Impfstoff-Logistik Kühlboxen-Produktion für Corona-Impfstoffe in Nossen

In Sachsen kümmert sich das Deutsche Rote Kreuz um die Impfstoff-Logistik. Spezielle Kühlboxen werden dafür in der Nähe von Dresden hergestellt. Die Firma Schaumaplast musste deshalb sogar Sonderschichten einlegen.

Firmensitz von 'Schaumaplast'
Firmensitz von "Schaumaplast" in Nossen. Bildrechte: MDR/ Sven Kochale

In der Produktionshalle von "Schaumaplast" in Nossen spucken die Maschinen im Sekundentakt Thermoboxen aus. Normalerweise, erklärt Kundenbetreuer Martin Raack, produziert die Firma für die Lebensmittelindustrie oder stellt Teile für die Autobranche her. Doch seit Wochen kommt die Nachfrage verstärkt aus dem medizinischen Bereich.

Martin Raack erklärt wie das gefragte Produkt hergestellt wird: "Die Thermobox funktioniert so, dass wir ein isolierendes Material einsetzen. Das kann Styropor sein. Das kann Polypropylen sein. Und hinzugefügt werden Kühlelemente oder Kühlmedien. Die Anforderung für den Impfstoff war, es soll mindestens vier Tage, besser sogar länger, halten. Der Transportweg selber ist relativ kurz. Bei den Impfzentren selbst soll es noch als Zwischenlagerung für diesen Impfstoff genutzt werden. Um dort einen Puffer zu bilden, falls die Lagermöglichkeiten nicht vorhanden sind. Oder die Verimpfung nicht so schnell vorangeht, wie dann Impfstoff zur Verfügung steht."

Thermoboxen für den Impfstoff

Die Box aus Styropor bildet zusammen mit speziellen Akkus ein ausgeklügeltes, sogenanntes passives Kühlsystem. Das heißt, es funktioniert ohne Stromversorgung. Wobei das Mittel von Biontech/Pfizer bei Verpackung und Transport noch die wenigsten Probleme mache.

Toni Küttner
Toni Küttner, Geschäftsführer von Schaumaplast in Nossen Bildrechte: MDR/ Sven Kochale

Bei Kühltemperaturen von bis zu minus 70 Grad Celsius komme ohnehin nur Trockeneis infrage. Bei den anderen Impfstoffen ist das schon wieder anders.

Geschäftsführer Toni Küttner beschreibt den Aufwand: "Wir haben das für jeden Impfstoff ausgetüftelt." Kundenanforderungen könnten bei jedem Logistiker anders sein. "Da gibt es immer wieder Abweichungen, immer wieder Unterschiede in Laufzeit oder Handling", so Küttner.

Medizinisches Personal auf Intensivstation 29 min
Bildrechte: Carsten Sand

Regionale Produktion

Auf solche Lösungen ist das Deutsche Rote Kreuz in Sachsen angewiesen. Cheflogistiker Lars Werthmann ist froh, dass er hier auf Angebote aus der Region zurückgreifen und dadurch schnell handeln kann: "Das kann man nicht mit einer handelsüblichen Kühlbox machen. Da braucht man medizinische Kühlboxen. Da haben wir in Sachsen Produzenten, die uns da beliefern. Um da regionale Strukturen auch zu fördern. Und um den Impfstoff so sicher wie möglich zum Impfzentrum zu transportieren und zu verimpfen. Damit er seine volle Wirksamkeit entfalten kann."

Lars Werthmann
Cheflogistiker Lars Werthmann vom Deutschen Roten Kreuz Bildrechte: DRK Sachsen

Denn im Zweifel geht es um Minuten. Wenn zum Beispiel vergebene Impftermine drohen zu verfallen und sich vor Ort kein Impfwilliger mehr finden lässt: "Dabei unterstützt uns fast täglich das Technische Hilfswerk, die wir dann kurzzeitig alarmieren. Die schicken dann wirklich Transportfahrzeuge durch ganz Sachsen. Fahren Impfstoff von Riesa nach Leipzig oder von Dresden nach Belgern. Dorthin, wo kurzfristig noch Termine gemacht werden können. Um dort zu gewährleisten, dass möglichst keine Dose verfällt. Das ist unser oberstes Ziel, so wenige Dosen wie möglich verfallen zu lassen."

Im Moment verwaltet das DRK Sachsen den Mangel. Weil schlicht nicht genügend Impfstoffe zur Verfügung stehen. Der Cheflogistiker weiß aber auch, dass sich das ganz schnell ändern kann.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 17. April 2021 | 06:00 Uhr

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