Ein Jahr Pandemie Gedenkort für Corona-Tote in Meißen

Ein Kirche steht auf einem Friedhof. Der Himmel über der Kriche strahlt frühlingshaft hell und sonnig. Man blickt auf den Turm und Eingang der St. Urbanskirche in Meißen, die auch als Freidhofskirche genutzt wird.
Die St. Urbanskirche in Meißen hat ihre Türen als Andachts- und Gedenkort für Opfer der Corona-Pandemie geöffnet. Bildrechte: Kathrin König

In Meißen wird es ab 2. März einen Erinnerungsort für Verstorbene in der Corona-Pandemie geben. Dann ist es auf den Tag genau ein Jahr her, dass der erste bestätigte Corona-Infizierte in Sachsen registriert wurde. Ein Team der Johanneskirchgemeinde Meißen-Cölln und Pfarrerin Renate Henke bereiten den Raum dafür in der St. Urbanskirche vor.

Wegen der Pandemiebestimmungen wird die Eröffnung von Superintendent Andreas Beuchel nur in kleinem Rahmen stattfinden finden, teilen die Organisatoren mit. Der Meißner Oberbürgermeister Olaf Raschke will ein Grußwort sprechen, Domkantor Thorsten Göbel wird den Gedenkort mit Bach-Chorälen musikalisch würdigen.

Offene Kirche für alle Trauernden

Die Kirche in unmittelbarer Nähe zur Johanneskirche wird seit mehr als 120 Jahren auch als Friedhofskapelle genutzt. "Wir wollen Familien und Freunden Platz für ihre Trauer und ihren Verlust geben", sagt Pfarrerin Henke. Der Gedenkort solle allen Menschen offen stehen und ist nicht an Konfessionen gebunden. Familien hätten wegen der Corona-Schutzverordnung nur in engem Rahmen Trauerfeiern und Beerdigungen organisieren dürfen. Viele konnten nicht persönlich Abschied nehmen. Angehörige, deren Verwandte in einem der Meißner Pflegeheime gestorben waren, hätten Renate Henke auch immer wieder um seelischen Beistand gebeten. "Ihnen hat einfach die Möglichkeit des Abschieds gefehlt", sagt Henke.

Wir nehmen die Trauer und die Betroffenen in den Blick. Die Hinterbliebenen sollen sich individuell begegnen können. Wir wollen bei ihnen etwas aufschließen, dass sie möglichst nichts in sich begraben.

Renate Henke Pfarrerin

Erinnerungswände und Kerzen

Geplant ist vor dem Altar eine Erinnerungswand, an der an die Corona-Toten gedacht werden kann, mit Namen, Bildern oder Texten - wenn die Angehörigen das wollen. Gegenüber soll eine Fürbitten-Tafel stehen, an der Besucher ihre Klagen, Bitten oder Dank anbringen können. Zur Erinnerung können auch Kerzen angezündet und Gedanken in einem Erinnerungsbuch geschrieben werden. Unabhängig vom Corona-Gedenkort finden in der St. Urbanskirche bereits seit November 2020 montags bis freitags liturgische Mittags- und Abendgebete statt.

In einem Altarraum in einer alten Kirche stehen zwei Blumenvasen mit Blumen, Grün und Blütenschmuck. Weiter hinten steht deraltar mit Kerzen. Es ist das Innere der St. Urbanskirche in Meißen.
Im Altarraum der Meißner Kirche ist Platz für die Andachtswände, die links und rechts aufgestellt werden sollen. Bildrechte: Kathrin König

Kontrast zu Hotspot-Bildern aus Meißen

Pfarrerin Henke wertet den Gedenkort auch als Kontrast zu den "beklemmenden Bildern von gestapelten Särgen" im Krematorium Meißen, die im Dezember bundesweit und international Schlagzeilen provozierten. "Es hat uns bei der Vorbereitung auch geleitet, dass wir in Meißen lange Zeit die höchste Inzidenzzahl bundesweit hatten."

Insgesamt verzeichnete der Landkreis Meißen (Stand: 27.2.) 531 Menschen, die im Zusammenhang mit einer Covid19-Infektion gestorben sind. Sachsenweit sind laut Sozialministerium 7.829 Menschen an oder mit einer Covid-19-Erkrankung gestorben (Stand: 28.2.).

Quelle: MDR/kk

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