Lichtblick im Advent Herrnhuter Sterne als Licht der Hoffnung aus Sachsen fürs Ahrtal

Im Hochwassergebiet im Ahrtal in Rheinland-Pfalz stehen hunderte Häuser leer, sind halb zerstört oder nur in den oberen Etagen bewohnbar. Wer durch die Straßen geht, riecht feucht-kalten Moder, Beton, Baustellenstaub oder Abgase von Entlüftern. Inmitten des Abreißens und Wiederaufbauens gehen die Menschen in die Adventszeit. Für sie hat die evangelische Pfarrerin von Remagen-Sinzig um Hilfe gebeten - und aus Sachsen ein großes Paket bekommen.

Mehrere Adventssterne und Herrnhuter Sterne hängen an einer Verkaufsbude und leuchten in der dunklen Nacht in Dresden.
Um "Licht aus dem Osten" hatte die Pfarrerin aus Sinzig im Ahrtal gebeten. Sie will Menschen ermutigen, die Weihnachten nicht zu Hause feiern können, weil sie nach der Hochwasserkatastrophe keines haben. Und sie will Wartende stärken, die auf Handwerker oder Gelder warten. Bildrechte: Kathrin König

In Sinzig im Ahrtal leuchten am 1. Advent 30 Herrnhuter Sterne aus Sachsen. Gespendet hat sie der theologische Ruhestands-Konvent der Landeskirche. Das sind ehemalige Pfarrerinnen und Pfarrer, die sich einmal im Monat zur Runde "Schwarzer Kaffee" in Dresden treffen. Einer davon ist der ehemalige Superintendent Matthias Weismann aus Meißen. Als er vom Aufruf der rheinischen Kirche hört, Lichter der Hoffnung zu spenden, organisiert er die Herrnhuter Sterne.

Beim Einkauf in Meißen klingen ihm die Worte seiner Pfarrerkollegin Kerstin Laubmann aus Sinzig im Ohr, die über die Bewohner in den vielen zerstörten Häusern sagt: "In den Obergeschossen drängen sie sich zusammen, sitzen zwischen den Dingen, die sie retten konnten, behelfen sich mit Zwei-Platten-Kochern. Freuen sich, wenn sie abends irgendwo eingeladen werden, um mal irgendwo zu sein, wo es warm ist. Wo es nicht nach Feuchtigkeit und Baustelle riecht. Wo nichts an die Flut erinnert." Als kleine Geste übernimmt die Buchhandlung in Meißen Verpackung und Versand der Sterne.

Eine Frau sitzt hinter einem großen Postpaket und hält einen Stern in der Hand. Es ist die evangelische Pfarrerin Kerstin Laubmann aus Sinzig, die eine Spende von Adventssternen annimmt.
Pfarrerin Kerstin Laubmann packt die weißen Herrnhuter Sterne aus, die aus Sachsen zu ihr geschickt wurden. Sie verteilt sie an besonders vom Hochwasser hart getroffene Familien und Verzweifelte. Bildrechte: privat

Kleines Symbol für die Seele

Für Matthias Weismann sind die 25-zackigen Sterne "nichts Weltbewegendes, aber für die Seele wichtig". Er freut sich, dass das traditionelle Kunsthandwerk aus Sachsen pünktlich vor dem 1. Advent in Rheinland-Pfalz angekommen ist. "Es heißt ja auch 'ex oriente lux' - aus dem Osten kommt das Licht", sagt der Ruheständler und erinnert zugleich an "die überwältigende Unterstützung, die wir aus den alten Bundesländern erfahren haben" nach den Elbe-Hochwasserschäden 2002 und 2013.

441 Kilometer Luftlinie weiter westlich hat Pfarrerin Kerstin Laubmann die Spenden mit einem persönlichen Brief versehen und schon in Sinzig verteilt. Daraufhin schreibt eine vom Hochwasser Betroffene:

Gestern habe ich mit meiner Schwiegertochter in Ostwestfalen darüber gesprochen, dass meine Herrnhuter Sterne, gleiches Modell wie das, das ich heute in Empfang genommen habe, mit der Flut auch weggeschwommen sind. Umso mehr freue ich mich darüber, dass wir ein Licht der Hoffnung erhalten haben.

Einwohnerin aus Sinzig Mitglied der evangelischen Kirchgemeinde Remagen Sinzig

Langer Atem für Wiederaufbau

"Die Menschen werden für den Wiederaufbau in den Hochwassergebieten einen langen Atem brauchen. Alles dauert, obwohl wir ein hochindustrielles Land sind. Die Menschen dürfen nicht verzagen. In unserer medialen Gesellschaft vergisst man ja schnell, deshalb sind Hoffnungszeichen immer wieder nötig", sagt Sterne-Organisator Matthias Weismann.

Ein Mann Mitte 60 sitzt auf einer Couch und denkt nach. Es ist der ehemalige Superintendent und Pfarrer Matthias Weismann in seiner Wohnung in Meißen.
Matthias Weismann findet, dass man für Menschen in Not "die besten Seiten der Menschlichkeit zeigen muss: Mitgefühl und praktische Solidarität". Bildrechte: Kathrin König

Das sagen jetzt viele: Das Warten sei das schlimmste. Jetzt kann man nichts tun. Am Anfang haben sich alle in die Arbeit gestürzt. Das war schrecklich - und tat doch gleichzeitig gut. Man hatte das Gefühl, etwas tun zu können, es lenkte einen ab. Jetzt sind die Tage kürzer und dunkler geworden. Auf einmal sind die Gedanken da.

Kerstin Laubmann evangelische Pfarrerin und Seelsorgerin Sinzig Remagen

Oberlungwitz und Gersdorf wollen helfen

Nach Informationen der rheinischen Kirche haben zwei weitere evangelische Kirchgemeinden aus Sachsen Unterstützung für die Flutopfer angekündigt. Die St.-Martins-Kirchgemeinde Oberlungwitz hat schon zwei Spenden überwiesen und will nun die Kollekte von Heiligabend nach Sinzig geben. Die Marienkirchgemeinde Gersdorf will ihre Silvester-Kollekte zur Verfügung stellen.

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Quelle: MDR/kk

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