Gerichtsentscheidung Prozess um Juwelenklau: Sachsen nicht als Nebenkläger zugelassen

Vor dem Landgericht Dresden stehen sechs junge Männer. Ihnen wird Juwelendiebstahl aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden vorgeworfen. Der Freistaat Sachsen wollte als Nebenkläger auftreten und hatte zum Prozessauftakt auch schon einen Anwalt ins Gericht geschickt. Das Landgericht lehnte jedoch das Ansinnen des Freistaates ab. Die Kunstsammlungen als Geschädigte bedauern das.

Das Juwelenzimmer im Historischen Grünen Gewölbe im Dresdner Schloss der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
Aus dem Historischen Grünen Gewölbe in Dresden wurden im November 2019 einzigartige Juwelen gestohlen. Bildrechte: dpa

Das Landgericht Dresden hat den Freistaat Sachsen nicht als Nebenkläger im Prozess um den Juwelendiebstahl aus dem Grünen Gewölbe zugelassen. Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) teilten mit, das Gericht habe festgestellt, das "kein besonderes Bedürfnis zur Wahrnehmung der Interessen des Freistaates als Nebenkläger bestehe". Die Kunstsammlungen bedauerten die Entscheidung. Die Pressestelle des Landgerichts war Mittwoch für eine telefonische Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Der Beschluss des Gerichts sei unanfechtbar, hieß es von den Kunstsammlungen. Von weiteren Äußerungen sehen die SKD nach eigenen Angaben "aus Respekt vor der Unabhängigkeit der Justiz und dem laufenden Verfahren" ab.

Sechs junge Männer angeklagt

Der Prozess vor dem Landgericht Dresden hat am 28. Januar mehr als zwei Jahre nach dem Juwelendiebstahl begonnen. Angeklagt sind sechs Männer im Alter von 22 bis 28 Jahren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schweren Bandendiebstahl, schwere Brandstiftung und Sachbeschädigung vor.

Gerichtsakten stehen im Saal des Oberlandesgerichts Dresden
Am Freitag wird der Prozess um den Juwelendiebstahl fortgesetzt. Bildrechte: dpa

Zu Prozessbeginn hatte die Anwesenheit eines Anwaltes des Freistaates für Irritationen gesorgt. Die Verteidiger erklärten, sie seien nicht damit einverstanden, dass der Freistaat Sachsen als Vertreter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden an dem Prozess als Nebenkläger teilnimmt. Der Antrag sei nur wenige Tage vor der Hauptverhandlung gestellt worden. Ohne Rücksprache mit den Angeklagten sei Akteneinsicht gewährt worden. Das sei ein Eingriff in die Selbstbestimmung der Angeklagten, hieß es.

Staatsanwaltschaft hatte Anwesenheit der Nebenklage zugestimmt

Nach der Anklageverlesung beantragten die Anwälte deshalb die Aussetzung des Verfahrens. Die Staatsanwaltschaft hatte vorläufig der Anwesenheit eines Nebenklage-Vertreters für den Freistaat zugestimmt.

Außerdem hat Sachsen ein sogenanntes Adhäsionsverfahren beantragt, um auch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen zu können. Dabei geht es um Ansprüche auf Schadenersatz. Das ist laut Strafprozessordnung zulässig.

MDR (lam)/epd

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Regionalnachrichten aus Dresden | 09. Februar 2022 | 17:30 Uhr

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