Terminrückstau Lange Wartezeiten in Bürgerbüros der Großstädte in Sachsen

Während der Corona-Pandemie haben die Bürgerämter in Sachsen im Notbetrieb gearbeitet. Bürger mussten lange auf einen Termin warten. Inzwischen sind die Ämter zwar wieder geöffnet, doch noch immer gibt es lange Wartezeiten, wie eine Umfrage von MDR SACHSEN bei Ämtern in Dresden, Leipzig und Chemnitz ergab. Mehr Glück hat dagegen, wer in kleineren Städten lebt.

Bürgeramt Dresden
Spontane Termine im Bürgerbüro Dresdner Altstadt sind derzeit nicht möglich. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß

Wer sich derzeit in Dresden oder Leipzig bei der Stadt ummelden oder einen neuen Ausweis oder Reisepass beantragen möchte, muss viel Geduld mitbringen. Mal spontan beim Bürgeramt vorbeigehen, das ist nicht möglich. Noch immer müssen Termine online oder telefonisch vereinbart werden. In Dresden beträgt die Wartezeit für einen Termin z. B. im Bürgeramt Altstadt oder Blasewitz derzeit etwa zwölf Wochen. Als frühestmöglicher Termin wurde dort am Donnerstag (5.5.2022) bei der Online-Terminvergabe der 25. bzw. 28. Juli angeboten.

Mehr Personal, mehr Termine und Hotline sollen Abhilfe schaffen

Die Stadt Dresden bestätigte die langen Wartenzeiten. Sie lägen im Schnitt bei neun bis zehn Wochen, teilte eine Sprecherin auf Anfrage von MDR SACHSEN mit. Insgesamt würden zur Zeit 4.300 Termine pro Woche abgearbeitet. Um den Terminrückstau zu bewältigen, sei jetzt mehr Personal genehmigt worden. Dieses müsse aber erst fachlich geschult werden. Dann könnten auch mehr Termine angeboten werden.

Ab Montag (9. Mai) startet zudem ein Callcenter, um die Anrufe der Dresdnerinnen und Dresdner entgegenzunehmen und dadurch die Bürgerbüros zu entlasten. Auch Zeitfenster in den Bürgerämtern für Laufkundschaft sind nach Angaben der Stadt wieder geplant. Allerdings gebe es in dieser Zeit dann weniger Termine im Online-Portal. In dringenden Fällen sollten sich Bürger per Email an ihr zuständiges Bürgerbüro wenden.

Bürgeramt Dresden
Die Stadt Dresden will bis Ende des Jahres mehr Termine in den Bürgerbüros anbieten. Bildrechte: MDR/Konstantin Henß

Terminstau durch Corona und Ukraine-Geflüchtete

Hintergrund des Terminrückstaus bei den Dresdner Bürgerbüros ist vor allem die durch die Corona-Pandemie bedingte Umstellung auf die Terminvergabe. Auch die Abordnung von Mitarbeitenden zum Gesundheitsamt und für die Wahlen hat sich nach Angaben der Stadt negativ ausgewirkt. Aufgrund der bevorstehenden Urlaubszeit würden insbesondere Reisedokumente wieder stark nachgefragt, Kinderreisepässe seien aufgrund einer gesetzlichen Änderung nur noch ein Jahr gültig - früher waren es sechs Jahre. Die Anmeldungen von ukrainischen Flüchtlingen würden ebenfalls durch die Bürgerbüros bearbeitet.

Leipzig: Täglich kurzfristige Termine online

In Leipzig ist die Situation ähnlich, allerdings weniger dramatisch als in Dresden. Auch hier müssen die Bürgerinnen und Bürger zum Teil wochenlang auf einen Termin warten. Kurzfristige Termine für den jeweiligen Tag bei den Bürgerbüros gibt es täglich 8 Uhr und 12 Uhr in der Online-Terminvergabe, erklärt der Berater am Bürgertelefon. Da müssen Bürger allerdings zeitlich flexibel sein. Termine für die jeweils übernächste Woche würden jeden Freitag 11 Uhr freigeschaltet, langfristige Termine mit einem Vorlauf von vier Wochen täglich 17 Uhr.

Eine Sprecherin der Stadt Leipzig sagte MDR SACHSEN, das System sei über die letzten Jahre erprobt und optimiert worden. Gleichwohl gebe es seit März mehr Beschwerden von Bürgern. Die Stadt habe reagiert und kurzfristig neues Personal rekrutiert und aus anderen Bereichen umgesetzt. Termine für spontane Kunden will die Stadt Leipzig aber nicht mehr anbieten, da dies mit Wartezeiten vor Ort verbunden ist und die personellen Ressourcen nicht optimal genutzt würden.

In Chemnitz wieder ohne Termin aufs Amt

Auch in Chemnitz gibt es einen Terminstau bei den Bürgerämtern. Wartezeiten von sieben Wochen und mehr müssen Bürger derzeit in Kauf nehmen (Abfrage 5.5.2022), wenn sie einen Termin über das Portal der Stadt buchen möchten.

Doch in Chemnitz ist es seit dieser Woche wieder möglich, ohne Termin in die Meldestelle und in die Kfz-Zulassungsbehörde im Bürgerhaus am Wall zu kommen. Wie Stadtsprecher Axel Nowak MDR SACHSEN sagte, müssen Bürgerinnen und Bürger dafür aber längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Nowak begründet den Terminstau vor allem mit der großen Zahl von Geflüchteten aus der Ukraine, die sich in der Stadt anmelden müssten. Für sie gebe es sogar zusätzliche Termine an Wochenenden. 2.700 Geflüchtete hat die Stadt nach Angaben des Stadtsprechers bislang aufgenommen.

Kleinere Städte - weniger Terminstau

In mittelgroßen Städte wie etwa Bautzen, Görlitz oder Zwickau gibt es dagegen keine vergleichbaren Probleme. Zwar werden auch hier Termine meist online oder telefonisch vereinbart, aber in Görlitz und Zwickau kann man auch spontan aufs Amt gehen. Die Wartezeiten bei der Terminvergabe betragen hier derzeit höchstens ein bis zwei Wochen.

MDR (kb)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN | Nachrichten aus der Region Dresden | 06. Mai 2022 | 17:30 Uhr

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