Landgericht Dresden Ex-Infinus-Manager zu Freiheitsstrafen verurteilt

Infinus hat 22.000 Anleger um insgesamt rund 312 Millionen Euro geprellt. Der Gründer des Mutterkonzerns Future Business und vier frühere Führungskräfte sind wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in besonders schwerem Fall und Kapitalanlagebetrugs veurteilt worden. Ein weiterer Mitarbeiter wurde wegen Beihilfe verurteilt. Sie haben dem Gericht zufolge ein "Schneeballsystem" betrieben.

Am Landgericht Dresden sind die Urteile im Prozess um die ehemalige Infinus AG gefallen. Die sechs Angeklagten wurden des banden- und gewerbsmäßigen Betrugs schuldig gesprochen. Dabei erhielt der Hauptangeklagte, der Gründer des Dresdner Finanzdienstleisters, acht Jahre Haft. Vier mitangeklagte Manager müssen zwischen fünf Jahren und vier Monaten und sechs Jahren hinter Gitter. Ein weiterer früherer Mitarbeiter wurde wegen Beihilfe zu viereinhalb Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten etwa 22.000 Anleger um rund 312 Millionen Euro betrogen haben.

Infinus nutzte Schneeballsystem

In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende Richter das Geschäftsmodell von Infinus in Frage. Man habe nach dem Prinzip "rechte Tasche/linke Tasche" gewirtschaftet. Es habe sich um ein wirtschaftlich eng verwobenes, von außen kaum durchschaubares Geflecht von Firmen gehandelt, die täglich neu gesteuert untereinander Geschäfte machten, so der Richter. Eine reale Vermögenserzielung sei nicht zu erkennen gewesen.

Die Manager der Infinus-Gruppe hatten im Jahr 2000 eine Finanzholding aufgezogen und mit Lebensversicherungen, Gold und Immobilien spekuliert. Unter anderem haben sie ihren Anlegern Orderschuldverschreibungen mit hohen Renditeversprechen verkauft. Die fünf Führungskräfte haben dem Gericht zufolge ein "Schneeballsystem" betrieben. So habe Infinus die Renditen älterer Sparer mit dem Geld von Neukunden finanziert. Die Staatsanwaltschaft hatte für sie Freiheitsstrafen zwischen vier Jahren und zehn Monaten sowie acht Jahren gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Verteidiger hatten schon im Vorfeld eine Überprüfung angekündigt.

Anleger erhalten maximal 20 Prozent zurück

Ein Hinweis der Bundesbank und der Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin hatte die Ermittlungen bei Infinus Mitte 2012 ins Rollen gebracht, gut ein Jahr später klickten dann die Handschellen. Bei einer Razzia am 5. November 2013 waren Villen, Luxuswagen und anderes Vermögen beschlagnahmt worden. Seit Herbst 2016 sind alle Beschuldigten wieder auf freiem Fuß, gegen Kaution oder unter Auflagen.

Die Vermögen der Verurteilten wurden eingezogen. In den kommenden Wochen sollen die Anleger erstmals Geld aus der Insolvenzmasse erhalten. Einer der Verwalter kündigt als Abschlag fünf bis sechs Prozent an. In Summe seien maximal 20 Prozent an Rückzahlungen zu erwarten.

Verbraucherzentrale sieht Urteil mit gemischten Gefühlen

Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen bewertet das Urteil mit gemischten Gefühlen. Die relativ hohen Haftstrafen seien für viele Betroffene sicher eine Genugtuung. Darüber hinaus könne der Urteilsspruch für künftige Zivilverfahren nützlich sein, so Heyer. "Generell sind aber Straf,- Zivil- und Insolvenzverfahren verschiedene Sachen und die Strafurteile bedeuten nicht, dass die Geschädigten nun mehr Geld zurückerhalten."

Andrea Heyer
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Es handelt sich um einen neuerlichen Großschadenfall, der bundesweit Aufmerksamkeit hervorgerufen hat. Einige Verbraucher werden mit Investitionen außerhalb von Banken und Sparkassen vorsichtiger werden. Es wird auf dem Kapitalmarkt aber weiterhin schwarze Schafe geben, die mit neuen und immer raffinierteren Methoden Anleger locken. Wir gehen deshalb auch in der Zukunft von weiteren Schadensfällen aus.

Andrea Heyer Verbraucherzentrale Sachsen

Weil Anlagen auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt immer mit Risiken verbunden sind, hatte die Bundesregierung nach der Infinus-Pleite die Gesetze verschärft. In Prospekten muss seitdem stärker auf mögliche Verluste hingewiesen werden. Heyer reicht das aber nicht aus: "Wir wünschen uns manchmal auch etwas mehr Mut zu einem Verbot. Dass beispielsweise gesagt wird, noch mehr Produkte sind für Privatpersonen nicht geeignet. Sie dürfen zwar an institutionelle Anleger vertrieben werden, aber nicht an Kleinanleger."

Orderschuldverschreibungen Schuldverschreibungen sind ein altes Finanzierungsinstrument, das in neuerer Zeit auch auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt angeboten wird. Es wird dort oft als sichere Anlage verkauft, wie auch Versicherungen, Immobilien und andere Sachwerte. Orderschuldverschreibungen sind Wertpapiere, die auf den Namen eines Anlegers laufen. Im Gegensatz zu Aktien ist eine solche Schuldverschreibung keine Anleihe auf das Eigenkapital eines Unternehmers, sondern eine Gewähr auf Fremdkapital.

Schneeballsystem Als Schneeballsystem werden Geschäftsmodelle bezeichnet, die zum Funktionieren eine ständig wachsende Anzahl an Teilnehmern benötigen. Gewinne für Teilnehmer entstehen beinahe ausschließlich dadurch, dass neue Teilnehmer geworben werden, die wiederum Geld investieren, ohne jegliche Dienstleistung oder ein Produkt zu erhalten.

Quelle: MDR/dpa/st

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.07.2018 | 14:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 09.07.2018 | 19:00 Uhr

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