen Juwelendiebe aus dem Grünen Gewölbe begonnen.

Polizisten in schwarzen Kutten sowie zahlreiche andere Menschen stehen vor einem eckigen, nüchternen Gebäude
Viele Polizisten und Justizbeamte sicherten den ersten Prozesstag in Dresden ab. Bildrechte: xcitepress
Polizisten in schwarzen Kutten sowie zahlreiche andere Menschen stehen vor einem eckigen, nüchternen Gebäude
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Zahlreiche Menschen mit Mundschutz und dunkler Kleinung befinden sich in einem Saal mit Holztischen.
Die sechs Beschuldigten im Alter von 22 bis 28 Jahren werden von 13 Rechtsanwälten vertreten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Einer der Angeklagten (vorn r) wird in den Saal im Oberlandesgericht Dresden geführt.
In Handschellen wird einer der sechs Angeklagten in den Gerichtssal geführt. Bildrechte: dpa
Einer der Angeklagten (M) kommt in den Saal des Oberlandesgerichts Dresden.
Dieser Beschuldigte will nicht in der Öffentlichkeit erkannt werden. Bildrechte: dpa
Ein Angeklagter (M) verdeckt sein Gesicht, während in einen Saal des Oberlandesgerichts Dresden geführt wird.
Kamerascheu ist auch dieser Angeklagte am Freitagvormittag. Bildrechte: dpa
Ein Angeklagter (r) verdeckt sein Gesicht, während er in einen Saal des Oberlandesgerichts Dresden geführt wird.
Mit einem Blatt Papier verdeckt dieser Angeklagte sein Gesicht vor den Medienvertrtetern, die für Medienhäuser im In- und Auslandd über den Prozessauftakt berichten. Bildrechte: dpa
Das Residenzschloss in Dresden mit Uhr und Polizeiauto
Am frühen Morgen des 25. November 2019 drangen zwei Täter nachts ins Grüne Gewölbe in Dresden ein und stahlen kostbare Schmuckstücke. Für den Prozess sind bis Ende Oktober 2022 vorerst 49 Verhandlungstage angesetzt worden. Fortsetzung sei möglich, hieß es. Bildrechte: MDR SACHSEN
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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | SACHSENSPIEGEL | 28. Januar 2022 | 19:00 Uhr

Verfahrensfehler? Streit um Nebenklage des Freistaates Sachsen

Gleiches gilt für einen Streit um die Nebenklage des Freistaates Sachsen. Dieser führte dazu, dass der Prozess erst mit reichlich einer Stunde Verzögerung starten konnte. Die Verteidiger der Remmos monierten nach Informationen von MDR-Reportern, dass der Nebenklagevertreter schon in der Verhandlung sitzen durfte, obwohl noch nicht über seine Zulassung im Verfahren entschieden wurde. Nach der Anklageverlesung beantragten die Anwälte deshalb die Aussetzung des Verfahrens. Der Nebenklagevertreter habe schon Akteneinsicht bekommen, bevor sie dazu gehört worden seien. Dies sei ein schwerwiegender Verfahrensfehler, der nicht mehr geheilt werden könne, sagten die Anwälte.

Bei dem Vertreter der Nebenklage handelt es sich um einen Anwalt des Freistaates Sachsen. Die Staatsanwaltschaft hatte seiner Anwesenheit zugestimmt. In dem Streit geht es unter anderem um die Frage der Akteneinsicht. Außerdem hat Sachsen ein sogenanntes Adhäsionsverfahren beantragt, um auch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen zu können. Dabei geht es um Ansprüche auf Schadenersatz. Das ist laut Strafprozessordnung zulässig.

Dicht gedrängt stehen Polizeiautos in einer Straße
Die Polizei in Dresden sicherte den Prozess um den Einbruch ins Grüne Gewölbe mit zahlreichen Einsatzkräften ab. Bildrechte: xcitepress

Anwältin: Größe und Gewicht von Angeklagtem weichen ab

Neben formalen Aspekten griffen die Remmo-Anwälte die Anklage auch inhaltlich an. So erklärte eine Verteidigerin, dass sie die Anklage nicht für schlüssig halte und bezeifle, dass ihr Mandant ins Residenzschloss eingestiegen sei. Sie untersetzte dies mit dem angegebenen Körpermaß und Gewicht des Angeklagten in den Akten, die nicht mit der Realität übereinstimmen würden. Auch die Geruchs-Identifizierung des Angeklagten mittels eines Spürhundes längere Zeit nach der Tat zweifelte die Verteidigerin an.

Verteidiger befürchten Vorverurteilung der Remmos

Ein weiterer Anwalt meinte, sein Mandant sitze zu Unrecht in Haft. Sein Name werde mit dem Remmo-Clan gleichgesetzt und würde damit vorverurteilt. Auch andere Verteidiger führten eine Vorverurteilung durch die Öffentlichkeit und ein mediales "an den Pranger stellen" an. Angezweifelt wurden zudem in einem Auto gefundene DNA-Spuren, die laut einer Anwältin kein sicheres Beweismittel und völlig wertlos seien. Die Spur müsse in den Kontext eingeordnet werden. Das Fahrzeug sei schon längere Zeit im Besitz der Familie gewesen und könnte außerdem von einer anderen Person in das Auto übertragen worden sein. Dies würden forensische Experimente belegen. 

Angeklagte des Juwelendiebstahls werden durch 13 Anwälte vertreten

Die sechs Angeklagten im Alter zwischen 22 und 28 Jahren waren zum Prozessstart ab etwa neun Uhr jeweils mit einem Polizeikonvoi mit Blaulicht aus ihren jeweiligen Justizvollzugsanstalten zum Gericht gekommen. Vertreten werden sie in der Verhandlung vor der Jugendkammer des Landgerichts Dresden von insgesamt 13 Anwälten.

Dutzende Journalisten berichten über Prozess um den Juwelendiebstahl

Begleitet wurde der Prozess von einem großen Medienaufgebot. Alle 25 dafür zur Verfügung stehenden Plätze im Gerichtssaal wurden nach MDR-Reporterinformationen besetzt. Weitere Plätze gab es in einem Nebenraum. Dutzende Journalisten von Print, Hörfunk und Fernsehen waren vertreten. Sie mussten zum Teil mehr als eine Stunde vor dem Einlass warten, bis sie durch die Sicherheitsschleuse im Hochsicherheitstrakt des Gerichts kamen.

Einer der Angeklagten (M) kommt in den Saal des Oberlandesgerichts Dresden. 24 min
Bildrechte: dpa
24 min

MDR SACHSEN Fr 28.01.2022 19:41Uhr 24:22 min

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Polizisten in schwarzen Kutten sowie zahlreiche andere Menschen stehen vor einem eckigen, nüchternen Gebäude
Der Prozess um den gestohlenen Schmuck im Grünen Gewölbe stößt auf ein großes Medieninteresse. Bereits lange vor Prozessbeginn bildete sich eine lange Schlange vor dem Gerichtsgebäude. Bildrechte: xcitepress

Anklage: 4.300 Diamanten und Brillanten bei Einbruch gestohlen

Laut Anklage erbeuteten die Beschuldigten bei dem Einbruch im Grünen Gewölbe am 25. November 2019 mehr als 4.300 Diamanten und Brillanten im Gesamtversicherungswert von mindestens 113,8 Millionen Euro - und verursachten Sachschäden von gut einer Million Euro. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl, Brandstiftung und besonders schwerere Brandstiftung vorgeworfen.

Diebstahl oder Raub?

Im Zusammenhang mit dem Einbruch ins Grüne Gewölbe in Dresden ist immer wieder von einem Juwelenraub die Rede.

Rechtlich gesehen sind Diebstahl und Raub unterschiedliche Dinge – das ist im Strafgesetzbuch in den Paragrafen 242 und 249 geregelt. Demnach handelt es sich um einen Diebstahl, wenn jemand "eine fremde bewegliche Sache" ohne die Zustimmung des Eigentümers an sich nimmt. Das kann mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Auch der Versuch des Diebstahls ist strafbar.

Von Raub spricht man hingegen, wenn der oder die Täter mit Gewalt drohen oder einer Person Gewalt antun, um einen Diebstahl zu begehen. Laut Strafgesetzbuch ist hier in minder schweren Fällen eine Haftstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren möglich.

Da bisher nicht bekannt ist, dass die mutmaßlichen Täter beim Einbruch ins Grüne Gewölbe jemanden bedroht oder jemandem Gewalt angetan haben, sind sie unter anderem wegen des Diebstahls der Juwelen angeklagt.

Sondersendung bei MDR SACHSEN & Kripo live

Der MDR wird an allen Tagen aktuell und umfassend aus dem Gerichtssaal berichten. Zum Prozessauftakt gibt es bei MDR SACHSEN - Das Sachsenradio zudem am 28. Januar um 18 Uhr eine Sondersendung.

Am Sonntag nach dem Prozessauftakt sendet der MDR ein Kripo live extra zu Hintergründen des Juwelendiebstahls aus dem Grünen Gewölbe.

Quelle: MDR(sth/kb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten | 28. Januar 2022 | 18:00 Uhr

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