Insolvenz Millionenbetrag der Stadt Coswig bei Greensill-Bank in Gefahr

Greensill
Seit der Insolvenz der Greensill Bank bangen viele Kommunen und Landkreise um ihre Geldanlagen. Auch die Stadt Coswig ist betroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch die Stadt Coswig ist von der Insolvenz der Greensill Bank betroffen. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, wurden im Dezember 2,5 Millionen Euro für sieben Monate angelegt. Um ein spekulatives Geschäft habe es sich dabei nicht gehandelt. Ziel sei die Vermeidung von Negativzinsen gewesen.

Die Stadt Coswig hat eigenen Angaben zufolge bereits anwaltliche Unterstützung eingeholt ist mit weiteren Kommunen in Kontakt, um das Vorgehen gemeinschaftlich abzustimmen. Die Stadträte der Stadt Coswig sollen demnächst ausführlich über das bevorstehende Insolvenzverfahren der Greensill Bank und über das weitere Vorgehen informiert werden. Aus prozesstaktischen Gründen werde das aber in einer nichtöffentlichen Sitzung erfolgen.

Erzgebirgskreis bangt um fünf Millionen Euro

Auch der Erzgebirgskreis bangt um eine Geldanlage von fünf Millionen Euro bei der Greensill Bank. Ob das Geld verloren ist, ist noch unklar. Im Gegensatz zu den privaten Einlagen sind diese Gelder nicht durch die Einlagensicherung der Banken geschützt.

Bundesländer, Landkreise und Kommunen mit einer Anlagesumme von mehr als fünf Millionen Euro bei der Greensill Bank:

  • Freistaat Thüringen: 50 Millionen Euro
  • Monheim (Nordrhein-Westfalen): 38 Millionen Euro
  • Eschborn (Hessen): 35 Millionen Euro
  • Wiesbaden (Hessen): 20 Millionen Euro
  • Schwalbach (Hessen): 19 Millionen Euro
  • Mitteldithmarschen (Schleswig-Holstein): 17 Millionen Euro
  • Weissach (Baden-Württemberg): 16 Millionen Euro
  • Köln (Nordrhein-Westfalen): 15 Millionen Euro
  • Osnabrück (Niedersachsen): 14 Millionen Euro
  • Nordenham (Niedersachsen): 13,5 Millionen Euro
  • Bötzingen (Baden-Württemberg): 13,2 Millionen Euro
  • Gießen (Hessen): 10 Millionen Euro
  • Garbsen (Niedersachsen): 8,5 Millionen Euro
  • Emmerich (Nordrhein-Westfalen): 6 Millionen Euro
  • Vaterstetten (Bayern): 5,5 Millionen Euro
  • Pöcking (Bayern): 5 Millionen Euro 
  • Erzgebirgskreis (Sachsen): 5 Millionen Euro

Finanzaufsicht hat Greensill Bank geschlossen

Die Finanzaufsicht BaFin hatte am 3. März die Greensill Bank AG Bremen wegen drohender Überschuldung mit sofortiger Wirkung geschlossen. Am Montag stellte die BaFin beim zuständigen Amtsgericht Bremen einen Insolvenzantrag für das Kreditinstitut. Die Greensill Bank gehört zum britischen Finanzkonzern "Greensill Capital", der ebenfalls insolvent ist.

Quelle: MDR/al

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 20.03.2021 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

3 Kommentare

zenkimaus vor 6 Wochen

Es gibt bestimmt auch in Coswig Künstler und Firmen die sich über unkomplizierte Hilfe gefreut hätten. Kaum ist Coswig schuldenfrei spekulieren sie mit Überschüssen anstatt diese den Menschen ihrer Stadt irgendwie zukommen zu lassen

Mustermann vor 7 Wochen

Greensill-Bank? Bis zur Insolvenz von der Bank noch nie etwas von dieser gehört. Umso interessanter ist aber, dass zahlreiche Bundesländer, Landkreise und Kommunen dort das Geld ihrer Bürger/innen verwahrt haben. Und das vor dem Hintergrund, dass es für die angelegten Gelder keine Einlagesicherung gibt. Weiterhin stellt sich mir die Frage: Warum wurde die Gelder (der Bürger/-innen!!) - offensichtlich - nicht auf mehrere namhafte Banken verteilt - Risikostreuung! Der Sachverhalt gehört genau aufgeklärt und die verantwortlichen persönlich zivil- und strafrechtlichen zur Verantwortung gezogen...sorry, man wird ja wohl noch mal träumen dürfen...

pete59 vor 7 Wochen

Für Beträge jenseits der 100.000 Euro „erhält“ man zurzeit nur sog. Negativzinsen. Alle Angebote mit positiven Zinsen erkauft man sich mit einem erhöhten Risiko, egal ob man dies nun „Spekulation“ nennt oder nicht. Und als Stadtkämmerer sollte ich zudem wissen, dass mir im Fall der Fälle nicht einmal der Einlagensicherungsfonds hilft. Aber jetzt sucht man die Verantwortung natürlich überall, nur nicht bei sich selbst.

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